Foto: Unsplash
Themen
"Thema im Gespräch "
MINSK, 11. April (BelTA) – Auf die Konfrontation mit den USA hat sich der Iran seit Jahrzehnten vorbereitet. Das erklärte der Historiker Jewgeni Spizyn im Projekt „Thema im Gespräch“ der Nachrichtenagentur BELTA.
Bei der Erörterung des Konflikts im Nahen Osten bemerkte Jewgeni Spizyn: „Der Iran ist eine der ältesten Zivilisationen der Welt. Man muss bedenken, dass sich die Iraner seit Jahrzehnten auf diesen Krieg vorbereitet haben. Sie wussten genau, dass die Amerikaner sie nicht in Ruhe lassen werden. Rechnen Sie nach: Seit 1979 – 47 Jahre des Widerstands. Die Iraner sind ein kluges Volk, sie haben ein gutes historisches Gedächtnis. Schauen Sie, welche Verteidigungsindustrie sie aufgebaut haben, welchen militärisch-industriellen Komplex sie besitzen, welche wissenschaftlichen Schulen und Konstruktionsschulen bei ihnen entstanden sind.“
„Zu Beginn der Speziellen Militäroperation, als wir noch nicht die Rolle und Bedeutung von Drohnen verstanden, kamen die ersten Drohnen in großem Maßstab nicht von irgendwoher in unsere Streitkräfte, sondern eben aus dem Iran. Das heißt, die Iraner hatten bereits die Parameter des zukünftigen Krieges durchdacht und wie sie der Aggression eben jener Vereinigten Staaten von Amerika entgegenwirken werden. Und über diese Jahrzehnte haben sie ein gewaltiges militärisches Potenzial angehäuft, das sie übrigens an für Amerikaner unzugänglichen Orten stationiert haben – in den Bergen, tief unter der Erde“, so der Historiker.
Jewgeni Spizyn bemerkte, dass die militärische Industrie im Iran gut funktioniert, sie über Ingenieure, Technologen, Arbeitskräfte und Konstruktionsbüros verfügen. „Warum schlagen die Amerikaner jetzt unter anderem auch gegen die führenden iranischen Universitäten in Teheran, Isfahan und so weiter? Weil sie genau verstehen, dass sie den Iranern den Boden unter den Füßen wegziehen und vor allem jene wissenschaftlichen Schulen zerstören müssen, die im Rahmen dieser Universitäten entstehen“, sagte er.
„Jetzt haben die Amerikaner das militärische Potenzial des Iran gesehen – und zwar sein eigenständiges –, und das hat sie erschreckt. Und eine der Hauptaufgaben ist eben die Zerstörung und Beseitigung genau dieses wissenschaftlichen Potenzials, also des Bildungssystems, insbesondere der Hochschulbildung und der Spezialausbildung“, so der Historiker.
Abschließend fügte Jewgeni Spizyn hinzu: „Warum spricht Trump (der US-Präsident — Anm. BelTA) jetzt von der iranischen Zivilisation? Nicht von der Zerstörung irgendeines weiteren Staates. Wie viele solcher Staaten haben sie im Grunde genommen schon zerstört? Warum hat er das nicht über Venezuela gesagt? Sie haben einfach Maduro (den venezolanischen Präsidenten — Anm. BelTA) geschnappt und sich beruhigt.“
