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Gesellschaft
04 April 2026, 21:01

Deljagin: Die USA unterschätzen den chinesischen Faktor im Nahen Osten grundlegend

MINSK, 4. April (BelTA) - Laut Michail Deljagin, einem habilitierten Wirtschaftswissenschaftler und stellvertretenden Vorsitzenden des Wirtschaftsausschusses der russischen Staatsduma, unterschätzen die USA den chinesischen Einfluss im Nahen Osten erheblich. Diese Einschätzung gab er in der neuesten Folge von „Thema im Gespräch“ der Nachrichtenagentur BelTA ab.

„Die Amerikaner glauben, sie hätten alles im Griff (im Nahen Osten). Militärisch gesehen, ja. Sie wollten die iranische Führung austauschen und dachten, proamerikanische Kräfte würden an die Macht kommen. Es gab keine proamerikanischen Kräfte“, bemerkte Deljagin.

Er wies auf die kulturelle Kluft zwischen den USA und dem Iran hin. Laut dem Abgeordneten verstehen die Vereinigten Staaten überhaupt nicht, wie die Machtstrukturen in diesem Land aufgebaut sind und nach welchen Regeln die iranische Gesellschaft funktioniert.

„Sie wissen nichts davon. Und es ist durchaus möglich, dass sie abgelehnt werden, nicht weil die neue iranische Führung kein belastendes Abkommen mit ihnen eingehen will, sondern weil sie aufgrund kultureller Unterschiede schlichtweg nicht versteht, was ihnen angeboten wird. Außerdem unterschätzen sie den Faktor China grundlegend, denn China steht voll und ganz hinter dem Iran. Der Iran ist für China nach wie vor von entscheidender Bedeutung“, betonte der russische Abgeordnete.

Laut Deljagin ziehen die Amerikaner auch einen weiteren Einflussfaktor in der Situation nicht in ausreichendem Maße in Betracht – die sogenannte „Chaospartei“. Er erläuterte, dass es weltweit Menschen gibt, die von Stabilität profitieren, wie die Allianz aus digitalem und industriellem Kapital. Im Gegensatz dazu existieren auch Akteure, die vom Chaos profitieren, etwa Finanzspekulanten. Der Konflikt zwischen diesen beiden Kräften sei von existenzieller Bedeutung.

„Seit Anfang der 1990er Jahre gab es in allen Konflikten eine sehr einflussreiche dritte Partei, die eine Einigung verhindert hat. Besonders deutlich zeigte sich dies bei Boris Johnson, der die Istanbul-Abkommen aufkündigte, was ihm die Verhinderung eines Friedensschlusses zwischen der Ukraine und Russland zuschreibt. Vertreter Englands waren jedoch immer präsent, nicht weil sie schlecht handeln, sondern weil England sich in eine Finanzboutique verwandelt hat, die als Organisationsstruktur für Finanzspekulanten dient. Heute sind sie in ihrer reinsten Form die Finanzspekulanten der globalen Welt. Auch in den USA sind ähnliche Kräfte zu finden, insbesondere in der Demokratischen Partei, die allgemein als pro-britisch angesehen wird. Doch global gesehen sind sie überall aktiv“, erklärte der Wirtschaftswissenschaftler.
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