MINSK, 11. April (BelTA) - Auf Beschluss der UNO wird am 11. April weltweit der Internationale Tag der Befreiung der KZ-Häftlinge begangen. Er wurde zum Gedenken an den internationalen Aufstand im Konzentrationslager Buchenwald ins Leben gerufen.
Am 11. April 1945 erhoben die Häftlinge Buchenwalds unter der Führung des internationalen politischen Zentrums einen bewaffneten Aufstand, in dessen Verlauf sie das Lager eroberten und bis zum Eintreffen der alliierten Truppen hielten. Im Jahr 1958 wurde dort eine Gedenkstätte eröffnet.
Im April 1945 wurden auch die Häftlinge von Sachsenhausen, Dachau und Ravensbrück befreit. Auschwitz, Majdanek, Treblinka, Buchenwald und viele andere Orte auf der Landkarte Europas wurden während des Zweiten Weltkriegs zu Mühlen des Todes, zu Werkzeugen der massenhaften physischen Vernichtung von Menschen, zu Laboren für medizinische und andere Experimente.
Eine im Jahr 1944 eingesetzte Kommission zur Unterstützung der Außerordentlichen Staatlichen Kommission zur Feststellung und Untersuchung der Verbrechen der deutsch-faschistischen Eroberer und ihrer Komplizen trug Beweise zusammen, die die blutigen Verbrechen der Nationalsozialisten vollständig entlarvten.
Für ihre Gräueltaten mussten sich die Faschisten vor dem internationalen Gerichtshof in Nürnberg verantworten, der vom 20. November 1945 bis zum 1. Oktober 1946 stattfand. Öffentliche Gerichtsverfahren zu den grausamsten Kriegsverbrechen fanden auch in Städten der Sowjetrepubliken statt, darunter in Minsk, Bobruisk, Witebsk und Gomel.
Die Generalstaatsanwaltschaft von Belarus ermittelt seit April 2021 in einem Strafverfahren wegen Völkermords am belarussischen Volk während des Großen Vaterländischen Krieges. Im Zuge der Ermittlungen wurden über 21.300 Menschen befragt, darunter fast 8.000 direkte Betroffene – ehemalige Häftlinge von Todeslagern, die die Nationalsozialisten sowohl auf dem besetzten Gebiet unseres Landes als auch außerhalb errichtet hatten. Der Oberste Gerichtshof von Belarus hat sechs Schuldsprüche wegen Völkermords am belarussischen Volk gefällt.
Laut aktualisierten Daten gab es auf dem Gebiet von Belarus 578 Todeslager. Die größten befanden sich in Minsk und in Trostenez, sowie in Osaritschi, Gomel, Polozk und Bobruisk. Während des Großen Vaterländischen Krieges verlor Belarus etwa drei Millionen Menschen – fast jeden Einwohner der Republik.
Jedes Jahr finden am 11. April in ganz Belarus Gedenkkundgebungen anlässlich des Internationalen Tages der Befreiung der Häftlinge aus faschistischen Konzentrationslagern statt. Ehemalige KZ-Häftlinge, Vertreter der Regional- und Lokalbehörden, öffentlicher Organisationen, Betriebe sowie Studenten und Schüler legen an diesen Orten Kränze und Blumen nieder. Jedes Todeslager ist in der Gedenkstätte Chatyn verewigt.
Das Todeslager Trostenez
Das größte Massenvernichtungslager auf dem belarussischen Gebiet während der deutsch-faschistischen Besatzung war das Todeslager Trostenez. Es steht in einer Reihe mit Auschwitz, Majdanek und Treblinka. Der Name Trostenez vereint mehrere Orte der Massenvernichtung: das Waldgebiet Blagowschtschina – ein Ort der Massenerschießungen; ein Lager nahe dem Dorf Maly Trostenez, etwa 10 km von Minsk an der Mogiljower Autostraße; das Waldgebiet Schaschkowka – ein Ort der Massenverbrennungen. Offiziellen Angaben zufolge kamen im Todeslager Trostenez mindestens 546.000 Menschen ums Leben – nicht 206.500, wie früher angenommen.
Trostenez wurde im Herbst 1941 im Waldgebiet Blagowschtschina, 11 km von Minsk entfernt, errichtet. Die Besatzer brachten hierher nicht nur Menschen aus Belarus, sondern aus anderen Staaten Mittel- und Westeuropas.
