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Alex Newman

„Sie sind wie Silicon Valley in seiner goldenen Zeit“

Meinungen 06.02.2020 | 13:57
Alex Newman Alex Newman US-Geschäftsmann, IT-Experte

Die letzte Woche war wegen eines wichtigen politischen Ereignisses in Erinnerung: Zum ersten Mal seit mehr als 20 Jahren besuchte ein US-Außenminister Belarus. Vor seiner Ankunft waren innerhalb einiger Monate mehrere hohe Beamte aus den USA nach Minsk gereist. Solche Besuche stehen sofort im Fokus der Massenmedien und werden noch mehrere Wochen nach ihrem Ende heiß und lange diskutiert. Aus dieser Reihe tanzen kleine Besuche, von denen in keinen Medien berichtet wird. Indes sind sie nach ihrer Bedeutung nicht weniger wichtig als die von Politikern oder Beamten. Alle Besucher lernen Belarus kennen und entdecken unser Land für sich. Sie setzen eine neue Kette von Beziehungen in Gang, diesmal im Bereich Wirtschaft und Investitionen.

Alex Newman, ein amerikanischer Geschäftsmann aus San Francisco, war parallel zum Besuch von Michael Pompeo in Minsk. Er ist Experte im Bereich der künstlichen Intelligenz und ist nach Belarus gekommen, um hier Partner für sein neues Unternehmen zu finden.

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BelTA: Alex, erzählen Sie uns, wie Sie im IT-Bereich angefangen haben und an welchen Projekten Sie derzeit arbeiten?

- Ich programmiere seit meinem 7. Lebensjahr und hatte mein erstes Startup eröffnet, bevor ich auf das College ging. Während des Studiums habe ich in Atlanta Wi-Fi Access Points eingerichtet – damals war das Wireless-Internet nicht so sehr verbreitet. Nach dem College ging ich ins Finanzwesen. Aber eines Tages wurde mir eine Stelle bei Cloudera im Silicon Valley angeboten. Dann habe ich noch ein paar weitere Startups gegründet. Eine davon war im Bereich des Datenbankmanagementsystems angesiedelt. Bald darauf haben wir dieses Unternehmen an den Staat verkauft. Dann habe ich beschlossen, mich auf humanitäre Projekte zu konzentrieren. Das war eine Zeit, in der maschinelles Lernen in vollem Gange war. Ich fand einen Partner und wir gründeten Intuition Machines, das bis heute ein erfolgreiches Unternehmen ist.

BelTA: Suchen Sie in Belarus nach neuen Partnern und Projekten?

- Ich möchte hier eine Repräsentanz eröffnen. Zurzeit arbeiten ein Paar Unternehmer aus Belarus auf Freelance Basis für uns. Das sind sind erstaunliche, sehr fleißige und talentierte Menschen. Wir wollen unsere Präsenz in diesem Land schon lange ausbauen. Belarus hat eine starke Ausbildung, insbesondere in Mathematik, und die Menschen sind fleißig und hingerissen.

In Minsk habe ich mehrere Unternehmen und junge Leute kennen gelernt, die interessante Dinge tun - von Coffeeshops bis hin zu Technologien. Es erinnert mich an das Silicon Valley in seiner goldenen Zeit: Es gibt viele talentierte Menschen mit leuchtenden Augen.

Bisher haben wir in Belarus nur Fachkräfte angeworben, und jetzt habe ich wirklich begonnen, mit Unternehmern zu arbeiten. Sie haben versprochen, mich im Silicon Valley zu besuchen, damit ich sie Investoren und anderen Unternehmen in den USA vorstellen kann.

BelTA: Welche Projekte besprechen Sie mit belarussischen Unternehmen? Oder klopfen Sie zuerst einmal auf den Busch und machen sich mit den Möglichkeiten vor Ort vertraut?

- In Belarus wurde ein hervorragendes Ökosystem im Bereich des maschinellen Lernens geschaffen. Wie gut die Leute hier die Mathematik kennen, zeigt, dass Sie alles richtig gemacht haben. Wir diskutierten hier nicht nur technische Fragen mit unseren Kollegen, sondern auch die Zusammenarbeit bei Investitionen, gemeinsame Projekte, Kundengewinnung. Aber der Hauptzweck meines Besuchs besteht darin, zu verstehen, wie man am besten in Menschen investiert, wie man hier die Geschäfte erfolgreich führen kann, denn wir wissen, dass dies für die Zukunft unseres Unternehmens wichtig ist.

