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07 Februar 2022, 17:55

Experte: Bau eines Zauns im Białowieża-Urwald ist völkerrechtswidrig

BREST, 7. Februar (BelTA) – Der Bau eines Zauns im Białowieża-Urwald ist ein grober Verstoß gegen das Völkerrecht. Diese Meinung äußerte Nikolai Michaltschuk, Direktor des Polessischen Agroökologischen Instituts der Nationalen Akademie der Wissenschaften von Belarus, Kandidat der biologischen Wissenschaften, im Gespräch mit BelTA.

Während eines Runden Tisches in Brest haben Umweltexperten, Wissenschaftler, Forscher und Naturschützer eine große Besorgnis über den Bau eines „Schutzzauns“ entlang der polnischen Staatsgrenze auf dem Territorium des Naturschutzgebietes in der Belowescher Heide geäußert. Die 5 Meter hohe Metallkonstruktion mit Stacheldraht an der Spitze wird voraussichtlich 60 Kilometer lang innerhalb des Nationalparks verlaufen.

„Diese Pläne stehen im krassen Widerspruch zur internationalen Gesetzgebung und internationalen Übereinkommen über den Schutz bestimmter Arten und der biologischen Vielfalt insgesamt. Sie widersprechen der Idee des paneuropäischen ökologischen Netzwerks, in dem der Białowieża-Urwald als Herzstück mit internationaler Tragweite fungiert. Die Idee des Netzwerks ist, dass diese Areale durch ökologische Korridore verbunden sind, wo die Tiere frei wandern können. Dadurch wird die Nachhaltigkeit und Stabilität einzigartiger Ökosysteme wie der Białowieża-Urwald erhöht. Der Nationalpark stellt eines der europaweit letzten großen Gebiete mit einheimischen Wäldern“, sagte Nikolai Michaltschuk.

Er erinnerte daran, dass der Białowieża-Urwald in der UNESCO-Welterbeliste als eine einzige grenzüberschreitende Stätte aufgeführt ist. Jegliche Aktivitäten wie der Zaunbau verschlechtern nur den ökologischen Status des Waldes. Die Aufteilung des Naturschutzgebietes in zwei Teile ist im Grunde genommen ein Schritt zurück in Sachen der Erhaltung von Landschaften und der biologischen Vielfalt. Die Errichtung von Stacheldrahtzäunen, die die Tiere traumatisieren, ist seiner Meinung nach eine Barbarei. Im Urwald von Białowieża zeigt Belarus einen verantwortungsvollen, abgewogenen und durchdachten Ansatz, und die belarussischen Grenzschutzsysteme sind in vielerlei Hinsicht schonender und ökologisch sinnvoller.

„Wir sind der Meinung, dass dies nicht der Fall ist, wenn man eine abwartende Haltung einnehmen kann, und haben daher beschlossen, unsere Stimme gegen diese Pläne zu erheben. Wir sind sehr froh, dass unsere Gedanken mit den Forderungen europäischer Umweltschützer übereinstimmen, die ein entsprechendes Schreiben an die Europäische Kommission gerichtet haben, in dem sie darauf drängen, die Pläne für den Bau der Anlage zu überdenken. Über tausend namhafte Wissenschaftler nicht nur aus Polen, sondern auch aus Belgien, dem Vereinigten Königreich, Frankreich und Deutschland haben diese Petition unterzeichnet“, so der Wissenschaftler.

Die Teilnehmer des Rundtischgesprächs verabschiedeten die Petition, die in den Medien veröffentlicht werden soll. „Ich möchte, dass dies eine breite öffentliche Initiative wird und dass die Stimme dieser Initiative in der Europäischen Kommission und bei den polnischen Partnern gehört wird. Es liegt auf der Hand, dass die Idee, den Zaun zu bauen, in der Spitze des polnischen politischen Establishments geboren wurde, das für die Entscheidungsfindung in diesem Bereich zuständig ist. Aber alle vernünftig denkenden Menschen, einschließlich der Umweltschützer, sind dagegen. Ich denke, dass dies in dieser schwierigen und herausfordernden Zeit genau die richtige Gelegenheit für uns alle ist, um Einigkeit zu demonstrieren, indem wir uns für die Erhaltung der Natur einsetzen“, schlussfolgerte der Direktor des Instituts.

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