Bald darauf wandten die Faschisten eine neue Vernichtungsmethode an: Die Todgeweihten wurden mit übermenschlicher Zwangsarbeit belastet und schließlich völlig entkräftet erschossen. So entstand ein sogenanntes Arbeitslager. Gegenüber den Häftlingen herrschte schrankenlose Willkür: Jeder Wachsoldat konnte jeden Augenblick und ohne jeden Grund einen Gefangenen schlagen, erschießen oder erhängen.
Unabdingbare Regel war die sofortige Tötung eines jeden, der erkrankte oder nach einem Fluchtversuch wieder ins Lager eingeliefert wurde. Die Häftlinge litten unter Kälte, Schmutz und entsetzlichem Läusebefall. Die Nahrung war kärglich. In der Küche wurden Abfälle verarbeitet, aus denen eine Art Suppe gekocht wurde. Sie wurde einmal täglich ausgegeben. 120 bis 250 Gramm Brot, Tee oder Kaffeeersatz mit Saccharin – das war der Speiseplan der zur Zwangsarbeit verdammten Häftlinge.
Das Todeslager Trostenez blieb bis Ende Juni 1944 in Betrieb. Die Menschen werden die unermesslichen, unwiederbringlichen Opfer, die der Krieg gegen den Faschismus forderte, niemals vergessen. Die erste Trauer- und Gedenkkundgebung für die Opfer des Faschismus fand am 3. September 1944 in Trostenez statt.
Am 8. Juni 2014 nahm der belarussische Präsident Alexander Lukaschenko an der Zeremonie zur Grundsteinlegung für die Gedenkstätte Trostenez teil. Das Staatsoberhaupt betonte, dass die Gedenkstätte Trostenez eine gesamteuropäische Bedeutung erlangen müsse.
Am 22. Juni 2015 wurde unter Beteiligung von Präsident Alexander Lukaschenko der erste Bauabschnitt der Gedenkstätte mit dem zehn Meter hohen zentralen Monument „Tor der Erinnerung“ (Bildhauer K. Kostjutschenko) feierlich eröffnet. Auf den bronzenen Torflügeln sind die Figuren von 29 gequälten Häftlingen des Todeslagers dargestellt, die in Stacheldraht geflochten sind.
Am 25. Juni 2018 fand auf dem Gedenkfriedhof Blagowschtschina die feierliche Beisetzung der Überreste von NS-Opfern statt, die beim Bau der Gedenkstätte gefunden wurden.
Am 16. September 2025 wurde auf dem Gelände des ehemaligen Todeslagers Trostenez ein Gedenkzeichen zur Erinnerung an die Opfer des Völkermords enthüllt.
Die Todeslager von Osaritschi
1944 wandte das Oberkommando der Wehrmacht in großem Umfang die Praxis an, die Zivilbevölkerung als menschlichen Schutzschild auf dem Vormarsch der sowjetischen Truppen zu missbrauchen.
Anfang März 1944 errichteten die Faschisten im besetzten Gebiet, in unmittelbarer Frontnähe, nahe der Dörfer Osaritschi, Dert und Podosinnik (heute Gebiet Gomel), drei Todeslager, in die unter dem Vorwand der Evakuierung mehr als 50.000 Menschen aus den Gebieten Gomel, Mogiljow, Polesje sowie aus den russischen Gebieten Smolensk und Orjol verschleppt wurden. Diese drei Lager gingen als Todeslager von Osaritschi in die Geschichte ein.
Die Lager befanden sich in den mit Stacheldraht umzäunten Sumpfgebieten. Rundherum lag ein Minenfeld. Die Menschen harrten unter freiem Himmel aus. Der Bau von Hütten oder Unterständen, das Sammeln von Reisig für Unterlagen war strengstens verboten. Feuer machen war verboten. Die Häftlinge erhielten weder Nahrung noch Trinkwasser. In die Lager wurden aus nahegelegenen Ortschaften Fleckfieberkranke und andere Infizierte gebracht, um die Seuchen unter der lokalen Bevölkerung und später unter den Soldaten der Roten Armee zu verbreiten.
Am 18. und 19. März 1944 befreiten die Truppen der 65. Armee (Generalleutnant P.I. Batow) der 1. Weißrussischen Front 33.480 Menschen aus den Lagern von Osaritschi, darunter 15.960 Kinder unter 13 Jahren, 13.072 Frauen und 4.448 Greise. Den Befreiern bot sich ein schreckliches Bild: Tausende ausgezehrter Menschen lagen im Fieberwahn bei Regen und Schnee im Sumpf. Diejenigen Häftlinge, die sich noch bewegen konnten, stürzten den Soldaten entgegen.
