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04 August 2021, 18:12
Sergej Mussijenko

Vertrauen in die Opposition ist gering

Sergej Mussijenko
Sergej Mussijenko
Leiter des Analysezentrums EcooM

Im Auftrag des „Zweiten Nationalen Fernsehsenders“ ONT hat das Analytische Zentrum EcooM und die Stiftung „Ukrainische Politik“ eine landesweite Umfrage zum Thema „Soziales Denken und Mediensysteme“ durchgeführt. In 126 Siedlungen des Landes wurden 1890 Personen befragt. Die erfassten Informationen wurden bearbeitet und vom Leiter des EcooM-Zentrums Sergej Mussijenko kommentiert.

Die Befragten mussten anhand einer Skala von 1 bis 10 der Arbeit der Regierung, der alten und der neuen Opposition im Jahr 2020 eine Einschätzung geben. Die Regierung erhielt das Prädikat 6,69, die alte Opposition – das Prädikat 1,78 und die neue – 1,47.

„Die Ergebnisse sind vielsagend. Die Menschen wissen immer noch, dass die alte Opposition irgendwelche Führer und irgendein Programm hatte. Und die neue Opposition hat nichts dergleichen. Selbst oppositionstreue Belarussen haben der neuen Opposition negative Einschätzungen gegeben – das ging aus den Fragebögen hervor. Zu allen Zeiten und in jedem Land gibt es solche Personen, die a priori gegen die Staatsmacht sind“, sagte Mussijenko. Er glaubt, dass die neue Opposition ein Prädikat verdient, das gleich null ist. Ein besseres Prädikat habe sie nicht verdient, sagte Mussijenko. „Wofür denn? Dass sie der belarussischen Sprache mächtig ist? Oder dass sie irgendwelche Neuerungen für das Land und die Menschen auf den Tisch gelegt hat? Wir haben nichts gehört. Und die alte Opposition – das ist wie der Mythos des Gedenkens. Sie wollte das Leben der Menschen verbessern, konnte das aber nicht. Und die Regierung kann es – die Geschäfte funktionieren, in den Krankenhäusern werden die Menschen behandelt, es gibt keine Lockdowns und keine Sperrstunden“, erzählte Mussijenko. „Meiner Meinung nach könnte die Regierung eine höhere Einschätzung bekommen, weil sie intakt, würdig und ordentlich arbeitet. Sie betreibt keine PR-Kampagne, weil sie mit wirklichen Problemen zu tun hat: COVID-Pandemie, Getreideernte usw. Und die neue Opposition tut nichts außer PR – sie rettet keine Menschen, kauft keine Impfstoffe. Eine ausgewogene Haltung der belarussischen Regierung ist in vielerlei Hinsicht beispielhaft.“

Sergej Mussijenko betonte, dass die Einschätzung der Opposition nach den jüngsten Ereignissen noch niedriger ausfallen könnten. Das Treffen zwischen Biden und Tichanowskaja sei seiner Meinung nach kein offizielles Treffen gewesen. „Darüber sprechen viele Diplomaten, die ich dazu befragt habe. Das Zeremoniell und das Protokoll sind sehr streng – bei einem offiziellen Treffen werden Diplomaten oder Gäste mit Kleingeschenken und Keksen nicht abgetan. Das hat Tichanowskaja nicht verstanden. Das Protokoll ist eine feine Sache und eine klare Sprache, die man lernen muss. In Bidens Administration wird bald ein neuer Mensch, ein kompetenter und hartnäckiger, für die Belarus-Politik verantworten.“

Was das Vertrauen in die belarussische Opposition betrifft, so wurden in der Meinungsumfrage von Juli die Daten der von BELTA in Auftrag gegebenen Meinungsumfrage vom Februar vergleichend analysiert. So sprachen im Februar 3,8% der Befragten der belarussischen Opposition ihr Vertrauen aus, während es im Juli nur noch 2,8% waren. 41,6% der Befragten vertrauen der belarussischen Opposition nicht.

66 Prozent der Befragten schenken der Opposition „eher kein Vertrauen“ oder „überhaupt kein Vertrauen“. Das war eine klare Antwort, das Ergebnis ihrer sechsmonatigen Tätigkeit. Der Anteil derer, die keine Antwort darauf geben können, ist gleich hoch. Innerhalb der letzten 6 Monate ist das Vertrauen in die Opposition um das Doppelte gesunken. Die Menschen finden kein Interesse mehr an Appellen und am Handeln der Opposition“, betonte Mussijenko.

Auf die Frage, ob die alte und die neue Opposition mehr Perspektiven und ein eigenes Programm haben, antworteten 0,4 % der Befragten mit "Ja" für die alte belarussische Opposition, während 0,8 % für die neue waren. "Wahrscheinlich eher ja" - 5 % bzw. 1,4 %. "Eher nein" - 21,7 % und 17,6 %. "Nein" - 31 % und 37,9 % der Befragten.

„Aus soziologischer Sicht ist es schwierig zu verstehen, was die alte und was die neue Opposition ist. Vor einem Jahr sind neue Menschen gekommen und wollten statt der alten Menschen regieren. So sehen es die Menschen. Das ist keine Expertenmeinung. Es ist die Meinung der Bevölkerung. Und die Menschen sind sich darüber im Klaren, dass es weder für die alte noch für die neue Opposition eine Perspektive gibt. Sie sehen kein klares Programm der Opposition. Sie sind nicht interessiert. Je mehr die neue Opposition in den Medien auftritt, desto mehr stößt sie ab. Ohne Programm gibt es keine klaren Perspektiven. Das ist die Realität“, resümierte Mussijenko.

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