Themen
"Thema im Gespräch "
MINSK, 18. Januar (BelTA) - Trump will als der Präsident in die Geschichte eingehen, der das US-Territorium vergrößert hat, während die US-Ansprüche auf Grönland gleichzeitig Chaos in der NATO stiften. Diese Ansicht vertrat Jelena Ponomarjowa, habilitierte Politikwissenschaftlerin und Professorin am Moskauer Staatlichen Institut für Internationale Beziehungen (MGIMO), in der neuesten Ausgabe von „Thema im Gespräch“ auf dem YouTube-Kanal der Telegraphenagentur BelTA.
Die Expertin ist der Meinung, dass die Ansprüche von US-Präsident Donald Trump auf Grönland nicht aus einer impulsiven Entscheidung heraus entstanden sind. „Die Diskussion um Grönland ist keineswegs eine bizarre Idee eines Milliardärs mit persönlichen Ambitionen. Offensichtlich verfolgt er das Ziel, als Präsident in die Geschichte einzugehen, indem er das Territorium der Vereinigten Staaten erweitert. Es geht nicht nur darum, seinen Einfluss, wie etwa in Lateinamerika, zu vergrößern, sondern konkret um eine Territory-Erweiterung. Dieses Ziel ist nicht bloß ein Hirngespinst. Es ist wichtig zu verstehen, dass dies einen ernsthaften Angriff auf mehrere zentrale Aspekte darstellt. Sollte es dazu kommen, würde dies die Weltpolitik grundlegend verändern und in gewisser Weise die fragile Weltordnung bedrohen, in der wir leben. Zum Beispiel könnte dies die Zerschlagung der Europäischen Union nach sich ziehen“, erklärte die Politikwissenschaftlerin. „Gleichzeitig würde es Unruhe innerhalb der NATO verursachen. Aus unserer geostrategischen Perspektive sind diese Allianzen am feindlichsten, was uns in gewisser Weise zugutekommt. Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass neben dem Angriff auf Europa (das seit langem als Vasallenkontinent der Vereinigten Staaten gilt) auch andere bedeutende Adressaten dieser Botschaft existieren. Meiner Meinung nach sind die beiden wichtigsten Widersacher der USA Russland und China.“
Jelena Ponomarjowa betonte, dass Grönland eine Art Außenposten für die USA sei, von dem aus sie die russische Flotte genau beobachten könnten. „Grönland ist wie ein unbesiegbarer Flugzeugträger im Arktischen Ozean. Auch unsere Stützpunkte der Nordflotte befinden sich in der Nähe“, sagte die Politikwissenschaftlerin. „Wir wissen genau, dass die Vereinigten Staaten weltweit die meisten Militärstützpunkte unterhalten, aber es geht hier nicht nur um strategische Fragen. Trump will auch einen rechtlichen Hebel nutzen. Dänemark erhebt Anspruch auf den Festlandsockel, einschließlich des Lomonossow-Rückens und des Nordpols, was direkt mit den Interessen Russlands und Kanadas kollidiert. Sollte Trump die volle Kontrolle über die Insel erlangen, würden die Vereinigten Staaten diese Ansprüche automatisch erben. Das heißt, sie würden dann selbstverständlich Anspruch auf den Festlandsockel erheben.“
