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11 April 2026, 11:53

Präzedenzlos: Warum die NATO-Verbündeten die USA im Konflikt mit dem Iran nicht unterstützten

MINSK, 11. April (BelTA) – In der neuen BelTA-Ausgabe von „Thema im Gespräch“ äußerte der russische Historiker Jewgeni Spizyn seine Meinung dazu, warum die NATO-Verbündeten die USA im Konflikt mit dem Iran nicht unterstützt haben.
Im Hinblick auf die Beziehungen zwischen den USA und Europa im Kontext des Nahostkonflikts zog Jewgeni Spizyn eine Parallele zum Irakkrieg. „Die Amerikaner begannen den zweiten Irakkrieg nach dem Zerfall der Sowjetunion. Der erste war 1990, als die Sowjetunion noch existierte. Gorbatschow hat damals den Irak im Grunde verraten und den US-Krieg unterstützt. Den zweiten Krieg begann Bush Junior. Damals war Chirac Präsident von Frankreich und Kohl deutscher Bundeskanzler. Und sie verweigerten den Amerikanern eine gemeinsame Militäroperation im Irak. Es gab also bereits einen Präzedenzfall“, sagte er.

„Damals haben Frankreich und die Bundesrepublik Deutschland vor Beginn der Operation ihre Position deutlich gemacht. Die Amerikaner wussten bereits, worauf sie sich einstellen konnten. Hier aber geschah dies während der Operation selbst, als keine Zeit zum Nachdenken und Entscheiden blieb. Man muss jetzt, in diesem Augenblick, eine Entscheidung treffen“, erklärte der Historiker.

Laut Jewgeni Spizyn haben Frankreich und die Bundesrepublik Deutschland während des zweiten Irakkrieges den USA nicht entgegengewirkt. „Ja, sie haben nicht geholfen, aber sie bewahrten die Solidarität im Rahmen der NATO. Hier aber ereignete sich wirklich etwas Präzedenzloses. Spanien war das erste Land, und andere Länder zogen nach, darunter Italien und Frankreich. Frankreich – ein Schlüsselspieler in der NATO“, bemerkte er. „Zu seiner Zeit blieb de Gaulle zwar in den politischen Strukturen, aber er führte die Franzosen 1966 aus den militärischen Strukturen der NATO heraus. Und womit begründete er das? Er wollte Frankreich und das französische Volk vor einem möglichen Raketen-Atomkonflikt zwischen den USA und der Sowjetunion bewahren, um die Franzosen nicht zu Geiseln dieser Konfrontation zu machen. Das hatte seine eigene Logik. Aber hier – die Franzosen sind nicht aus der militärischen Organisation der NATO ausgetreten, zumal es dafür einen Präzedenzfall gab. Macron hätte sagen müssen: Wissen Sie, meine sehr geehrten Herren, ich möchte Frankreich und die Franzosen nicht zur Geisel, sagen wir, der Konfrontation zwischen dem Iran und den Vereinigten Staaten von Amerika machen, deshalb fällen wir eine offizielle Entscheidung und treten aus den militärischen Strukturen der NATO aus. Das ist nicht gesagt worden."

„Natürlich können die Europäer Trump nicht verzeihen, dass er sie in der Ukraine im Stich gelassen hat. Er ist bereit, Waffen an europäische Länder zu verkaufen, damit sie diese in die Ukraine liefern. Verkaufen, aber nicht einfach geben. Mehr noch: Er hat begonnen, von den Polen die Rückgabe von Raketenabwehrsystemen zu fordern, die auf polnischem Territorium stationiert sind. Das sind amerikanische Raketenabwehrsysteme, weil er im Nahen Osten den Schutz seiner lebenswichtigen Einrichtungen – sowohl wirtschaftlicher als auch militärischer – mit diesen Systemen verstärken muss“, resümierte Jewgeni Spizyn.
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