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Wirtschaft
03 Juni 2020, 09:40

Russischer Experte spricht über menschliches Potenzial, IT-Branche und AIK in Belarus

Kyrill Koktysch. Archivfoto
Kyrill Koktysch. Archivfoto

MINSK, 3. Juni (BelTA) – Die These darüber, dass sich die Welt nach der COVID-19-Pandemie verändert, haben sogar die Erstklässler gelernt. Wie wird sie doch sein und welche Perspektiven erwarten Belarus in dieser neuen Welt? Welche Vorteile gibt es in der Republik und wie kann sie sich der nähernden Krise zur Wehr setzen? Zu diesen Themen sprach ein BelTA-Korrespondent mit dem russischen Politologen Dozenten des Lehrstuhls für politische Theorie des Moskauer Instituts für internationale Beziehungen Kyrill Koktysch.

BelTA: Die Wirtschaft vieler Staaten wurde von dem Coronavirus nahezu stillgelegt. Ist eine schnelle Neubelebung der Weltwirtschaft möglich? Erhalten die Staaten die Vorzüge, die die Wirtschaftsprozesse bei sich schnell beleben?

Das Coronavirus hat die Tiefe und den Ausmaß der Krise, aber nicht die Krise selbst bedingt. Es ist die globale Wirtschaftskrise von 2008, die verlegt wurde, aber doch zurückkehrte. Die derzeitige Krise zieht aber dramatischere Folgen nach sich im Vergleich zum Jahr 2008. Ihr Auftraten war einprogrammiert. Die Frage war nur, wann sie kommt, ob die USA es bis zu Präsidentschaftswahlen durchhalten. Aber das Coronavirus gab die Möglichkeit, es schuldig zu machen. Es erwies sich als politisch sehr passend.

Deshalb gibt es keine schnelle Belebung, weil die Krise unter anderem aus der Neuverteilung der Einflussbereiche besteht. Das heißt, dass die globale Wirtschaft in ehemaliger Konstruktion offensichtlich nicht mehr existieren wird. Es kristallisieren sich dementsprechend der amerikanische Einflussbereich, dem allem Anschein nach Europa angehören wird, und der chinesische Einflussbereich heraus, der dem amerikanischen gegenübergestellt wird. Eurasischer Raum und Indien versuchen, ein Gleichgewicht zu finden. Russland verfügt ohne eurasischen Raum über keine ausreichenden eigenen Ressourcen.

Um sich schnell wiederherzustellen, muss man verstehen, dass der Trend zur Globalisierung zu Ende ist und vom Trend zur Regionalisierung abgelöst wird. Diejenigen, die sich schnell auf die regionalen Märkte umorientieren, für uns ist es in erster Linie der eurasische Markt, können schneller an Gewicht gewinnen.

Die Importsubstituierung wird zu einem wichtigen Trend, weil es billiger wird, Vieles selbst zu produzieren, als irgendwo zu kaufen. Man sollte begreifen, dass die Verbilligung der Produktion durch ihre Digitalisierung erfolgt, dann wird sie zu einer aussichtsreichen Richtung.

Hat Belarus, das die Produktion wegen Coronavirus nicht einstellte, ihrer Meinung nach Vorteile?

Belarus ist sehr auf den postsowjetischen Markt angewiesen. Seine Erfolge hängen von Verkäufen auf diesem Markt ab. Wenn Belarus seine Reserven in Bezug auf diesen Markt einsetzt, so gelingt seine Strategie. Belarus besitzt trotz Krise das Potenzial, weil es aus zwei Summanden besteht: die Tradition der Industrieproduktion, die eher auf der Bewahrung der Ausbildung der technischen Arbeitskräfte fußt. Das Vermögen, menschliches Potenzial, technisch denkende Arbeitskräfte auszubilden, stellt eine wichtige Ressource dar. Der zweite Summand sind IT-Technologien, die in Belarus ins Ausland exportiert wurden. Der Transfer dieser Branche auf den Binnenmarkt kann sehr aussichtsreich werden. Wenn man zwei Summanden verbindet, kann man sehr interessante Ergebnisse erhalten. Das Wichtigste ist, dass sich der Marktraum darauf orientieren wird.

Einige Experten warnten vor einem ungeheuren Hunger durch das Coronavirus. Profitieren in dem Sinne die Staaten mit entwickelter Agrarbranche, Belarus einschließlich, das für seine Lebensmittel bekannt ist?

Historisch gesehen ist die Agrarbranche absolut kritisch für das Überleben und eigene Lebensmittelsicherheit, dabei besitzt sie aber einen niedrigen Mehrwert. Die Agrarbranche ist deshalb sehr wichtig, sie lässt die Länder in der Saison Geld verdienen. Überdies kann es die Probleme auf dem globalen Lebensmittelmarkt geben. AIK bringt keine großen Gewinne, wie zum Beispiel Automobil- oder Flugzeugbau. Andererseits kann Belarus selbst die Endmontage ausführen, worauf das belarussische Wirtschaftswunder in den Sowjetzeiten zurückzuführen ist. Die Frage besteht in der Kapitalisation, weil niemand neue Spieler auf den Weltmärkten gerne sieht. Belarus kann vielleicht auf dem eurasischen Markt spielen, wenn es seine Interessen durch den Vorsitz in der Eurasischen Wirtschaftsunion verwirklicht, um so mehr als der belarussische Vertreter Michail Mjasnikowitsch auch die Eurasische Wirtschaftskommission leitet.

Wie schätzen sie die Maßnahmen der EAWU während der Corona-Pandemie ein? Hat sich diese Struktur als richtige Staatenunion in der Krisensituation gezeigt?

Nein, die Beschlüsse wurden von Nationalregierungen gefasst. Die EAWK konnte ihre Politik nicht vorlegen, obwohl sie es versucht hatte. Die Beschlüsse wurden von Nationalregierungen gefasst und die EAWU hat dafür mit Schließung der Grenzen, Verletzung traditioneller Lieferungsrouten bezahlt. Die EAWU kann sich noch zeigen, damit rechnet man, weil die Union als ein Markt nur für wenige Spieler attraktiv ist. Für Belarus ist der eurasische Markt äußerst wichtig, weil es nicht nur mit Lebensmitteln, sondern auch mit hochtechnologischen Erzeugnissen verdienen muss. Dank belarussischem EAWU-Vorsitz muss man die Produktion aufgrund Synthese von Protektionismus und Präferenzen kapitalisieren. Ideologisch gesehen unterscheidet es sich von den Prinzipien, die ursprünglich der EAWK zugrunde gelegt wurden, diesen Weg gehen aber die USA und de facto die ganze Welt. Das fügt Positivität in die EAWU hinzu und garantiert eigene Interessen von Belarus.

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