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14 Dezember 2025, 09:47

Details aus erster Hand. Wovor warnte Lukaschenko die USA und was ist das Ziel von Coales Besuch in Belarus 

MINSK, 14. Dezember (BelTA) - Belarus und die Vereinigten Staaten von Amerika streben eine vollständige Normalisierung der bilateralen Beziehungen an. Der ständige UN-Vertreter von Belarus Walentin Rybakow erzählte im Interview mit dem „Ersten Informationskanal“ einige Details der Visite von John Coale in Belarus. 

Über das Gesprächsklima zwischen Belarus und den USA

Auf die Frage über die jüngsten Gespräche zwischen dem Präsidenten von Belarus Alexander Lukaschenko und dem US-Sondergesandten John Coale in Belarus erwiderte Rybakow, sie seien in einer äußerst freundlichen Atmosphäre verlaufen. Die Parteien seien schließlich nicht zum ersten Mal zusammenkommen. 
„Die Mitglieder der US-Delegation sind an sich liebenswert und verstehen die Situation. Sie schätzen die Atmosphäre, die sich bei solchen Treffen entwickelt, sehr. Sie sehen, dass der Präsident sehr freundlich ist und ein absolut objektives, ehrliches Gespräch anstrebt – das schätzen sie auch sehr. Ich muss mich in Washington oft genug mit Vertretern des US- Außenministeriums, der US-Administration und mit John Coale treffen. Und immer wieder sagen sie, wie wichtig ihnen die Gespräche mit Alexander Lukaschenko sind. Weil er als Präsident große Erfahrung hat, weil er sehr viele Kontakte pflegt, weil er sehr viele Staatschefs persönlich gut kennt. Das alles hat einen sehr großen Wert“, sagte der Diplomat.

In Fragen allerdings, wo es zwischen Belarus und den USA unterschiedliche Ansätze gebe, was eigentlich kein Geheimnis sei, werde das Gespräch eher auf Sachebene geführt. „Aber im Allgemeinen ist die Atmosphäre sehr, sehr freundlich. Sie veranlagt dazu, Fragen von gemeinsamem Interesse zu erörtern“, sagte Walentin Rybakow.
Über Lösung des Konflikts in der Ukraine

Eines der Hauptthemen der Gespräche zwischen Lukaschenko und Coale sei der Konflikt in der Ukraine gewesen, bestätigte Rybakow. Man habe darüber gesprochen, wie man diesen Krieg beenden könne. Den Amerikanern sei es wichtig gewesen, sagte der Diplomat, welche Meinung der belarussische Präsident Lukaschenko dazu habe. Unser Staatschef pflege schließlich lange freundschaftliche Beziehungen zu seinem russischen Amtskollegen Wladimir Putin. Er kenne auch Wolodymyr Selenskyj sehr gut. 
„Die wichtigste Idee, die besprochen wurde, bestand darin, dass dieser Krieg einfach stoppen soll. Das Schießen muss aufhören, das Sterben muss aufhören. Alles andere kann man in Frieden aushandeln“, betonte der belarussische Diplomat.

Über die Beziehungen zwischen den USA und Venezuela

Bei den Gesprächen wurden nicht nur regionale Themen angesprochen, sondern auch die Fragen der internationalen Sicherheit, unter anderem die  eskalierenden Beziehungen zwischen den USA und Venezuela. 

„Alexander Lukaschenko hatte ausgezeichnete Beziehungen mit der früheren Führung Venezuelas, mit Hugo Chávez, und mit dem heutigen Präsidenten Maduro. Es wurde besprochen, wie Belarus und Alexander Grigorjewitsch persönlich dazu beitragen könnten, dass ein neuer Krieg in der Welt nicht ausbricht. Der belarussische Präsident sprach sehr offen mit der US-Delegation zu diesem Thema und warnte die USA vor einem „zweiten Vietnam.“ Das steht in niemandes Interesse. Diesen Krieg braucht weder Amerika noch Venezuela, geschweige denn die Weltgemeinschaft“, enthüllte Walentin Rybakow einige Details der Verhandlungen.

Über Normalisierung der Beziehungen zwischen Belarus und den USA

Ein wichtiges Thema der Gespräche war die bilaterale Tagesordnung und die gegenseitigen Schritte der beiden Länder. 

„Herr Coale hat angekündigt, dass in den USA die Entscheidung getroffen wurde, die illegitimen Sanktionen gegen die belarussische Kaliindustrie völlig aufzuheben. Diese Entscheidung wird sofort in Kraft treten“, sagte der Diplomat. „Das erklärte Ziel ist der Weg zur vollständigen Normalisierung der bilateralen Beziehungen zwischen der Republik Belarus und den Vereinigten Staaten.“
Bei den Gesprächen mit dem Chef des belarussischen Staates machte John Coale deutlich: Das ultimative Ziel, das die Regierung von Donald Trump verfolgt, ist die vollständige Normalisierung der Beziehungen zu Belarus. 

