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28 Februar 2026, 11:55

Computergesteuerte Klappfenster, intelligente Beleuchtung. Wie wird in Belarus Gemüse angebaut

Nur zehn Kilometer von der Hauptstadt entfernt erstreckt sich auf einer Fläche von 27 Hektar die „gläserne Sonnenstadt“, in der Grillen zirpen, Hummeln summen, Gurken grün und Tomaten rot werden. Dies ist das "Gewächshauskombinat Matschulischi". Wir besuchten die Anlage und warfen einen Blick in den “intelligenten” Anbau von Gemüse. 

Für jede Kultur ein eigenes Mikroklima

Direktor des "Gewächshauskombinats Matschulischi" Dmitri Astachow:

„Das Jahr 2025 war für der Kombinat wirklich produktiv. Der Betrieb nahm den ersten Platz in der Region ein – das Ernteergebnis für Gemüse unter Glas betrug 72,8 kg/m.  Wir haben 4690 Tonnen Gemüse geerntet und einen Ertrag von fast 73 kg pro Quadratmeter erreicht.“
Das Kombinat bemüht sich, technologisch immer auf dem Laufenden zu sein: Für einen maximal hohen Ertrag wird eine intelligente Beleuchtung installiert.

Alles, was das Kombinat produziert, findet man auf den Regalen aller großen Handelsketten des Landes. Um zu sehen, welchen Weg das Gemüse vom Gewächshaus zum Einkaufskorb macht, besuchen wir eines der Gewächshäuser. Nach dem kühlen Büro des Direktors sind wir angenehm überrascht: Hier fühlt man sich wie im Süden. Aber wir merken bald, wie schwierig es ist, 8 Stunden in einem tropischen Klima zu arbeiten. Es ist auch eine große körperliche Anstrengung.

Wir werden von Leiter Gewächshauswerkstatt Gennadi Polubjatko begrüßt, der stolz eine Führung durch seine Besitztümer macht. Auf einer riesigen Fläche von 6,44 Hektar werden fast 2,5 ha für Gurken verwendet, ein großer Teil davon ist eine Lichtkultur, die das ganze Jahr über angebaut wird.

„Der Löwenanteil der Fläche – das sind Tomaten. Über 4 Hektar. Sie wachsen von Dezember bis November. Mitte Frühling ist die höchste Erntezeit. Wir setzen auf den bewährten Xantero-Hybrid. Er hat sich bei den Kunden sehr etabliert: Seine Früchte sind schwergewichtig, bis zu 250 g, sehr lecker und überstehen lange Lieferzeiten. Bei einem erfahrenen Meister ergibt diese Sorte ein ausgezeichnetes Ergebnis - bis zu 70 kg pro Quadratmeter. Zur Abwechslung werden Kirschtomaten und Karpaltomaten Merlis angebaut.
Alle Prozesse in dieser "gläsernen Stadt" sind vollständig automatisiert. Für jede Kultur gibt es ein eigenes Mikroklima. Intelligente Sensoren überwachen aufmerksam die geringsten Temperatur- und Feuchtigkeitsschwankungen. Wenn es kühl wird, startet das System die Pumpen und liefert zusätzliche Wärme. Wenn es zu stark erhitzt wird, öffnet die Automatik die Fensterscheiben sanft und lässt frische Luft ein. Dieses komplexe technische "Orchester" wird kontinuierlich von einer hochqualifizierten Fachkraft kontrolliert. 

Ein gutes Gewächshaus ist nicht nur warm, sondern vor allem gut beleuchtet. In Belarus ist das Klima so, dass die Sonne oft fehlt. Um das ganze Jahr über frisches Gemüse auf dem Tisch zu haben, hat das Kombinat die „künstliche Beleuchtung“ installiert. Deshalb sind Wintergurken und Tomaten teurer – in ihrem Preis sind erhebliche Energiekosten drin. 

