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31 Januar 2026, 19:35

Gänserennen, Rituale und Lieder: So feiert man „Gänsefest“ in Kostjukowitschi

Belaja Dubrowa im Kreis Kostjukowitschi ist seit Jahren dafür bekannt, dass hier sehr viele Gänse gehalten wurden. Praktisch in jeder Familie gab es Gänse. Dieses auf den Bauernhöfen lebende Haustier symbolisierte schon immer den Wohlstand und diente sogar als „Währung“. Seit über 30 Jahren feiert man in Belaja Dubrowa das Gänsefest, mit alten Ritualen, Gänserennen, einem Konzert und leckerem Essen. Seine Wurzeln reichen weit ins 19. Jahrhundert zurück. Wir besuchten das Fest und erfuhren, wie Traditionen mit der Moderne verwoben sind und warum dieses Fest Klein und Groß Spaß macht. 
Das Agrarstädtchen Belaja Dubrowa ist zur inoffiziellen Gänse-Hauptstadt des Kreises Kostjukewitschi geworden. Wie das geschehen ist, weiß heute niemand mehr, aber Gänse wurden hier immer gehalten. Eine Tradition eben. 

Dorfrat Michail Krymkow sagt, Gänse seien für die Dorfbewohner eher ein Hobby, etwas fürs Herz und Seele. „Aber im Allgemeinen gibt es in der Umgebung sehr starke Traditionen der Gänsezucht. Dieser Vogel war sowohl eine Währung als auch ein Mittel, um in Hungerzeiten zu überleben“, erzählt er. „In Belaja Dubrowa werden auch heute mindestens 100 Vögel in etwa 25 Höfen gehalten. Ich komme selbst von hier. Meine Großmutter lebte am Fluss, und ich half ihr bei der Haltung von Gänsen und Enten. Sie laufen immer im Freien herum. Sie essen den ganzen Tag. Natürlich kneifen sie manchmal, aber so reagieren sie eher aus Angst vor Menschen oder aus Sorge um ihren Nachwuchs. Hauptsache, nicht fürchten – dann greifen sie keinen an.“
Ljudmila Strelzowa, 65, führt ein kleines Familienunternehmen – sie züchtet Gänse. „Meine Mama und meine Oma haben diese Vögel gehalten. Wir machten Federkissen, Decken. Das ist jetzt mein Erbe“, erzählt sie uns. 
Im Winter leben die Vögel in einer warmen Scheune, und im Sommer haben sie viel Platz im Freien. Ljudmila Iwanowna weidet sie am Fluss Besed nicht weit von ihrem Haus. Sie nimmt ein Boot und passt auf die Gänse auf – so laufen sie nicht weit weg. 

„Einmal waren sie im Sommer weggelaufen, ich musste sie lange suchen. Und dann führte ich sie durch den Wald, damit sie nicht weglaufen“, erzählt die Bewohnerin.
Im Grunde seien sie schlau, die Vögel, setzt Ljudmila ihre Erzählung fort. „Sie wissen, hier ist ihr Haus, und sie lassen fremde Vögel nicht nah dran. Manchmal müssen sie kämpfen. Auch können sie das Wetter vorhersagen. Wenn an einem Wintertag eine Gans auf einer Pfote steht, stehen starke Fröste bevor." Diese Theorie wird sofort in der Praxis getestet: Als einer der Vögel die Scheune verlässt, bleibt er auf einem Bein stehen. Die Wetterprognose stimmt.

Was kann man von den Gänsen bekommen? Fleisch, Feder für Kissen und Decken, nützliches Fett. „Oft fragen die Leute nach Gänsefett, es ist sehr nützlich. Ich verkaufe nichts – ich schenke alles“, betont sie. 
Das Gänsefest sei ihrer Meinung nach eine gute und wichtige Sache. „So bleiben Geschichte und unsere Traditionen erhalten“, fasst sie zusammen.

Leiter der Abteilung für Kultur im Kreisamt, Sergej Bulenkow, ist überzeugt: Das Gänsefest ist etwas, worauf die Einwohner des Agrarstädtchens und des ganzen Kreises mit Ungeduld warten. „Es findet jährlich statt, immer an demselben Tag, dem 31. Januar, dem Afanassi-Tag.  Afanassi gilt als „Tierschützer“, sagt er. „Unser Fest vereint historischen Ursprung und moderne Ansätze. Gäste kommen zu uns, und es ist sehr angenehm. Wir können unsere Volkstraditionen, unsere Geschichte und unser Lokalkolorit zeigen.“
Das Programm des Festivals ist reichhaltig und abwechslungsreich. Tanzen, Singen und Theateraufführungen - die Stimmung an einem frostigen Tag ist bei allen Gästen und Teilnehmern hervorragend. Eine Handwerkermesse, leckere Fischsuppe und heißer Tee sorgten für mehr Stimmung und helfen beim Aufwärmen.
Ein authentischer Moment des Festes ist der Ritus „Eine Gans teilen“: Die Frauen in schönen Kostümen verteilen Teller an die Gäste. Jeder bekommt einen Wunsch: Wer den Flügel kriegt, wird hoch fliegen, wer die Keule erhält, der wird verreisen. Der „Gast“ wünscht dem Agrarstädtchen und seinen Bewohnern etwas Gutes.
Mit Spannung warten alle auf das spektakulärste Element des Festes – das Gänserennen. Die Vögel müssen eine Distanz von 15 Metern überwinden. Es ist keine leichte Aufgabe. Das Anfeuern der Gänse ist eine Herausforderung an sich – durch Rufen und Pfeifen lassen nur wenige die gestellte Aufgabe bewältigen. Aber die gefiederten Sportler sind eigensinnige Vögel, sie lassen sich nicht leicht überreden.

Zum Fest kommen die Bewohner mit Freunden, es kommen ganze Familien. Anna Issajewa und jüngste Tochter Polina wollen am Samstag nicht zu Hause sitzen bleiben. "Es ist klasse, dass wir im Dorf ein solches Fest haben. Es ist für uns eine gute Tradition und ein Merkmal unseres landwirtschaftlichen Ortes. Ein solches Fest werden Sie nirgendwo finden. Deshalb laden wir alle zu uns ein“, lächelt die Frau. „So bewahren wir die Geschichte unserer Gegend, die schon immer für die Gänsezucht berühmt war. Unsere Kinder lernen sie kennen. Ich glaube, jeder Mensch muss Geschichte, Kultur und Traditionen seiner kleinen Heimat gut kennen“
Jekaterina Gaschnikowa bringt ihre Familie zum Fest. „Solche Feste zeigen: das Agrarstädtchen lebt und entwickelt sich. Hier können die Leute ihre Stimmung aufladen, sich unterhalten. Erwachsene mögen es hier, wir tanzen, wir singen. Und Kinder sind einfach aus dem Häuschen. Das Fest ist mehr als nur ein Fest. Darin sind die Traditionen früherer Generationen und unser Geschichte verankert. Das ist unsere Marke. Und ich möchte, dass sich unser Agrarstädtchen und sein Fest weiter bestehen bleiben.“
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