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12 April 2021, 10:00
Wadim Gigin

Konzentrationslager: Eines der schmerzhaftesten Themen der belarussischen Geschichte

Wadim Gigin
Wadim Gigin
Dekan der Fakultät für Philosophie und Sozialwissenschaften, BGU

MINSK, 12. April (BelTA) – Das Thema „nazistische Konzentrationslager“ ist eines der schmerzhaftesten in der belarussischen Geschichte. Das sagte Dekan der Fakultät für Philosophie und Sozialwissenschaften, Historiker Dr. Wadim Gigin der Telegraphenagentur BelTA.

„Für das historische Gedenken der Belarussen bleibt das Thema Konzentrationslager eines der schmerzhaftesten schlechthin. Im Zweiten Weltkrieg hat es auf dem Territorium des Landes mehrere Hundert Vernichtungsorte für die zivile Bevölkerung und Soldaten gegeben. Trostenez war eines der größten Todeslager in Europa. Aber das war noch nicht alles. Viele haben vergessen, dass im Jahr 1934 im belarussischen Ort Bjarosa-Kartusskaja, der nach dem Froeden von Riga zu Polen gehörte, eines der ersten Konzentrationslager in Europa entstand. Hier wurden in erster Linie politische Gegner der Zweiten Polnischen Republik (II. Rzeczpospolita) interniert. In diesem Lager wollte man mit Foltern und Drangsalieren die Menschen dazu zwingen, auf ihre politischen Überzeugungen zu verzichten“, erzählte Wadim Gigin.

Belarussen reagieren deshalb sehr sensibel, wenn es um das Thema Konzentrationslager geht. Der Staat habe alles dafür zu tun, um der KZ-Opfer würdig zu gedenken. Man dürfe nicht vergessen, dass die Menschen oft für ihre Überzeugungen gelitten haben und auch weil sie Belarussen, Russen, Ukrainer, Juden waren. Sie wurden drangsaliert, misshandelt und starben oft den Märtyrertod.

Der Völkermord ist ein Thema, das offen angesprochen werden soll. Die junge Generation muss darüber mit allen verfügbaren Mitteln aufgeklärt werden. „Ich bin überzeugt: Niemand will die Schrecken des 20. Jahrhunderts wieder erleben. Gegen das Vergessen hilft nur das Erinnern, die Erinnerungspflege und Bildung. Museale Arbeit ist gefragt, Ausflüge zu den Erinnerungsstätten. Wer die ehemaligen KZs Trostenez, Auschwitz, Treblinka besucht und sich die Bilder von damals anschaut, erlebt einen psychologischen Schock. Das ist nicht angenehm, aber sehr wichtig für die Bildung einer Persönlichkeit, für die Ablehnung des Bösen“, schlussfolgerte Gigin.

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