"Natürliche Söldner"

Das Management des Gewächshauskombinats ist sich sicher: Gemüse sollte nicht nur sicher, sondern wirklich nützlich sein. Deshalb wurde hier auf eine biologische Schutzmethode gesetzt. Dies ist ein seltener Fall, in dem Ökologie und Wirtschaft Hand in Hand gehen - der "lebende" Schutz ist billiger als aggressive Chemie. Das Produkt ist bio. 
Olga Choroschko, Chefagronomin, erzählte uns, wie dieser Mikrokosmos funktioniert. Es stellte sich heraus, dass sich in den Gewächshäusern echte Kämpfe geführt werden, die der Mensch nicht sehen kann. Statt Pestizide zu sprühen, werden hier "natürliche Söldner" eingesetzt: Im Substrat werden Raubinsekten eingesiedelt – sie jagen die Schädlinge.

„Gegen die Spinnmilbe und Mottenschildläuse setzen wir spezielle Raubmilben und den räuberischen Wanzenmakrolofus ein. Sie sind natürliche Feinde jener Schädlinge, die unser Gemüse beim Wachsen stören“, erklärt Olga Alexejewna. 

Eine wichtige Rolle im Wachstumsprozess wird Hummeln zugeteilt. Ohne diese flauschigen geflügelten Helfer ist die Bestäubung und damit auch die Ernte unmöglich. Belarussische Hummeln schlafen im Winter. Für eine reibungslose und pausenlose Arbeit lädt das Kombinat „ausländische Spezialisten“ aus Spanien oder Israel ein. Hummelfamilien von 80-90 Individuen leben in speziellen Häusern, bestäuben fleißig Blumen und sammeln Nektar. 
Die Atmosphäre dieses natürlichen Gleichgewichts wird durch einen unerwarteten Klang ergänzt: Grillen zirpen in der Gurkenabteilung. Dies ist der beste Indikator für Sauberkeit - in einer Umgebung, die mit Chemikalien überladen ist, würden solche "Musiker" einfach nicht überleben.

Schule des Gemüsezüchters

Hinter jeder saftigen Tomate und knusprigen Gurke steckt die Arbeit der Profis. Im Gewächshauskombinat Matschulischi arbeiten die besten Profis. 

Das Kombinat bietet ein einzigartiges Bildungsprogramm und besitzt ein experimentelles Gewächshaus, in dem Anfänger ihr Praktikum absolvieren. Hier müssen sie theoretisches Wissen in der Praxis umsetzen, ehe sie in den modernsten technologischen Blöcken arbeiten dürfen. Die Ausbildung dauert 2 bis 3 Monate. 

Nach einer erfolgreichen Prüfung erhält der Arbeitnehmer ein offizielles staatliches Zertifikat als „Gemüsezüchter“.

„Unsere Spezialisten verbessern ständig ihre Qualifikation in Profilkursen in Belarus und Russland“, sagt Dmitri Alexandrowitsch. „Dieser Ansatz ermöglicht es, nicht nur den Menschen Arbeit zu geben, sondern ihnen neue Horizonte im Beruf zu öffnen. Viele unserer Arbeiter haben den Weg vom Gemüsezüchter zum Hauptfachmann zurückgelegt.“

Heute sind belarussische Gewächshäuser hochtechnologische Produktionsstätten für frisches Gemüse. Die Zahlen aus dem vergangenen Jahr sind beeindruckend: Die Gurkenexporte sind um ein Vielfaches gestiegen. Die Eigenversorgung mit Tomaten im Winter liegt bei 80-100 Prozent. Der Staat hilft der Branche mit niedrigen Stromtarifen.

Dank dieser Strategie ist das hochwertige belarussische Gemüse heute für jeden Käufer in jedem Winkel des Landes verfügbar, unabhängig von der Jahreszeit. 

Belarus hat den Kurs auf Gemüsesouveränität eingeschlagen: Die Strategie bis 2027 soll Importe durch die ganzjährige Produktion vollständig verdrängen. Es wird auf Lichtkultur, Flächenerweiterung, Sortiment und Energieeffizienz gesetzt, damit frisches Gemüse zu jeder Jahreszeit verfügbar ist.

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