Projekte
Staatsorgane
flag Dienstag, 19 Mai 2026
Alle Nachrichten
Alle Nachrichten
Gesellschaft
13 April 2026, 19:19

Volksbrauch Sula-Reigen für eine gute Ernte und Schutz vor Blitzschlag im Kreis Gomel durchgeführt

GOMEL, 13. April (BelTA) – Der uralte Brauch des Sula-Reigens wurde am 13. April im Kreis Gomel durchgeführt.

Gesänge, Reigentänze, sakrale Rituale – traditionell findet dieser Brauch im Kreis Gomel am zweiten Ostertag statt. An diesem Tag schließen sich die Bewohner der beiden Nachbardörfer Gaditschewo und Markowitschi zusammen, um das Sula-Reigen zu tanzen.
Wie das Kulturzentrum des Kreises Gomel präzisiert, ist das Sula-Reigen eine besondere Ausprägung der Frühlingsrituale. Es ist tief symbolisch: Es soll die Fruchtbarkeit der Felder und eine reiche Ernte fördern, die Gesundheit der Dorfbewohner stärken und die Dörfer vor den Unbilden der Natur, insbesondere vor Gewittern und Blitzschlag, schützen.

Beginn des Brauchs ist im Dorf Gaditschewo, direkt nach dem Ostergottesdienst in der dortigen St.-Katharinen-Kirche. Frauen und Mädchen begeben sich an eine Kreuzung und schließen mit den authentischen Gesängen den Reigentänzen, den sogenannten „Tanki“. Diese haben verschiedene Formen und Richtungen – sie werden als Rad, in Schlangenlinie, mit Spielen und anderen Elementen getanzt. Die Hauptakteurinnen des rituellen Geschehens sind Frauen, junge Mädchen und Mädchen. Sie kleiden sich in farbenfrohe, für die Region typische Trachten, singen authentische Lieder und passen ihren Schritt und das Tempo des Zuges dem Gesang an.
Es ist diesen begeisterten Menschen zu verdanken, dass der Brauch nicht in Vergessenheit geraten ist. Er wurde nach einer 40-jährigen Pause wiederbelebt. Der Träger des Präsidentenpreises „Für geistige Wiedergeburt“, Wiktor Schipkow, stammt aus dieser Gegend und hilft, die Traditionen zu bewahren. „Wenn man die Lieder aufrichtig singt, wird die Sonne scheinen“, versichert er den Teilnehmern, die besorgt zu den Wolken blicken. Seit vielen Jahren hilft Wiktor Schipkow, dieses authentische Ritual in seiner Heimat zu bewahren.

„Dieses Jahr ist bereits das 20. Jahr seit der Wiederbelebung dieses Brauchs. Im Jahr 2007 ergriff ein damaliger Pädagoge der Mittelschule in Markowitschi, Grigori Bassow, die Initiative, diesen Brauch wiederzubeleben – mit Hilfe der Kinder sollte er visualisiert werden. Auf diese Initiative sprachen die Kinder, die Eltern und die Lehrer an. So wurde dieser Brauch zum ersten Mal nach 40 Jahren Pause wieder durchgeführt. Es war der erste Versuch, zu den Wurzeln zurückzukehren, die im tiefsten Sinn des Brauchs liegen“, erinnerte Wiktor Schipkow.
Der Brauch erregte damals großes Interesse und gewann mit jedem Jahr an Bedeutung. Die kulturelle Tradition fand breite Resonanz. Jahr für Jahr wurde der Brauch um authentische Elemente ergänzt. Die Wegstrecke wurde verändert. „Wir wollten unbedingt, dass alles ohne Farce abläuft, es war wichtig, genau zu dem zurückzukehren, wie unsere Vorfahren diesen Brauch durchgeführt haben. Sie gingen auf das Feld am Ende des Dorfes Gaditschewo. Wenn Roggen gesät war, dann zum Weizenfeld, oder wo alles umgepflügt und Sommergetreide gesät war, oder dorthin, wo die Wintergetreide an Kraft gewannen, wo das Grün sprießt. Denn das Feld ist der Ort, an dem die zukünftige Ernte heranwächst“, betonte Wiktor.
In dem Brauch wird den Kindern eine große Bedeutung beigemessen, als Träger und Fortführer der Tradition. „Ganz kleine Mädchen stellen wir immer in die Mitte des Reigens und werfen sie behutsam in die Luft. Das ist ein symbolischer Akt: So wie wir die Kinder in die Luft werfen, so soll auch die Ernte emporwachsen, damit das Getreide, der Weizen, die Gerste gedeihen. Die Kinder selbst symbolisieren die Körner. Man kann diese Parallele ziehen: Das Korn für die Ernte des täglichen Brotes und das Korn für die Fortführung des Lebens – das sind die Kinder. Und alle wünschen den Kindern, dass sie groß, schön und gesund werden. Die Kinder nehmen an diesem Brauch mit Freude teil. Ich bin mehr als sicher, dass sie sich noch lange daran erinnern werden, wie sie heute in die Luft geworfen wurden“, bemerkte Wiktor Schipkow mit einem Lächeln.

