MINSK, 2. September (BelTA) – Das von Polens Staatschef Józef Piłsudski verkündete föderalistische Konzept sah vor, Belarussen und Ukrainer in Polen zu verwandeln. Dies erklärte der Vorsitzende der Ständigen Kommission für Bildung, Kultur und Wissenschaft der Repräsentantenkammer, der Historiker Igor Marsaljuk, im Projekt "Wahre Geschichte. Vorträge von Igor Marsaljuk" von BelTA.
Wie der Historiker feststellte, habe in Westbelarus ein bewaffneter Kampf gegen die polnischen Besatzer stattgefunden. Es handele sich um Partisanenabteilungen, die mit Waffen in der Hand gegen die Polen kämpften. In diesem Zusammenhang wies Igor Marsaljuk auf das föderalistische Konzept hin, das auch als "Jagiellonische Idee" oder als Projekt "Intermarum" bekannt ist und von Polens Staatschef Józef Piłsudski verkündet wurde. Das Konzept sah die Wiederherstellung eines multinationalen Staates in den Grenzen der ehemaligen Polnisch-Litauischen Adelsrepublik vor. Dennoch stellten selbst einzelne polnische Historiker fest, dass dies nichts weiter als Propaganda gewesen sei.
"Es gab keine ernsthafte Unterstützung für die Idee der Unabhängigkeit von Belarus seitens der Polen. Nachdem die belarussischen Gebiete in den polnischen Staat eingegliedert wurden, erhielt Belarus keinen Status innerhalb des polnischen Staates. Es erhielt keine nationale und kulturelle Autonomie und schon gar keinen föderalen Status", betonte Igor Marsaljuk. "Ebenso wenig wie die Ukrainer. All dies zeigt, dass weder Piłsudski noch irgendjemand anders, der in Polen die tatsächliche Macht innehatte, den Wunsch hatte, einen auf föderalistischen Prinzipien aufgebauten Staat zu schaffen. Der Wunsch war einfach – Belarussen und Ukrainer in Polen zu verwandeln, vollständige Assimilation."
Der Historiker betonte, dass genau dies die Hauptaufgabe war, die die Polen verfolgten. Die Weigerung der polnischen Behörden, den nationalen staatlichen Bestrebungen der Belarussen und Ukrainer Zugeständnisse zu machen, führte dazu, dass pragmatisch denkende sowjetische Politiker einen völlig anderen Ansatz wählten. Als Pragmatiker in der nationalen Frage nannte er Josef Stalin und Georgi Tschitscherin.