Die Unternehmer in Belarus sind wirklich in ihr Geschäft verliebt. Man könnte sagen, dass sie nach Erfolg dürsten. Das hilft, eine solide Wachstumsdynamik in diesem Bereich aufrechtzuerhalten. Bei meinem Besuch im Hochtechnologiepark habe ich gesehen, wie schnell sich die ansässigen Firmen entwickeln. Auf einem Diagramm dargestellt wäre das eine gerade Linie nach oben. Sie zeigt das Engagement von Belarus für die Entwicklung des IT-Sektors.

Das Erfolgsgeheimnis des Silicon Valley besteht darin, dass wir versuchen, so schnell wie möglich voranzukommen, dass wir alle Hindernisse umgehen und unserem Ruf eine große Bedeutung beimessen. Als ich meinen ersten Startup gründete, lernte ich einen großartigen Investor kennen. Wir sprachen eine Stunde lang, er schaute mir in die Augen und sagte, dass ihm meine Arbeit gefällt und dass er mir helfen möchte. Wir tauschten unsere Ansichten über das zukünftige Geschäft aus, gaben uns die Hand, er telefonierte und überwies das Geld sofort. Dieses Maß an Vertrauen ermöglicht es uns, schneller als andere voranzukommen.

BelTA: Sie entwickeln Projekte im Bereich der künstlichen Intelligenz. Wie glauben Sie, stellen diese neuen Technologen irgendwelche Gefahr für die Menschheit dar oder werden sie unser zukünftiges Leben bestimmen?

- Meiner Meinung nach ist der Grund, warum viele Menschen Angst vor dem maschinellen Lernen haben, dass es sehr gut funktioniert. Schließlich ist es erstaunlich, wenn man ein System bauen kann, das Menschen und Maschinen identifizieren kann. Die Entwicklung dieser Technologien ist nicht einfach, so dass es verfrüht ist, zu befürchten, dass der Computer eines Morgens aufwacht und anfängt, mit uns zu sprechen.

Vielleicht ist es notwendig, auf nationaler und internationaler Ebene Regeln zu entwickeln, um diese Technologien sicher zu machen. Viele Unternehmen in den USA denken bereits darüber nach. In Amerika sind wir sehr besorgt darüber, dass maschinelles Lernen politische Prozesse beeinflussen kann, so dass gewisse Einschränkungen notwendig sind und bereits eingeführt werden. Wir fragen uns, wie sicher die künstliche Intelligenz ist, und das ist ein großer Fortschritt. In den Vereinigten Staaten hat die Automatisierung zum Abbau von Arbeitsplätzen in der Industrie geführt. Gleichzeitig spielen diese Technologien eine große Rolle, wenn es darum geht, etwas Neues zu erschaffen.

Ich habe mit meinen Kollegen aus China und Indien gesprochen, und ihre Wahrnehmung dieser Prozesse ist anders als die in Amerika. Meiner Meinung nach sollte jedes Land selbst entscheiden, welche Rolle die künstliche Intelligenz in seiner Entwicklung spielen darf. Meine chinesischen Kollegen sagen zum Beispiel, dass mit diesen Technologien die Sicherheit in den Städten gewachsen ist.

Wenn man darüber nachdenkt, ist jede Technologie eine potenzielle Bedrohung. Der Funk hilft uns zum Beispiel bei der Kommunikation mit Freunden, aber er kann dazu missbraucht werden, um Sprengsatz zu zünden. Je fortschrittlicher die Technologie ist, desto größer ist der Nutzen oder der Schaden, den sie anrichten kann. Deshalb ist es wirklich wichtig, dass Wirtschaft und Regierung zusammenarbeiten, um Regeln zu entwickeln, die allen Menschen zugute kommen und ein Land wettbewerbsfähig machen.

BelTA: Alex, Sie sind Berater für das Krypto- und Blockchain-Projekt. Ende 2017 verabschiedete Belarus ein Dekret über die digitale Wirtschaft, das zum ersten Mal in der Welt die Kryptowährung und die Blockchain-Technologie legalisiert und ein günstiges Steuerklima für Unternehmen in diesem Bereich geschaffen hat. Hat es Ihrer Meinung nach dazu beigetragen, dass Belarus "an der Spitze" der neuen Technologien steht und den Trends der Zeit folgt?