Diese Phase des Brauchs ist immer von glücklichen Gesichtern, Lachen und fröhlichen Rufen der Mädchen begleitet. In den vergangenen 20 Jahren sind viele Teilnehmer des Brauchs buchstäblich mit dieser Tradition aufgewachsen. Als sie selbst noch in den Kindergarten gingen, wurden sie ebenfalls in diesem Reigen in die Luft geworfen, und heute bringen viele von ihnen ihre eigenen Kinder mit.

Zum Fest sind auch Gäste aus verschiedenen Orten angereist. Manchen mussten vor Sonnenaufgang aufstehen, um pünktlich zum Beginn des Rituals da zu sein. Es sind auch Vertreter aus dem Gebiet Grodno, aus verschiedenen Kreisen des Gebiets Gomel und aus anderen Teilen des Landes gekommen.

„Ich habe selbst in diesem Dorf gelebt. Wir sind vor 15 Jahren weggezogen, aber kommen seither immer wieder hierher. Um heute zum Brauch zu kommen, sind mein Mann und ich um halb vier Uhr morgens aufgestanden. Hier tankt man immer positive Energie auf. Es ist wie eine Aufladung! Mein Mann und ich sind sehr aktive und kreative Menschen. Wir sind zwar Landwirte, aber wir lieben solche Veranstaltungen und Traditionen sehr. Wir müssen schließlich die Ernte einbringen“, lacht Galina Prokopenko. Sie fügt hinzu, dass hier ihre lieben Menschen leben – ihre Schwäger, ihr Schwiegersohn –, alles ist ihr vertraut und ans Herz gewachsen.

Für die junge Einwohnerin von Gomel war die Teilnahme an diesem Brauch eine echte Entdeckung. Maja Nikolajewa kam gemeinsam mit einer Gruppe aus der 30. Mittelschule der Stadt Gomel zum Sula-Reigen. „Unsere Schule hat einen folkloristischen Schwerpunkt. Wahrscheinlich ist sie die einzige ihrer Art. Wir treten im ganzen Gebiet auf: wir singen und spielen Instrumente. Deshalb sind wir heute mit einer großen Gruppe von 12 Personen hierher gekommen. Ich bin zum ersten Mal hier, andere waren schon mehrmals hier. Es gefällt mir hier alles sehr gut. Ich singe mit Begeisterung die Lieder, die Stimmen fügen sich so schön zusammen. Und die Natur ist hier sehr schön. Alles ist einfach super!“, teilte die Schülerin ihre Eindrücke.

Die Wegstrecke führte auch entlang des bekannten Katharinenwegs. Mit Scherzliedern und Gesängen zogen die Teilnehmer, sich an den Händen haltend, auf dem gesamten Weg alle Interessierten in ihre Reihen. Traditionell endet der rituelle Umzug vor dem ländlichen Kulturzentrum in Markowitschi, wo die Gäste mit einem Osterbrot auf einem bestickten Handtuch empfangen und zu einer gemeinsamen Stärkung eingeladen werden.

Das Wort „Sula“ kann übrigens unterschiedlich gedeutet werden: Es kann sowohl den Brauch selbst, das rituelle Geschehen, die Gesamtheit der Teilnehmer – den „Fluss des Geschehens“ – als auch einen Pfeil bezeichnen. Der Volksbrauch „Sula-Reigen“ im Kreis Gomel wurde im Jahr 2019 als historisch-kulturelle Erbe anerkannt.
Abonnieren Sie uns auf
X
Top-Nachrichten
Letzte Nachrichten aus Belarus