MINSK, 27. März (BelTA) – Der belarussische Premierminister Alexander Turtschin erläuterte auf der Plenarsitzung des Digitalforums „Industrie 5.0: Die Kraft der Zusammenarbeit“ in Kasachstan, was Industrie 5.0 für Belarus bedeutet und wie die Strategie des Landes aussieht.
Die Welt stehe heute an der Schwelle zu einer neuen industriellen Ära, so der Regierungschef von Belarus. „Die Zeit der fünften industriellen Revolution ist angebrochen, die auf digitaler Transformation sowie Automatisierung und Robotisierung der Produktion basiert. Für Belarus mit seiner starken industriellen Basis ist dies kein bloßer Trend oder eine Modeerscheinung, sondern eine strategische Priorität“, sagte Alexander Turtschin.
„Industrie 5.0 ist heute sowohl Garant als auch Voraussetzung für die Steigerung der Arbeitsproduktivität und der Wettbewerbsfähigkeit belarussischer Erzeugnisse. Sie ist auch die Grundlage für die weitere Entwicklung des menschlichen Potenzials, die Bewahrung des sozial orientierten Modells des belarussischen Staates, die Gewährleistung der Widerstandsfähigkeit gegenüber externen Faktoren und die Stärkung der technologischen Souveränität. In diesem Zusammenhang gilt besondere Aufmerksamkeit den prioritären Produktionssektoren: dem Maschinenbau, der Bergbauindustrie, der chemischen Industrie und dem Agrarindustriekomplex“, betonte der Premierminister.
Der belarussische Staat und die Wirtschaft setzen neue Ansätze in der Produktionsorganisation um und wechseln von isolierten Informationssystemen zu einem einheitlichen digitalen Steuerungskreislauf.
„Ein Beispiel dafür ist die bekannte belarussische Marke der Milchwirtschaft, ‚Savushkin Product‘. In den Produktionszyklus des Unternehmens sind etwa 80 Roboter integriert. Sie werden zur Automatisierung von Stapel-, Verpackungs- und Etikettierungsprozessen eingesetzt. Die Roboter sind auch im Logistiksegment tätig und sorgen für Lagerung und Warenbewegung. Parallel dazu wurde bei ‚Savushkin Product‘ ein Robotiklabor eingerichtet, das Potenzial der regionalen Technischen Universität für die Fachkräfteausbildung genutzt, und es werden eigene Robotersysteme hergestellt“, informierte Alexander Turtschin.
„Mit anderen Worten: Es entstehen nicht nur einzelne moderne Produktionsstätten, sondern ganzheitliche Industrie- und Sozialkomplexe, die den Herausforderungen der neuen industriellen Epoche gerecht werden“, machte der Premierminister deutlich.
Was den Maschinenbausektor betrifft, liege der Schwerpunkt darauf, Industrie 5.0 in erster Linie für Aufgaben wie die Gewährleistung der Sicherheit von Menschen unter schwierigen Arbeitsbedingungen, die Reduzierung von Stillstandszeiten und Unfällen sowie die Senkung der Produktionskosten zu nutzen.
„Heute testen wir die Möglichkeiten und untersuchen die Perspektiven des Einsatzes eines intelligenten Muldenkippers für den Tagebau. Es handelt sich um ein belarussisches Projekt – sowohl bei der Entwicklung des Fahrzeugs selbst als auch bei der Erstellung der dazugehörigen Software. Die 5G-Kommunikationstechnologie wird hier für die Kommunikation genutzt, und künstliche Intelligenz – für die Planung des autonomen Betriebs des Fahrzeugs im Tagebau“, so der Regierungschef von Belarus.
Eine wichtige Voraussetzung für die effektive technologische Transformation der Industrie sei auch die Schaffung und Entwicklung einer nationalen digitalen Ökosystems. „Der Treiber hierfür ist der Hochtechnologiepark – der führende IT-Cluster der Region, der oft als das Silicon Valley Osteuropas bezeichnet wird. Die im Park ansässigen Unternehmen entwickeln Lösungen auf der Grundlage von künstlicher Intelligenz und Computer Vision, die bereits in der Industrie zum Einsatz kommen – vom Produktlebenszyklusmanagement bis hin zur autonomen Logistik in Lagern. Softwaresysteme werden auch in großem Umfang für die Qualifizierung von Fachkräften für den Einsatz in Produktionsstätten eingesetzt. Dies ist insbesondere für die Energiewirtschaft unseres Landes von Bedeutung, wo sogenannte digitale Simulatoren es ermöglichen, grundlegende Geschäftsprozesse zu üben und den Umgang mit Notfallsituationen zu trainieren“, so Alexander Turtschin.
Er wies zudem darauf hin, dass die Eurasische Wirtschaftskommission derzeit umfangreiche Arbeiten im Rahmen der Entwicklung des Konzepts „Industrie 5.0“ durchführt. Das grundlegende Prinzip sei der Übergang von der bloßen Automatisierung zur Schaffung einer Umgebung, in der Technologien dem Menschen dienen und ihn nicht ersetzen.
Nach Ansicht von Alexander Turtschin sollte im Raum der EAWU der Fokus auf Initiativen wie Auftragsfertigung und industrielles Outsourcing, die Schaffung gemeinsamer Forschungs- und Produktionszentren zur Importsubstitution kritischer Komponenten, Technologietransfer und Fachkräfteausbildung gelegt werden. „Belarus ist bereit, in diesen Bereichen aktiv zu arbeiten“, betonte der Premierminister.
Belarus verfüge über ein breites Spektrum an Kompetenzen, die eine effektive Entwicklung der Technologien der neuen industriellen Ordnung ermöglichten. Dazu zählten eine starke industrielle Basis, eine ingenieurwissenschaftliche Schule, ein hohes Niveau der technischen Bildung und ein entwickeltes IT-Ökosystem, das in der Lage sei, technologische Lösungen schnell zu entwickeln und umzusetzen, so er.
„All dies sind wir bereit, in die gemeinsame Arbeit auf der EAWU-Plattform einzubringen. Beim Eintritt in die neue industrielle Ära ist es, wie der Präsident unseres Landes, Alexander Grigorjewitsch Lukaschenko, stets betont, von entscheidender Bedeutung, von Anfang an zu den Gestaltern der Spielregeln zu gehören, um sich nicht fremden Normen anpassen zu müssen. Für einen einzelnen Staat wird dies äußerst schwierig, wenn überhaupt möglich sein. Als Integrationsgemeinschaft jedoch, als Eurasische Wirtschaftsunion, können wir vollwertig und unmittelbar an der Ausarbeitung der neuen industriellen Ordnung mitwirken“, schloss Alexander Turtschin.