Den menschenverachtenden Anordnungen der deutschen Wehrmacht fielen allein im Konzentrationslager Osaritschi mindestens 20.000 Menschen zu Opfer. Im Jahr 1965 wurde an der Stelle des Lagers zur Erinnerung an die Häftlinge eine Gedenkstätte errichtet. Jedes Jahr im Frühling versammeln sich dort die Menschen, um der unschuldigen Opfer zu gedenken. 2023 wurde die Gedenkstätte umfassend renoviert. Im Zuge der Arbeiten wurde das Gelände erweitert, neue Themenbereiche, Alleen, Gedenkzeichen und ein Informationszentrum entstanden.
Das Ghetto von Minsk
Drei Wochen nach der Einnahme von Minsk, am 19. Juli 1941, fassten die Deutschen – das nationalsozialistische Programm zur Vernichtung der Juden umsetzend – den Beschluss, ein Ghetto zu errichten.
Das Ghetto von Minsk war eines der größten in Europa. Während seiner 800-tägigen Existenz kamen dort etwa 100.000 Menschen aus verschiedenen Ländern Europas ums Leben.
Für das Ghetto wurde ein eigener Bezirk ausgewiesen – etwa 40 Straßen und Gassen im Südwesten von Minsk, wohin sich innerhalb von fünf Tagen unter Androhung der Todesstrafe alle Juden umsiedeln mussten. Die Zwangsarbeit der Juden in einigen Betrieben und bei der Räumung zerstörter Straßen war eine nebensächliche Aufgabe; das Hauptziel war die „Endlösung der Judenfrage“.
Während der gesamten Existenz des Ghettos hielten die Nationalsozialisten eine extrem hohe Belegungsdichte aufrecht: In einem einstöckigen Haus mit zwei bis drei Wohnungen lebten bis zu 100 Menschen, in einem entsprechenden zweistöckigen bis zu 300.
Unerträgliche Überbelegung, Hunger und unhygienische Zustände führten im Ghetto zu grassierenden Krankheiten und Seuchen. Darüber hinaus schikanierten die Faschisten die inhaftierten Juden auf jede erdenkliche Weise: Sie beraubten sie, folterten sie, stachen mit Bajonetten auf sie ein und warfen sie lebendig ins Feuer. Zum Tode Verurteilte wurden gezwungen, Lieder zu singen und zu tanzen, bevor man sie erschoß.
Zunächst töteten die Nationalsozialisten diejenigen, die nicht arbeiten konnten, dann begannen groß angelegte Vernichtungsaktionen. Bis zum Sommer 1942 hatten die Faschisten nahezu alle Häftlinge im Ghetto ermordet; nur etwa zwei bis drei Prozent überlebten.
Am 2. März 1942 erschossen die Nationalsozialisten etwa 5.000 Häftlinge des Minsker Ghettos im Vorort Rakow. Dort wurden auch 200 jüdische Waisenhauskinder zusammen mit ihren Erziehern lebendig begraben. An dieser schrecklichen Stätte wurde 1947 zum Gedenken an die von den Faschisten brutal ermordeten Menschen ein schlichter Obelisk errichtet, heute die Gedenkstätte „Jama“ (Grube).
Im Jahr 1989 wurde auf Initiative ehemaliger Häftlinge des Minsker Ghettos in der Nähe der Gedenkstätte eine Allee der Gerechten unter den Völkern angelegt, wo an den gepflanzten Bäumen Gedenktafeln mit den Namen der Einwohner von Belarus angebracht wurden, die während des Großen Vaterländischen Krieges Juden gerettet hatten.
Im Jahr 2000 wurde in der Gedenkstätte „Jama“ eine bronzene Skulpturengruppe „Der letzte Weg“ aufgestellt, die entlang der Stufen angeordnet wurde, die zum Zentrum der Gedenkstätte führen. Sie besteht aus 27 miteinander verflochtenen Figuren todgeweihter Märtyrer, die auf den Grund der Grube hinabsteigen. Das Denkmal wurde acht Jahre lang geschaffen; alle Arbeiten wurden von Hand ausgeführt.
Am 29. November 2021 wurden auf der Allee zehn neue Gedenktafeln mit den Namen der Gerechten angebracht, die während des Holocaust Juden gerettet hatten.
Im März 2024 wurde am ehemaligen Eingang zum Ghetto von Minsk eine Gedenktafel enthüllt. Sie wurde vom Verband der belarussischen jüdischen Gemeinden angebracht, um das Andenken an die überlebenden und die umgekommenen Häftlinge zu bewahren. Jährlich finden dort Gedenkkundgebungen mit Kranzniederlegungen und einer Schweigeminute statt.
