Projekte
Staatsorgane
flag Dienstag, 10 Februar 2026
Alle Nachrichten
Alle Nachrichten
Gesellschaft
13 Januar 2026, 13:59

Koljady-Zauber. Mogiljow heißt Touristen aus aller Welt willkommen

Wie wird Koljady in einem belarussischen Dorf gefeiert? Um sich ein Bild davon zu machen, wie dieser slawische Brauch rund um Weihnachten ausgelebt wird, besuchten wir das Agrarstädtchen Polykowitschi bei Mogiljow. Hier kommen Einheimische, Gäste aus anderen Regionen und sogar Ländern zusammen, singen Weihnachtslieder, schenken gute Wünsche und glauben an den Winterzauber. Wir haben uns überzeugt, dass die belarussische Tradition Generationen und Kulturen verbindet.
Koljady ist ein Fest mit tiefen Wurzeln: Es entstand noch in heidnischen Zeiten und biederte sich später an die christliche Tradition an. Man begeht Koljady in der Zeit zwischen Weihnachten und dem Fest der Taufe Jesu. Der Kreis Mogiljow heißt zu Koljady Gäste nicht nur aus ganz Belarus, sondern aus anderen Ländern herzlich willkommen. Während der Neujahrsferien reisen ganze Touristengruppen in die Region an, um dem Brauch näher zu werden, Lieder zu singen und Kartoffelpuffer nach altem Rezept zu verkosten. 

Im Bauernhof „Seraja Schejka“ herrscht eine besondere, zauberhafte Atmosphäre. Der Schnee knirscht unter den Füßen, der Schornstein raucht, drinnen ist es warm, es riecht nach dem hausgemachten Essen. Hier versammelten sich Menschen, um das Fest zu feiern und die alte Tradition zu berühren. Koljady sind nicht nur ein Datum im Kalender, es geht um eine unzerstörbare Verbindung zwischen Vergangenheit und Gegenwart.
„Unser Bauernhof ist berühmt dafür, dass wir das ganze Jahr über Feste und andere Anlässe feiern“, erzählt die Bauernhofs-Besitzerin Swetlana Machankowa. 

Sie erzählt, dass rund 25 Touristengruppen den Bauernhof während der Neujahrstage besucht haben – das sind etwa 300 Menschen. Im Jahr summiert sich das auf über 2000 Gäste. Sie kommen extra zum Fasching, Kupalje, zum Brotfest und zu Koljady. 

Feste, die in Polykowitschi gefeiert werden, sind gefüllt mit Wärme und Behaglichkeit. „Gäste fühlen sich angezogen von der belarussischen Küche. Hier bereiten wir selbst alles zu: Kartoffelpuffer, Blutwurst, hausgemachte Wurst uns Speck. Alles auch zum Mitnehmen. Und wir sind für unsere Folklore bekannt: Weihnachtsloeder, Bräuche, Riten, Meisterklassen“, erzählt Swetlana. 
Junge Frauen aus dem örtlichen Handwerksklub bereiten für jedes Fest ein Sonderprogramm vor. „Sie tun das mit viel Herz. Und Touristen spüren das. Nach jedem Treffen sprechen sie von Emotionen, die sie überwältigen und für einmalige Erfahrungen sorgen“, sagt die Besitzerin. 
Und in der Tat: Wer zum ersten mal einem alte Koljady-Lied zuhört, vergisst über die Zeit. 

Die Veranstalter bereiten für die Gäste ein reichhaltiges Programm vor: Tänze, Lieder, Riten, Essen - alles nach häuslicher Art, ohne Pathos, mit aufrichtiger Freude.
Die Gäste bestätigen: Die Eindrücke bleiben lange erhalten. Ksenia Schulmina aus Solnetschnogorsk (Moskau) kommt zum zweiten Mal nach Belarus. Im Jahr 2013 besuchte sie Minsk und Mir, wollte aber unser Land zum zweiten mal sehen. „Wir waren in Bobruisk, Orscha, Mogiljow. Heute besuchten wir lokale Paläste. Belarus ist sowohl im Sommer als auch im Winter schön. Es ist ein Land, das man immer wieder besuchen möchte. Hier fühlt man sich wohl“, sagt sie.
Besonders beeindruckt war sie von der Möglichkeit, die lebendige Kultur zu erleben. „Bei uns gibt es auch ähnliche Feiern, aber hier ist alles anders. Sehr lustig und lecker. Alle singen, tanzen, nehmen an Wettbewerben teil. Koljady ist wirklich ein wunderbares Fest, besonders an diesem Ort“, fügte Ksenija hinzu. 
Die Gäste haben die positivsten Eindrücke nicht nur vom Land, sondern auch von Koljady, die groß gefeiert werden. Einige begehen dieses Fest zum ersten Mal ausgerechnet im Kreis Mogiljow. Roman und Olga Pankratow aus Moskau waren bereits im Sommer in Belarus und beschlossen, auch im Winter zu kommen. „Wir waren so beeindruckt, dass wir beschlossen, gerade zu den Winterfeiertagen zurückzukehren“, erzählt Roman. Seine Frau Olga fügt hinzu: „Heute habe ich Rassolnik (Suppe) probiert, ich kann nicht in Worte fassen, wie lecker das ist, so ein belarussisches Kolorit! Und Draniki (Kartoffelpuffer) – was für ein ungewöhnlicher Geschmack, man kann sie sogar ohne Sauce essen. Mein Mann und ich sind begeistert von dieser unvergesslichen Reise.“

Für Olga Pankratowa sind Koljady eine seltene Gelegenheit, „ein wenig zu vergessen, dass man erwachsen ist, und Kind zu werden“. Und darin liegt die Hauptmagie des Festes: Es schenkt das Gefühl eines Wunders, das in der Routine der Großstädte und des Alltagslebens nicht so leicht zu spüren ist.
Aber nicht alle Gäste begehen Koljady zum ersten Mal. Jelena Muchanowa aus Moskau besucht solche Veranstaltungen bereits innerhalb von 15 Jahren. „Bei uns in Russland feiert man Koljady auch fröhlich. Man fährt in Dörfer, verkleidet sich, macht Wahrsagerei“, erzählt sie. In Belarus hat sie besonders die Einstellung zum Fest beeindruckt. „Die Leute hier sind so mitreißend, fröhlich, gastfreundlich. Und das Fest, das heute organisiert wurde, ist wunderbar, alles auf höchstem Niveau. Ich werde bestimmt noch viele, viele Male hierherkommen“, bemerkte Jelena.

Wie die Leiterin des Kultursektors des Exekutivkomitees des Gebiets Mogiljow, Natalja Gomonowa, erzählte, wächst das touristische Interesse an der Region rapide: „Wir hatten bereits Touristen nicht nur aus Russland, sondern auch aus China, Usbekistan, Turkmenistan, der Mongolei und anderen Ländern.“
Koljady in Polykowitschi sind nicht nur eine Theatervorführung für Touristen. Es ist eine lebendige Tradition, die von Generation zu Generation weitergegeben wird. Hier gibt es keinen Pomp, aber Aufrichtigkeit. Das Fest im Bauernhof dauert nur wenige Stunden, hinterlässt aber Eindrücke für Monate. Die Menschen fahren mit Souvenirs und dem Wunsch zurück, erneut zu kommen. Denn Koljady ist nicht nur ein Winterbrauch, es ist eine Erinnerung daran, dass die Welt freundlich und ein wenig magisch sein kann und die Menschen offen.
Abonnieren Sie uns auf
X
Top-Nachrichten
Letzte Nachrichten aus Belarus