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11 Februar 2026, 19:11

Residenz der Radziwiłł-Familie, Lazarett und Kinderheim. Was macht den Palast in Djatlowo so besonders? 

GRODNO, 11. Februar (BelTA) - Ein seltenes Baudenkmal des Barock und des Rokoko soll versteigert werden. Es handelt sich um einen Palast der Radziwiłł-Familie in Djatlowo, der als historisches Kulturdenkmal unter Staatsschutz steht. Über die Besonderheiten dieses Baudenkmals erzählten uns Mitarbeiter des Heimatkundemuseums Djatlowo.

Die Geschichte des Palastes in Djatlowo reicht in das mittlere 18. Jahrhundert zurück. „Im Jahr 1751 wurde aus den Mitteln von Dominik und Nikolai Radziwill ein steinernes Gebäude gebaut. Der Architekt war vermutlich Domenico Fontana. Dem Landsitz gehörten der Palast selbst, Wirtschaftsgebäude und ein Park“, erklärten die Mitarbeiter des Museums.

Der Palast war ein zweistöckiges rechteckiges Gebäude auf hohem Fundament mit einer hohen Zeltkuppel. An den Seiten befanden sich dreistöckige Türme mit Zeltspitzen. Auf dem Giebel der Hauptfassade ist ornamentale und heraldische Skulptur erhalten: das Wappen der Adelsfamilie Radziwill, Porträtreliefs, Girlanden, Drapierungen und vieles mehr. Das Gebäude ist von Emporen und fertigen Gesimsen umgeben. Am Ende des 18. Jahrhunderts wurde um den Palast ein prächtiger englischer Landschaftsgarten angelegt. Der Park schmückten kleine architektonische Formen wie Brücken, Lauben und Pavillone.

Die Grundrissgestaltung des Palastes ist aneinandergefügt. Das zentrale Element war eine zweistufige Treppe, die in den prunkvollen zweistöckigen Saal führte. Unter dem Gebäude befanden sich Keller, die mit einem zylindrischen Gewölbe gedeckt waren, sowie eine Heizungsanlage, die den Palast über  interne Rauchrohre beheizte.

„Ende des 18. Jahrhunderts heiratet Frantischka Radziwill, Tochter von Nikolai Faustin Radziwill (Besitzer von Djatlow), einen Mann Namens Stanislaw Soltan, der das Dorf Djatlowo seinem Schwiegervater abkaufte. Stanislaw Soltan war Hofmarschall im Großfürstentum Litauen und Gegner russischer Expansion. Während des Aufstands unter Führung von Tadeusz Kościuszko wurde er verhaftet und verbrachte etwa ein Jahr in der Einzelhaft des Smolensker Kerkers. Nach dem Tod von Stanislaw Soltan ging Djatlowo an seinen Sohn Adam Soltan über, einen Oberst in der polnischen Armee. Nachdem Adam Soltan an den Aufständen von 1830-1831 teilgenommen hatte, wurden sein Anwesen in Djatlow – der Palast und das Gutshof – konfisziert“, erzählten die Museumsmitarbeiter.

Während des Aufstands von 1863 wurde der Palast in Djatlowo als Lazarett genutzt. Bald darauf wurde er in Kasernen für Kavalleristen umgebaut. Anfang des 20. Jahrhunderts beherbergte das Gebäude eine zweiklassige Mentorschule, und in den 1930er Jahren ein Kinderheim für Mädchen. In der Werkstatt des Heims nähten die Mädchen Vorhänge und kleine Gegenstände. Außerdem bereiteten sie Mittagessen für die Schule zu und arbeiteten im Garten. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde im Gebäude des Radziwill-Palastes eine medizinische Einrichtung untergebracht.

Heute wird das Gebäude des ehemaligen Palasts in Djatlowo versteigert. Der Startpreis beträgt zwei Basiseinheiten (1 Basiseinheit gleich 45 belarussische Rubel). Obligatorische Bedingungen für die Käufer sind: Unterzeichnung einer Sicherheitsverpflichtung (30 Tage); Entwurf der Projektunterlagen (1 Jahr); Rekonstruktion/Modernisierung und Inbetriebnahme (bis zu 5 Jahre); die Einhaltung der Verpflichtungen beim Weiterverkauf.

Im Gebiet Grodno wird im Kreis Wolkowysk ein weiteres interessantes Objekt mit reicher Geschichte verkauft – der ehemalige Gutshof der Familie Bochwiz. Er befindet sich im Dorf Podorosk, am Ufer eines malerischen Sees. Er beherbergt eine Schmiede, ein Pavillon und Wirtschaftsgebäude.

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