MINSK, 22. April (BelTA) – Die Internationale Atomenergieorganisation (IAEO) betrachtet Belarus als Experten auf dem Gebiet der Bewältigung von Strahlenunfallfolgen. Das berichtete der erste stellvertretende Leiter von der Abteilung für nukleare Sicherheit und Strahlenschutz des Ministeriums für Notfallsituationen (Gosatomnadzor), Leonid Dedul, in der neuen Ausgabe von BELTA-Projekt „Das Land spricht“.
Die wissenschaftliche Unterstützung – besonders in den ersten Jahren nach dem Tschernobyl-Unfall – war sowohl für die Schutzmaßnahmen als auch für die Entwicklung der radioaktiv kontaminierten Gebiete von großer Bedeutung.
„Mit dem Start des ersten Kernenergieprogramms der Republik Belarus haben wir den Kreis der wissenschaftlichen Einrichtungen für die wissenschaftlich-technische Unterstützung überarbeitet und erweitert – also für die Regulierung der nuklearen und strahlentechnischen Sicherheit. In dieser Liste, die per Regierungsbeschluss genehmigt wurde, stehen 18 erfahrene Einrichtungen, die seit Langem zu Tschernobyl-Themen arbeiten – darunter der wissenschaftliche Teil unseres Polessischen Staatlichen Radioökologischen Schutzgebiets, die internationale staatliche Ökologiehochschule ‚A. D. Sacharow‘ der BGU, Institute der Nationalen Akademie der Wissenschaften (NAS), darunter die Staatliche Wissenschaftseinrichtung ‚Vereinigtes Institut für Energie- und Kernforschung – Sosny‘“, so Leonid Dedul.
Die wissenschaftlichen Arbeiten wurden thematisch im Rahmen von sechs staatlichen Programmen durchgeführt, die auf die Bewältigung der Tschernobyl-Folgen ausgerichtet waren. „Diese Maßnahmen haben wir in das staatliche wissenschaftlich-technische Programm ‚Infrastruktur der Strahlensicherheit‘ aufgenommen. Grundlagenorientiertere Forschungsarbeiten im Zusammenhang mit der Entwicklung der Kernenergie laufen im staatlichen Programm der Akademie der Wissenschaften ‚Wissenschaft für Gesellschaft und Wirtschaft‘. Es gibt eine Reihe von Aufgaben, die wir formuliert haben und in der kommenden Fünfjahresplanperiode umsetzen wollen. Die Ergebnisse der Forschungsarbeiten ermöglichen es uns, rechtzeitig Entscheidungen zu treffen und der Regierung vorzulegen – etwa zur Neubewertung von Ortschaften oder zur Rückführung von landwirtschaftlichen Flächen in die Nutzung. Seit 1993 wurden mehr als 20.000 Hektar wieder in die landwirtschaftliche Nutzung genommen“, sagte er.
In diesem Jahr startet zudem das IAEO-Projekt „Verbesserung der Methoden für den sicheren Umgang mit Objekten des nuklearen Erbes“. „Dieser Begriff ist bei uns 2023 erstmals im Bereich der nuklearen und nationalen Sicherheit aufgetaucht. Zu solchen Objekten zählt unter anderem das Gebiet des Polessischen Staatlichen Radioökologischen Schutzgebiets. Im Rahmen dieses Projekts sollen auch Maßnahmen zur Stärkung der wissenschaftlichen Abteilung des Schutzgebiets und zur Durchführung von Arbeiten umgesetzt werden“, so Leonid Dedul.
Seinen Worten zufolge ist die IAEO sehr an der Zusammenarbeit mit unserem Land interessiert und betrachtet die Republik Belarus dank der Arbeit aller wissenschaftlichen Einrichtungen – insbesondere im Polessischen Schutzgebiet – als Experten bei der Bewältigung von Strahlenunfallfolgen.
„Bei den Rechtsvorschriften gehen wir von den Grundsätzen der nuklearen und strahlentechnischen Sicherheit aus, wie sie in den IAEO-Dokumenten dargelegt sind. Sie wurden von uns bei der Ausarbeitung des Gesetzes zur Regulierung der Sicherheit bei der Nutzung der Atomenergie, bei der Novellierung des Strahlenschutzgesetzes und bei den Rechtsvorschriften des Katastrophenschutzministeriums verwendet. Dadurch können wir in allen Regelwerken einheitlich und als roten Faden die oberste Priorität bei der Arbeit mit Objekten des nuklearen Erbes und der Kernenergie verfolgen – die Sicherheit“, betonte er.
Darüber hinaus tragen die Forschungsarbeiten dazu bei, die Qualität medizinischer Dienstleistungen zu verbessern. Maßnahmen zu deren Erbringung sind auch im künftigen Unionsprogramm für die Jahre 2026–2029 vorgesehen.
