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Gedenkstätte „Chatyn“ muss zum Ort der Erinnerung an die Opfer des NS-Völkermords werden

Gesellschaft 15.03.2018 | 14:05
Gedenkstätte "Chatyn"
Gedenkstätte "Chatyn"

MINSK, 15. März (BelTA) – Die Gedenkstätte „Chatyn“ muss zum nationalen Zentrum der Erinnerung an alle Opfer des NS-Völkermordes werden. Diese Meinung äußerte Historiker, Archivar und Sammler historischer Dokumente zur Chatyn-Tragödie Wladimir Adamuschko beim Rundtischgespräch in der Redaktion der Zeitung „SB. Belarus segodnja“ (SB. Belarus heute).

„Patriotische Erziehung der heranwachsenden Generation muss nicht nur von Heldentum im Krieg geprägt sein. Wir verneigen uns auch im Gedenken an die zivilen Opfer, Kinder und alte Menschen. Krieg ist Mord, Krieg ist Angst, Krieg ist Sackgasse“, sagte Adamuschko. Aus seiner Sicht müsse „Chatyn zum nationalen Zentrum werden, in dem man sich an alle Opfer des durch Nationalsozialisten verübten Völkermordes erinnern könne. Nicht immer wisse man, wo Verwandte ermordet worden seien. Manche Dörfer gebe aus auf der Landkarte nicht, aber die Gedenkstätte „Chatyn“ sei immer zu finden.

Leiter der Gedenkstätte, Historiker Artur Selski, hält „Chatyn“ für ein Denkmal der gesamten belarussischen Tragödie im Zweiten Weltkrieg. „Heute sind uns viele Details, Namen der Henker, selbst die Chronologie der Tragödie gut bekannt“, sagte er.

Nach dem Zerfall der Sowjetunion habe es viele Versuche gegeben, die Schuld am Verbrechen von Chatyn bald der NKWD (Innenministerium der UdSSR) bald den Partisanen bald der eigenen Polizei in die Schuhe zu schieben, erzählte Projektkoordinatorin „Verbrannte Dörfer von Belarus“ Natalja Kirillowa. „Das Traurigste daran ist, dass man jedes Mal das Nazi-Verbrechen verharmlosen und rechtfertigen wollte. Chatyn ist unser aller ewiger Schmerz. Spekulationen sind hier einfach unzulässig. Die Besatzer konnten das belarussische Volk weder vernichten noch erniedrigen noch nach ihren Gesetzen leben lassen“, sagte sie.

„Falsch wäre es auch, sich bei der Diskussion zu diesem Thema in der Detaillierung zu verfangen“, fügte Historiker und Dekan der Fakultät für Philosophie und Sozialwissenschaften der BGU, Wadim Gigin. „Heute wird im Chatyn-Diskurs oft gefragt, wer den Befehl ausgeführt hat. Ob Litauer, Letten, Belarussen, Ukrainer, Kosaken, Tataren oder Vertreter anderer Nationen, die man ohne Zweifel unter den Wehrmachtsoldaten ab und zu finden konnte. Aber dieser Ansatz, bei dem mit Begriffen gespielt wird und bei dem einige Details in den Vordergrund rücken, verwischt die Nazi-Schuld. Der Nationalsozialismus, betrieben von der NS-Elite, war von Natur aus verbrecherisch und zielte auf die Vernichtung ganzer Völker ab. Wer in solchen Diskussionen über die Nationalität der Mörder spricht, handelt nolens volens im Sinne der Nationalsozialisten, die es auf die Trennung und Verfeindung der Völker abgesehen haben.“

Am 22. März 1943 hat die 1. Kompanie der SS-Sondereinheit Dirlewanger das Dorf Chatyn vernichtet.

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