Eis und Sonne – ein wundervoller Tag. An einem solchen Wintertag fand in Mogiljow ein ungewöhnlicher Wettkampf statt. Um eigene Geschicklichkeit und Treffsicherheit zu prüfen, versammelten sich die Menschen unterschiedlichen Alters zur 2. Offenen Meisterschaft im Filzstiefel-Werfen im Stadtpark Podnikolje. BelTA war dabei und erfuhr die Feinheiten des Wettbewerbs aus erster Hand.
Das frostige Wetter hielt die Teilnehmer nicht davon ab, sich an diesem ungewöhnlichen Spaß zu versuchen. Die Teilnehmer mussten sogar bei der Anmeldung warten.
Dmitri Latenkow, Leiter der Sportabteilung in der Stadtregierung Mogiljow, erzählte uns, dass die diesjährige Veranstaltung etwas schwieriger wurde. „Letztes Jahr haben wir den Wettbewerb an einem anderen Ort veranstaltet, dort konnte man den Filzstiefel mit Anlauf werfen. Die Ergebnisse waren hoch. Dieses Jahr ist der Raum eng, deshalb muss man den Stiefel vom Stand werfen. Das wird etwas schwieriger sein, aber ich denke, dass das Ergebnis vom letzten Jahr übertroffen wird. Wir erwarten, dass unser Sieger vom letzten Mal wieder am Wettbewerb teilnimmt. Sein Rekord lag bei 42 Metern. Wir hoffen, dass jemand dieses Mal einen neuen Rekord aufstellen wird“, sagte er.
Am Wettbewerb nehmen gern Klein und Groß teil. „Wir haben drei Alterskategorien bei Männern und Frauen. Kinder im Alter von bis 10 Jahren bilden auch eine Kategorie. Jungs und Mädchen werfen getrennt, ihre Filzstiefel sind etwas kleiner und leichter. Der Kategorie 11 bis 17 Jahre gehören Jugendliche an. Sie werfen Filzstiefel der Größe 45, genauso wie die Erwachsenen. Die „Kleinen“ werfen Stiefel der Größe 37“, erzählte Dmitri Latenkow.
Die Stadtbewohner unterstützten diese Idee sofort. Diese gute alte Tradition unserer Vorfahren wurde zu einer neuen „Sport- und Wettbewerbsaktion.“ „Filzstiefel wurden immer im Winter bei verschiedenen Festen geworfen: zu Masleniza (Butterwoche), bei Kolyady (Weihnachten). Das ist eine Tradition, die in unseren Herzen lebt. Dieser Wettbewerb erfordert keine besondere Vorbereitung, es ist keine offizielle Sportart, man muss nicht lange und intensiv trainieren. Vielleicht wird es aber auch solche geben, die vor dem Wettbewerb trainieren möchten. Das ist auch großartig“, resümierte Dmitri Latenkow.
An der Warteschlange konnte man schwer erkennen, ob es dort mehr Kinder, Jugendliche oder Erwachsene gab. Das Endergebnis ist wichtig, denn die Organisatoren haben Preise vorbereitet. Doch jedem war positive Stimmung und gute Laune garantiert. Selbst wenn etwas schiefging und der Filzstiefel in eine falsche Richtung flog, gab niemand auf. Lachende Gesichter und Fröhlichkeit begleiteten sogar misslungene Versuche.
Gleb Swerew (11) wollte hier seine Treffsicherheit und Geschicklichkeit prüfen. Er ging an die Sache ernst heran: Er wärmte sich kurz auf, schätzte das Gewicht des „Walenok“ ab und versuchte sogar, seine mögliche Flugbahn vorherzusagen. Er sagte, der Filzstiefel sei ziemlich schwer, so dass man den Wind nicht unbedingt in Kauf nehmen müsse. Mit dem Ergebnis von etwa 10 Metern war er sichtlich zufrieden.
„Ich fand es spannend, an so einem ungewöhnlichen Wettbewerb teilzunehmen. Eigentlich ist das Filzstiefel-Werfen gar nicht so schwer: Man nimmt ihn richtig in die Hand und wirft. Aber man braucht Kraft, damit er weiter fliegt. Man muss ihn auch mit der flachen Seite werfen, weil der Luftwiderstand dadurch geringer ist – so fliegt er weiter“, erklärt uns der kleine „Sportexperte“ die Feinheiten der Wurftechnik.
Auch ganze Familien waren dabei. Darunter Familie Kowaljow. Jeder versuchte sein Glück - Mutter, Vater und zwei Söhne. Der Park Podnikolje ist ihr Erholungsort. Hier gehen sie oft spazieren. Und die heutige Veranstaltung gab ihnen die Möglichkeit, den Samstag sportlich zu verbringen.
„Wir nehmen zum ersten Mal an so einem Wettbewerb teil, und ich muss sagen, es sieht von außen so aus, als wäre es ganz einfach – man wirft den Filzstiefel einfach so weit wie es geht. Aber in Wirklichkeit ist es nicht so einfach. Er ist schwer, voll im Schnee, und es ist ziemlich schwierig, einen Schwung zu machen, aber es ist auch sehr interessant“, sagt Mutter Jelena Kowaljowa. „Das ist eine ungewöhnliche Freizeitidee und eine tolle Gelegenheit, dass auch Kinder teilnehmen können. Für Kinder und Erwachsene ist das etwas Neues.“
Der Sohn Lew Kowaljow warf den Stiefel über 12 Meter. Der Junge sagte, dass er dabei komische Gefühle hatte. Er machte sich mehr Sorgen darüber, dass er dabei niemanden trifft. Aber er warf trotzdem und zeigte ein gutes Resultat. Selbst die Richter lobten ihn.
Die Familie Kowaljow war sich einig: Wenn es in der Stadt noch solche Meisterschaften geben sollte, werden sie definitiv wieder daran teilnehmen. Und der Familienvater Michail schlug sogar vor, ein paar Filzstiefel zu kaufen, damit sie für das Training mit dem richtigen Gerät üben können.
Ljudmila Simenkowa aus Mogiljow kam zum Wettbewerb. Sie ist bereits im Ruhestand, aber führt ein aktives Leben. Sie beteiligt sich immer an interessanten Veranstaltungen in der Stadt. „Ich habe im Internet ein Video gesehen, in dem erklärt wurde, dass so eine Meisterschaft stattfinden würde. Normalerweise gehe ich bei Frost nicht oft aus, aber heute dachte ich mir „Du musst gehen!“ Ich habe mich wärmer angezogen. Ich versuche immer bei sportlichen Anlässen dabei zu sein: Laufen, Schießen. Heute wollte ich mich beim Filzstiefel-Werfen versuchen. Man sagt, es ist nicht einfach, aber mit ist es egal. Es kommt wie es kommt. Wichtig ist nicht das Ergebnis, sondern die Teilnahme und die gute Laune!“
Die Schiedsrichterin Oksana Menkowa war streng und kontrollierte den Prozess sehr genau. Niemand hatte die Chance zu betrügen.
Insgesamt nahmen über 300 Personen am Wettbewerb teil. Der jüngste Teilnehmer war erst 2 Jahre alt, der älteste über 60. Der Rekord in diesem Jahr lag bei 32 Metern und 20 Zentimetern.
