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08 Juli 2022, 14:09

Baltische Länder bauen ihre militärische Infrastruktur aus

Andrej Tschernobaj
Andrej Tschernobaj

MINSK, 08. Juli (BelTA) - Die baltischen Staaten bauen ihre militärische Infrastruktur aus, erklärte Andrej Tschernobaj, Militäranalyst am Belarussischen Institut für Strategische Studien (BISS).

Bei dem Ende Juni stattgefundenen NATO-Gipfel ist beschlossen worden, die Zahl der NATO-Streitkräfte in den baltischen Staaten erheblich aufzustocken. Im Rahmen des Programms zur Ausweitung der Vorwärtspräsenz werden die multinationalen Bataillons-Kampfgruppen auf die Brigadeebene ausgeweitet, mit der Aussicht, notwendige Waffen, die Munition, andere Versorgungsgüter für die Einheiten der alliierten schnellen Eingreiftruppen auf baltischem Boden zu lagern.

„Das erfordert von Litauen, Lettland und Estland wesentliche Ausgaben aus dem Staatsetat, sowie die entsprechenden Vorbereitungen für den Infrastrukturausbau. Diese Arbeiten werden schon seit Monaten durchgeführt“, so Andrej Tschernobaj.

Ihm zufolge hat der litauische Präsident Gitanas Nauseda wiederholt erklärt, dass das Land bereit sei, eine größere Streitmacht der Allianz aufzunehmen und ihr alle erforderliche Infrastruktur und Unterstützung zu gewähren.

"Als Nachweis seiner Worte kann die Bereitstellung von 40 Millionen Euro zu Beginn des Jahres für die Einrichtung von drei Lagern zur Unterbringung von etwa 2,4 Tausend alliierten Soldaten gelten. Vilnius baut auch den Truppenübungsplatz „Rudninkaj“ im Südosten Litauens aus, um zusätzliche NATO-Truppen unterzubringen. In Zusammenarbeit mit den deutschen Unternehmen Rheinmetall und Krauss-Maffei Wegmann wird am 29. Juni in Jonava ein Wartungszentrum für militärisches Gerät Litauens und seiner Verbündeten eröffnet. Deutsche Offiziere treffen in Kürze im Land ein, um die vorhandene militärische Infrastruktur zu bewerten und über den Einsatz von Teilen der Bundeswehrbrigade zu entscheiden. Litauen dürfte bis 2027 Hunderte von Millionen Euro für diese Zwecke ausgeben", sagte der Analyst.

Der Sachverständige fügte hinzu, dass Lettland zuvor umfangreiche Investitionen in den Bau und die Renovierung von Unterkünften und Ausbildungseinrichtungen auf dem Militärstützpunkt Adazi getätigt habe, wo eine NATO-Battlegroup stationiert. Am 5. Juli kündigte der Verteidigungsminister des Landes Artis Pabriks die Einrichtung eines weiteren internationalen Militärstützpunktes Zalve in den südlichen Bezirken Aizkraukle und Jekabpils, nahe der Grenze zu Litauen, an.

„Am 29. Juni unterzeichneten die Verteidigungsministerien von Lettland und Kanada eine gemeinsame Erklärung, nach der sich Riga verpflichtet, fachgerechte Infrastruktur zur Entwicklung der Brigaden aus dem Übersee auszubauen und bereitzustellen. Neben den Wohnungen sind materiell-technische Infrastruktur Objekte, Wartungsstellen, Lager für Ausrüstung, Munition und materielle Bestände sicherzustellen“, hat Andrej Tschernobaj hingewiesen.

Ihm zufolge werden von Estland auch die Vorbereitungen der Infrastruktur für die Aufnahme alliierter Militäreinheiten getroffen. Kurzfristig plant man die Modernisierung des Luftwaffenstützpunkts Ämari. Im Juli 2021 trat das Land der Gemeinsamen Munitionslager-Initiative der NATO bei und eröffnete im März 2022 auf seinem Territorium ein "multinationales" Depot für Einheiten der erweiterten Vorwärtspräsenz der Allianz. Der Militäranalyst nannte Zahlen: Tallinn hat seine Militärausgaben in den wenigen Monaten dieses Jahres bereits um fast 1 Milliarde Euro erhöht, was den jährlichen Verteidigungshaushalt dieses Landes übersteigt.

"In naher Zukunft verlängert sich erheblich die Liste der militärischen Infrastruktureinrichtungen, die in den baltischen Staaten gebaut werden sollen, da nicht nur die Landkomponente der NATO-Truppen, sondern auch die Luft-, See- und Flugabwehrkräfte verstärkt werden sollen. Im Gegenzug werden für alle errichteten Anlagen jährliche Unterhaltskosten in Höhe von zehn, wenn nicht gar hunderten Millionen Euro anfallen. Die Regierungen der baltischen Länder werden daher ihre Verteidigungshaushalte in Zukunft mehrmals nach oben korrigieren müssen, was für den normalen Steuerzahler eine große Belastung darstellen soll", prognostiziert der Experte.

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