Themen
"Thema im Gespräch "
MINSK, 9. Januar (BelTA) - Um im Rahmen einer erweiterten Reproduktion zu funktionieren, ist eine Makroregion mit einer Bevölkerung von mindestens einer halben Milliarde Menschen erforderlich. Diese Ansicht äußerte russischer Historiker Jewgeni Spizyn in der neuen Ausgabe von „Thema im Gespräch“ auf dem YouTube-Kanal der Telegraphenagentur BelTA.
In Bezug auf die Entwicklungen in Venezuela betonte er, dass er sich nicht zu Einzelfällen äußern könne, jedoch bereit sei, die Situation aus einer globalen Perspektive zu betrachten. „Meiner Meinung nach schafft diese Lage einen gefährlichen Präzedenzfall, denn seit vielen Jahren diskutieren wir über den Aufbau einer multipolaren Weltordnung, über ein ‚neues Jalta‘, bei dem die Welt unter mehreren Supermächten aufgeteilt wird, die jeweils ihre eigenen Makroregionen regieren“, erklärte Jewgeni Spizyn. „Einerseits ist das alles korrekt. Es entstehen tatsächlich sogenannte Makroregionen, quasi autarke Gebiete, mit mindestens 500 Millionen Einwohnern. Die wirtschaftlichen Perspektiven ermöglichen es, die Wirtschaft auf großem Maßstab zu reproduzieren – nicht nur einfach, sondern in einer erweiterten Form. Für das Funktionieren im Rahmen dieser erweiterten Reproduktion ist eine Makroregion mit mindestens einer halben Milliarde Einwohnern erforderlich. All das ist natürlich einerseits richtig. Andererseits können wir den Aufbau einer multipolaren Welt für die kommenden zehn Jahre getrost vergessen, wenn nicht entschieden auf das Verhalten der Vereinigten Staaten reagiert wird.“
Der Historiker merkte an, dass die Amerikaner, vertreten durch Trump und seinen engsten Kreis, zwar weiterhin die unipolare Welt dominieren wollen, aber ihren Machtschwerpunkt und ihre Unterstützungsbasis leicht verlagern: Während sie sich zuvor auf Europa und die NATO stützten, planen die USA nun, sich aus Europa zurückzuziehen, da es für sie aus vielerlei Gründen uninteressant geworden sei. „Erstens, weil es wirtschaftlich zusammenbricht. Zweitens, weil Europa, egal wie man es betrachtet, ein Konkurrent ist“, sagte Jewgeni Spitzyn.