„Darunter wird absolut alles verstanden: Politische Beziehungen, wirtschaftliche Beziehungen, geschäftliche Kontakte, Projekte, die wir zusammen vorantreiben können, kulturelle Beziehungen. Es handelt sich um eine breite Palette“, sagte der belarussische UN-Vertreter.

Was ist über den US-Sondergesandten John Coale bekannt 

Walentin Rybakow bezeichnete den US-Sondergesandten John Coale als „professionellen, hochqualifizierten, sehr angesehenen Anwalt und Geschäftsmann“. 
„Er hält es für sehr wichtig, diese Geschäftsbeziehungen sozusagen aufrechtzuerhalten. Er bringt keine persönlichen Momente, Emotionen in die Verhandlungen und in diese Beziehungen. Er versteht, dass er die Interessen der Vereinigten Staaten verteidigt, und ist sich völlig bewusst, dass auch unser Präsident die Interessen der Republik Belarus und des belarussischen Volkes verteidigt“, sagte der Diplomat.
Dieses Mal kam John Coale mit seiner Frau Greta Van Susteren nach Minsk. Sie ist Fernsehmoderatorin und hat beim amerikanischen Fernsehsender Newsmax TV ihre eigene Sendung. Sie wollte unbedingt Alexander Lukaschenko interviewen.
„Herr Coale hat den Präsidenten schon vor geraumer Zeit darum gebeten. Er hat ihn gefragt, ob er mit seiner Frau hierher kommen kann. Sie möchte ihn interviewen. Und der Präsident sagte: „Natürlich! Ich werde mich sehr freuen, sie kennenzulernen, ich werde mich sehr freuen, ein Interview zu geben.“ Sie hatte mehrmals versucht, nach Belarus zu kommen, aber die Umstände waren einfach so, dass sie es früher nicht schaffen konnte. Aber jetzt hat alles bestens geklappt. Das interview ist meiner Meinung nach sehr gelungen. Der Präsident hat die Professionalität von John Coales Ehefrau Greta hoch eingeschätzt“, erzählte Rybakow. 
Die amerikanische Journalistin habe nach dem Interview mit dem belarussischen Staatschef zugegeben, dass sie von dem Wissensniveau und der Denkweise des Präsidenten sehr beeindruckt gewesen sei. Wie auch von seinem Verständnis der internationalen Lage. 
Über die "Versuche" der USA, die belarussisch-russischen Beziehungen zu beeinflussen

In einigen „Expertenkreisen“ wird angenommen, dass die USA mit der Normalisierung der Beziehungen zu Belarus auch ein Ziel anstreben, Belarus und Russland zu entkoppeln. Walentn Rybakow weist diese „Experten-Meinungen“ zurück. Er sei davon überzeugt, dass dies nicht der Fall sei. 

„Sehr oft muss ich die Frage beantworten, ob die Amerikaner versuchen, uns in unseren Beziehungen zu Russland irgendwie zu beeinflussen. Ich kann Ihnen versichern, dass solche Gedanken nie geäußert wurden. Es gab nie irgendwelche Versuche, uns mit Russland verfeinden, uns in einen Streit zu verwickeln. Die derzeitige US-Regierung geht davon aus, dass wir absolut enge, warme, freundschaftliche, verwandte, verbündete - was auch immer - Beziehungen zur Russischen Föderation pflegen. Und es gab nie irgendwelche Versuche, sich in diese Beziehungen einzumischen, und ich denke, das wird auch künftig nicht der Fall sein“, ist sich Walentin Rybakow sicher.

Über den weiteren Dialog zwischen Belarus und den USA

Das Fehlen öffentlicher Statements bedeute gar nicht, dass es keine Arbeit auf bilateraler Ebene gebe, so Rybakow. Ihm zufolge finden Treffen mit Vertretern der amerikanischen Behörden fast wöchentlich statt. 
„In Washington besprechen wir alle Fragen, die auf der Tagesordnung stehen. Wir bereiten die nächsten Treffen vor, wir bereiten die nächsten Schritte vor, die die beiden Seiten auf dem Weg zur vollständigen Normalisierung unserer Beziehungen machen müssen. Nach der Rückkehr in New York werden wir ein weiteres Treffen abhalten, die nächsten Schritte planen, denn es gibt viel zu tun. Wir haben Ziele gesetzt.  Früher, in Sowjetzeiten, sagte man dazu: „Folgt der Werbung“, Resümierte Walentin Rybakow.
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