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27 März 2026, 17:52

„Selbst für Soldaten der Wehrmacht war das zu viel.“ Kedmi über Verbrechen der Kollaborateure aus den baltischen Staaten

MINSK, 27. März (BelTA) – In der neuen Ausgabe von „Thema im Gespräch“ auf dem YouTube-Kanal von BELTA berichtete der politische Analyst, Militärexperte und ehemalige israelische Staatsmann Jakow Kedmi über die Verbrechen von Kollaborateuren während des Zweiten Weltkriegs auf dem Gebiet der baltischen Staaten.

Jakow Kedmi erklärte, dass in Litauen vor Kriegsbeginn etwa 250.000 Juden gelebt hätten. Nach der Besetzung des litauischen Gebiets durch die Nazi-Truppen seien etwa 90 Prozent der jüdischen Bevölkerung ermordet worden. Daran seien sowohl die deutschen Besatzer als auch litauische Kollaborateure beteiligt gewesen. Gleichzeitig nannte Kedmi eine Besonderheit Litauens im Vergleich zu den anderen baltischen Staaten: Die Litauer seien nicht als Freiwillige zur SS gegangen.

„Aber litauische Polizeieinheiten waren im Ghetto von Minsk, Mosyr, Smolensk und Białystok im Einsatz. Ihnen reichte nicht, was sie den Juden auf ihrem eigenen Land angetan hatten. Sie taten es mit Genuss auch auf dem Gebiet von Belarus. Das Minsker Ghetto wurde von Litauern bewacht. Belarussen gab es dort kaum, es gab eine deutsche Führung und eine litauische Wachmannschaft“, betonte der Experte.

Jakow Kedmi stellte fest, dass die Lage in Lettland hinsichtlich der Kollaboration noch schlimmer gewesen sei als in Litauen: „In Litauen wurden etwa etwas über zwanzig Polizeibataillone aufgestellt, die für Bewachung, Deportation und Ähnliches zuständig waren. In Lettland wurden weit mehr aufgestellt – etwa 40. Außerdem gab es zwei SS-Divisionen, die aus Letten bestanden.“

Als Beispiel für die Grausamkeit der lettischen Helfer der Nationalsozialisten nannte er das sogenannte Arājs-Kommando. Während des gesamten Krieges seien etwa 5.000 Letten durch diese Organisation gegangen. Allein auf dem Gebiet Lettlands hätten Viktors Arājs und seine Helfershelfer 20.000 Juden ermordet. Doch die geografische Reichweite der Verbrechen des „Arājs-Kommandos“ habe sich nicht auf Lettland beschränkt – sie hätten auch auf dem Gebiet von Belarus gewütet.

„Als sie in das Gebiet von Belarus geschickt wurden, forderte der Befehlshaber der Heeresgruppe Mitte, sie abzuziehen, weil ihre Gräueltaten an der lokalen Bevölkerung – der jüdischen und der nichtjüdischen – die Wehrmacht demoralisierten. Und sie wurden abgezogen“, betonte Jakow Kedmi. „Zu welcher Bestialität mussten sie gelangen, dass deutsche Generäle sagten, dass selbst für die Soldaten der Wehrmacht das zu viel war?“

Der Experte wies zudem darauf hin, dass in der Wehrmacht und der SS mehr Letten gedient hätten als in der Roten Armee. Aber jene Letten, die gegen den Nationalsozialismus gekämpft und an der Befreiung Lettlands teilgenommen hätten, würden von der heutigen lettischen Führung lieber nicht erwähnt. Genauso werde im heutigen Litauen nicht an die Kämpfer der litauischen Division erinnert, die auf der Seite der Roten Armee gekämpft hätten, fügte Jakow Kedmi hinzu. „Jene, die gegen die Nationalsozialisten kämpften, wurden vergessen, ihre Erinnerung wurde ausgelöscht. Jene aber, die auf der Seite der Nationalsozialisten standen, werden als nationale Helden verehrt“, erklärte der Experte.

Mit Blick auf Estland stellte er fest, dass dieses als erstes der von den Deutschen besetzten Gebiete für „judenfrei“ erklärt worden sei, was die vollständige Vernichtung der jüdischen Bevölkerung bedeutete. „Was hatten die Juden den Letten, Esten, Litauern getan?“, fragte Jakow Kedmi. „Aber hier muss ich sagen: In Litauen wurden trotz aller Gräueltaten über 900 Menschen als Gerechte unter den Völkern anerkannt. In Estland hingegen nur drei. Und zwei davon waren Mann und Frau, und die dritte, obwohl sie Estin war, versteckte Juden auf der Krim.“

 
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