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01 April 2026, 19:35

Karawai für den Präsidenten: Die Geschichte einer Meisterin, die dem Staatschef ein ungewöhnliches Brot überreichte 

Im November 2025 überreichte der belarussische Präsident Alexander Lukaschenko staatliche Auszeichnungen an die besten Fachkräfte der Agrarindustriebranche. Damals sagte er, dass die Arbeit in der belarussischen Landwirtschaft sehr wertvoll und interessant ist. Die gesamte Nation ist stolz auf die Agrarier. Landwirtschaftsminister Juri Gorlow dankte dem Staatsoberhaupt für die Unterstützung der Agrarier und überreichte ihm in ihrem Namen ein frisches Karawai als Symbol für die Ernährungssicherheit. Wir haben die Meisterin, die dieses festliche Brot gebacken hatte, ausfindig gemacht und erzählen über sie in der neuen Ausgabe von „Postfaktum: Ein Sonderbericht“.
Die Meisterin heißt Nina Wassilewskaja, sie ist hochqualifizierte Brotbäckerin in der Minsker Brotfabrik Nr. 6. Das Backen von traditionellen Karawai-Broten ist längst ihr Handwerk, doch an das Brot, das sie dem Staatsoberhaupt geschenkt hatte, erinnert sie sich mit Wärme und Aufregung.

„Ich backe Karawai seit Langem, und jedes Mal ist man enorm aufgeregt. Ich bin stolz darauf, dass man mir diese Aufgabe anvertraut hat. Ich war sehr aufgeregt, das muss ich ehrlich sagen“, erzählt sie.

Wie backt man ein Karawai 

Die Herstellung von solchen traditionellen Brotsorten hat so ihre Geheimnisse. Nina Wassilewskaja kennt alle Feinheiten der Backkunst. Seit vielen Jahren arbeitet sie in der Backwarenherstellung. Seit 1984 ist sie in den Minsker Brotfabriken tätig.

„Ich kam nach der Ausbildung in die dritte Brotfabrik und arbeitete zuerst dort. Wir machten dort Lebkuchen, Kekse. Dann heiratete ich, nach der Elternzeit ging ich an die Fachschule. Dort habe ich gesehen, wie man solche Karawais backt. Das mochte ich sofort. Und ich habe selbst begonnen, solche Brote zu machen. Das war 1998“, erinnert sich Nina Wassilewskaja.

Um ein Karawai zu backen, braucht man Mehl der höchsten Güteklasse, Wasser, Margarine, Eier, Zucker, Salz und Aromen. All das vermengt eine Teigknetmaschine. Karawais werden für besondere Anlässe gebacken, und dafür werden stets die besten Zutaten verwendet.

„Der Knetvorgang dauert etwa zehn Minuten. Danach prüfe ich, ob der Teig fertig ist. Dann kommt der Teig in den Gärschrank. Er geht auf, die Gärung findet statt, der Teig gewinnt an Säure. Danach nehmen wir den Teig heraus und formen ihn“, gibt die Bäckerin Einblicke in die Feinheiten ihres Werks.

Anschließend formt die Meisterin das Brot. Die Form hängt von den Wünschen des Kunden ab. Doch es gibt auch Traditionen. Der Zopf symbolisiert etwa Wohlstand und unzerbrechliche Verbundenheit. Danach kommt der Rohling erneut für 30 bis 40 Minuten in den Gärschrank.

„Dann schieben wir ihn bei 170 Grad für etwa 40 Minuten in den Ofen – je nach Gewicht. Der untere Rohling wiegt zwei Kilogramm, die oberen sind kleiner und wiegen 200 bis 300 Gramm. Unser Karawai wird 43 Minuten gebacken“, erklärt Nina Wassilewskaja.

Wie verziert man das Karawai? 

Man verziert es mit Blüten, Blättern und Ähren. Die Dekoration symbolisiert Fruchtbarkeit, Reichtum und Liebe. Der Teig für die Verzierungen muss etwas fester sein als der für das Brot selbst. Nina Wassilewskaja mischt das Mehl dafür von Hand unter. Die Dekorationen müssen ihre Form behalten, deshalb werden sie später mit süßem Sirup besprüht.

„Aus Erfahrung weiß ich inzwischen, wie viele Blätter, Blüten und andere Elemente auf ein Karawai gehören. Die Blüten werden natürlich im Voraus vorbereitet: heute für morgen, damit sie Volumen und Form behalten. So werden die Blüten schön plastisch und wirken wie echte. Sie trocknen über Nacht, und am nächsten Tag setze ich sie dann auf das Karawai“, gibt die Bäckerin ihre Geheimnisse preis.

Was symbolisiert das Karawai 

In der Minsker Brotfabrik versuchten wir, eine Kopie jenes Karawais zu backen, das dem Staatsoberhaupt überreicht wurde. Man muss jedoch bedenken: Ein solches Brot ist ein Unikat, ein zweites gibt es nicht. 

„Selbst wenn man wollte, könnte man ihn nicht exakt nachbacken, denn der Teig verhält sich jedes Mal anders. Solche Karawais werden auf Bestellung gebacken: mal für Hochzeiten, mal für das Erntedankfest „Daschynki“, mal für Jubiläen. Und sie sind alle unterschiedlich, selbst die Hochzeitsbrote. Es ist schließlich Handarbeit. Wie du Blättchen auflegst, so bleiben sie liegen. Jedes einzelne Element also“, betont Nina Wassilewskaja.

Ein Karawai ist in Belarus mehr als nur Brot. Es ist ein Symbol für Ernte, Fleiß und Frieden. Es hat sich eine schöne Tradition etabliert: Die Regionen backen zum Erntedankfest und als Zeichen für eine reiche Ernte einzigartige Karawai-Brote und geben sie in das Museum des Unabhängigkeitspalastes weiter. Dort können sie von den Besuchern bewundert werden. Und das sind wahrhaftige Meisterwerke der Backkunst.
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