- Ich halte es für absolut richtig, dass der Präsident von Belarus beschlossen hat, die Kryptowährung zu legalisieren. Wie ich bereits gesagt habe, ist es für eine rasche Entwicklung der Technologien notwendig, den Unternehmen eine schnelle Entwicklung zu ermöglichen. Es spielt keine Rolle, ob wir über den rechtlichen Rahmen im Allgemeinen oder über das Hochtechnologiepark im Besonderen sprechen. Die Hauptsache ist, dass sich die Unternehmer auf das Geschäft konzentrieren können. Klare Spielregeln sind von großer Bedeutung. Ich schäme mich, es zuzugeben, aber Belarus ist Amerika wahrscheinlich in Bezug auf die einschlägige Gesetzgebung weit voraus.

BelTA: Ist Ihr Aufenthalt in Minsk ausschließlich eine Geschäftsreise oder haben Sie irgendwelche Museen besucht und nationale Gerichte gekostet?

- Ich war noch nicht in Museen, aber sie stehen auf dem Plan. Ehrlich gesagt, hatte ich ein Treffen nach dem anderen gehabt. Obwohl es mir in einigen Restaurants sehr gefiel. Das Essen war großartig. Wir waren an vielen Orten, und die Qualität des Lebensmittel war gut. In Amerika ist das Essen...nicht ganz gesund. In dieser Hinsicht erinnert mich Minsk an Kalifornien, wo wir uns ebenfalls auf natürliche Inhaltsstoffe konzentrieren.

Übrigens stammen meine Vorfahren väterlicherseits aus Belarus. Als ich in Minsk ankam, habe ich es mit meinem Herzen gespürt. Ich wurde durch die Kommunikation mit lokalen Unternehmern inspiriert, die sich mit Leib und Seele für ihr Geschäft einsetzen. Das gibt mir die Hoffnung, dass ich mit ihnen weiter zusammenarbeiten kann.

Jedes Mal, wenn ich mich mit Belarussen unterhalte, sehe ich, wie sie sich für die Zukunft begeistern und wie sich der Technologiesektor im Land entwickelt. Ich hoffe, dass sich Amerika und Belarus weiter annähern werden.

BelTA: Übrigens fiel Ihre Ankunft in Minsk mit dem Besuch des US-Außenministers Michael Pompeo zusammen...

- Ja, genau. Ich muss sagen, dass Außenminister Michael Pompeo in Amerika große Macht hat. Hoffentlich werden wir nach seinem Besuch enge Freunde werden. Wir investieren mehr und mehr in dieses Land, so dass sich der Dialog zwischen den Vereinigten Staaten und Belarus entwickeln wird.

Solche Gipfelgespräche sind wichtig, aber ich würde mir auch wünschen, dass Belarus mit den Vereinigten Staaten auf lokaler Ebene interagiert. Denn im Gegensatz zu europäischen Ländern wie Großbritannien oder Frankreich spielen in Amerika die Gemeinden eine große Rolle. Ich würde mir sehr wünschen, dass Minsk und San Francisco eine Städtepartnerschaft eingehen würden, damit wir mehr Kontakte zwischen den Geschäftsleuten haben können. Das ist die Art und Weise, wie Veränderungen in Amerika geschehen: Wir müssen von unten nach oben gehen. Ich hoffe, dass Sie nicht nur ein wunderbares Verhältnis zu Außenminister Michael Pompeo haben werden, sondern dass wir auch in der Lage sein werden, Ideen auszutauschen und viele Veränderungen auf lokaler Ebene vorzunehmen.

BelTA: Was kann Belarus tun, um Unternehmensleiter aus dem Silicon Valley und Investoren wie Elon Musk anzulocken, damit sie öfter hierher kommen und in lokale Unternehmen investieren?

- Was Elon Musk betrifft, so weiß er, wie man alles aufs Spiel setzt. Er ging dreimal in Konkurs, indem er sein Tesla-Projekt startete oder den SpaceX schuf. Er scheiterte, nachdem er beim Verkauf von PayPal Millionen von Dollar erwirtschaftet hatte. Als er ganz Pleite war, schlief er auf der Couch meines Freundes, dann schuf er Tesla. Jetzt ist Elon Musk reich. Was kann er noch tun, außer den Menschen zu helfen?

Wenn Belarus zur Hauptstadt der Informationstechnologie, des maschinellen Lernens wird, wird er sicherlich seine Zeit hier verbringen und in diesem Land investieren. Die Wirtschaft ist eine gute Möglichkeit, voneinander zu lernen, und ich denke, dass Belarus ein Land ist, von dem man viel lernen kann.

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