Projekte
Staatsorgane
flag Sonntag, 15 Februar 2026
Alle Nachrichten
Alle Nachrichten
Gesellschaft
22 Januar 2026, 19:17

Expertenmeinung: Belarus setzt auf Dialog und meistert die Verhandlungen mit dem „schweren Teenager“-Europa

MINSK, 22. Januar (BelTA) - Belarus bleibt ein Bollwerk der Stabilität, doch seine Haltung gegenüber dem Weltgeschehen wandelt sich. Es ist an der Zeit, dass Belarus den europäischen Ländern zeigt, wie man zusammenlebt. Jelena Ponomarjowa, habilitierte Politikwissenschaftlerin und Professorin am Moskauer Staatlichen Institut für Internationale Beziehungen (MGIMO), teilte diese Ansicht in der aktuellen Ausgabe von „Thema im Gespräch“ auf dem YouTube-Kanal der Telegraphenagentur BelTA.

Viele Jahre lang war Belarus eine Zone der Stabilität und Sicherheit auf dem eurasischen Kontinent. Doch die Situation jenseits der Landesgrenzen beeinflusst auch die Wahrnehmung vieler Ereignisse. „Die Fähigkeit und Möglichkeit, die Sicherheit von Dialogplattformen zu gewährleisten, bleibt unverändert, wenn wir über internationale und globale Politik sprechen. Und natürlich geht es dabei auch um die Sicherheit unserer Bürger. Daran hat sich seit Jahrzehnten nichts geändert. Gleichzeitig wandelt sich die Herangehensweise an die Bewertung aktueller Ereignisse und der daran beteiligten Akteure. Ich würde diese Veränderung jedoch als positiv bewerten. Sie kann scharfe Rhetorik und eine deutliche Verurteilung bestimmter Handlungen beinhalten, aber auch die Bereitschaft, den Dialog mit bestimmten Ländern fortzusetzen. Das ist beständige Offenheit“, bemerkte die Expertin.

Jelena Ponomarjowa hob hervor, dass das Bestreben unserer Republik, Konflikte diplomatisch zu lösen, eine zentrale Eigenschaft des Landes darstellt. „Belarus betont immer wieder: ‚Lasst uns miteinander sprechen.‘“ Es ist vergleichbar mit einer Familiensituation, in der ein Teenager auftaucht und die Eltern schließlich erkennen, dass dieser von dem anderen Planeten kommt und ein Problemkind ist. Dennoch finden weise Eltern einen Weg, um mit diesem neuen Individuum umzugehen. Ähnlich verfahren belarussische Politiker, einschließlich des Präsidenten von Belarus: Sie versuchen, wie kluge Eltern, die Situation mit diesem außer Kontrolle geratenen Teenager zu meistern und ihn zu ermahnen. Gleichzeitig festigen sie jedoch ihre Position für den Dialog in Bezug auf die strategische Sicherheit der Ressourcen, so die Expertin. „Dies ist ebenfalls ein sehr wichtiger Punkt, der, wie Politikwissenschaftler sagen würden, die Position stärkt und die Subjektivität und Handlungsfähigkeit des modernen Belarus fördert. Daher muß man in diesem Sinne weitermachen.“

Neben den Gesprächen belarussischer Politiker auf internationalen Bühnen haben auch Vertreter des humanitären Sektors im Ausland einen Einfluss. „Es geschieht nicht nur im öffentlichen Raum, sondern auch durch vielfältige Vernetzungen, in denen Personen aus verschiedenen Institutionen und Bereichen – von Journalisten über Kulturschaffende bis hin zu Wissenschaftlern – sich mit unterschiedlichen Themen befassen. Sie schaffen neue Chancen und erweitern Perspektiven“, bemerkte die Politikwissenschaftlerin.

Sie berichtete, wie das belarussische Außenministerium während einer internationalen Konferenz im letzten Jahr in Minsk Zahlen und Videos zu den Ereignissen an der Grenze zu den europäischen Nachbarn präsentierte. „Im Herbst besuchte ich nicht nur die Plenarsitzung, sondern auch eine der Podiumsdiskussionen unter dem Vorsitz des belarussischen Außenministers, die sich speziell mit dem Thema der Migranten befasste, die die belarussische Grenze überqueren bzw. nicht überqueren, und was die Polen und die baltischen Anrainerstaaten an der Grenze tun usw. Viele, die von diesen Informationen hörten und die Bilder sahen, waren schockiert. Es wurde auch ein englischsprachiger Film gezeigt. Diese brutalen Regime liegen jenseits der Grenzen von Belarus! Die Menschen erfahren davon. Das ist eine Plattform, um Einfluss zu nehmen und Wahrnehmungen zu verändern, denn es sind nicht nur Laien, die an solchen Veranstaltungen teilnehmen, sondern auch Personen, die in der Lage sind, diese Informationen weiterzugeben. Man könnte sagen, es sind inoffizielle „Nachrichtendienstler“, die herausfinden, was wirklich geschieht, und dies über ihre Medien, durch Vorträge und Gespräche mit Politikern verbreiten. Belarus geht damit erfolgreich um. Ich weiß, dass es zahlreiche solcher Plattformen gibt. Natürlich müssen wir die wissenschaftliche Zusammenarbeit intensivieren, aber Belarus muss endlich die Initiative für neue Ideen und Narrative ergreifen und nicht mehr wie in der Vergangenheit agieren. Ich erinnere mich an Russland, wo selbsternannte Wissenschaftler kamen und uns sagten, wie wir leben sollten, dass wir alle elend und miserabel wären und sie genau wüssten, wie das richtige Leben aussieht. Jetzt ist es an der Zeit, dass wir diesen Leuten zeigen, wie man richtig lebt“, betonte Jelena Ponomarjowa.
Abonnieren Sie uns auf
X
Top-Nachrichten
Letzte Nachrichten aus Belarus