Mobile Version
Projekte
Services
Staatsorgane

Erzpriester Ioann: Das Leben in Güte und Frömmigkeit leben

Gesellschaft 13.01.2020 | 17:32

Der Vorsteher der Gemeinde zu Ehren der Heiligen apostelgleichen Maria Magdalena in Minsk, Erzpriester Ioann Choroschewitsch, wurde mit dem Preis des Präsidenten „Für geistige Erneuerung“ ausgezeichnet. Er habe einen bedeutenden Beitrag zum Werk der Barmherzigkeit und zum Aufbau des Hauses für geistige Aufklärung geleistet, hieß es. Im Interview mit BelTA erzählte Erzpriester Ioann über den Glauben, Geistigkeit und den rechten Weg.

BelTA: Vater Ioann, Ihre Bemühungen im Bereich der geistigen Aufklärung wurden vom Staat so hoch eingeschätzt. Wie fühlen Sie sich dabei?

- Das war sehr angenehmen und unerwartet. Als Priester sehe ich die Routinearbeit eines Geistlichen nicht als irgendein verdienstvolles Wirken. Ich habe bei der Priesterweihe ein Eid abgelegt und bin diesem Eid mein Leben lang treu. Ich bin seit über 60 Jahren Priester. Im Jahr 1990 bin ich in die Gemeinde der Hl.-Maria-Magdalena-Kirche gekommen. Als Kirchenvorsteher habe ich viele Aufgaben zu lösen – von Gottesdiensten und Messen bis hin zur Unterhaltung des Gotteshauses. Sakramentaler und seelsorglicher Dienst, aber auch ganz alltägliche wirtschaftliche Fragen beschäftigen mich tagtäglich. Denn das Gotteshaus ist für die Gläubigen ein Ort der geistigen Aufklärung. Es erfreut, dass wirklich sehr viele Menschen heute zu uns kommen.

BelTA: Erzählen Sie uns über Ihr neues Projekt – das Haus der geistigen Aufklärung.

- Es ist ein dreistöckiger Neubau, der über einen Zeitraum von 4 Jahren errichtet wurde. Die Innenräume sind alle bereits eingerichtet, das Haus wurde vom Metropoliten eingeweiht, aber wir sind immer noch dabei, die Räumlichkeiten mit neuen Möbeln auszustatten. Ich denke, dass wir das Haus der geistigen Aufklärung bald eröffnen werden. Es wird zunächst einmal eine Kinder-Sonntagsschule beherbergen, die allen modernen Anforderungen entsprechen wird. Ich bin sicher, dass sich die Kinder dort wohl und gemütlich fühlen werden. Derzeit besuchen 87 Kinder im Alter von 4 Jahren und Älter unsere Sonntagsschule.

Das Haus der geistigen Aufklärung wird zweitens ein Ort der Begegnung für junge arbeitende Menschen sein. Bis zu 70 Personen kommen wöchentlich zu uns – wir führen von 18.00 bis 20.00 Uhr Gespräche zu geistigen, religiösen Themen durch. Oder halten Gesprächsstunden für Erwachsene ab, die sich auf die kirchliche Trauung oder das Sakrament der Taufe vorbereiten. Wir erzählen über das Evangelium und Gottes Gebote.

BelTA: Wie wichtig sind solche Treffen und Gespräche für die Menschen?

- Das ist wie die Wiedergeburt der Seele, das Aufleben moralischer und geistiger Eigenschaften. Es gab Zeiten, wo die Gesellschaft spirituell ausgehungert war. Und viele Generationen, die inzwischen aufgewachsen sind, haben eigene Familien, Kinder, aber sie haben ihren Kindern keine geistigen Werte mit auf den Weg gegeben. Jetzt helfen wir ihnen, geistig aufzuleben.

BelTA: Jeder hat seinen Weg zu Gott. Manchmal steht man an einer Wegkreuzung und weiß nicht weiter. Welchen Rat geben Sie dann?

- Am Besten, man geht nicht an einem Gotteshaus vorbei. Dort kann man sich mit einem Priester unter vier Augen unterhalten. Die Menschen kommen zu uns mit ihren Fragen, wir wollen jedem von ihnen so viel Zeit widmen, wie sie brauchen. Aber dann sollte jeder Mensch sich selbst allmählich in das Kirchen- oder Gemeindeleben integrieren.

BelTA: Viele weigern sich, aus Unwissenheit in die Kirche zu gehen…

- Wer in die Kirche geht, der lernt dort viel. Davor sollte man keine Angst haben. Manchmal kommt jemand zum ersten Mal rein und findet dort nur „alte Nörglerinnen“, die jeden Besucher eines Besseren zu belehren glauben. Diesen Frauen erklären wir immer, dass sie sich anders benehmen sollten, weil sie sonst „kirchenfremde Menschen“ nur noch mehr entfremden. Allen, die irgendwelche Angst haben, etwas Falsches zu tun oder zu sagen, rate ich nur: Kommen Sie einfach rein, stellen Sie sich irgendwo in der Ecke und hören Sie dem Gottesdienst zu. Und wenn Sie Fragen haben, wenden Sie sich an den Priester – er wird Ihnen unbedingt weiterhelfen.

Ich freue mich zu bezeugen, dass immer mehr Menschen in die Kirche kommen. Es ist besonders erfreulich, dass es auch Kinder dabei sind. Wir versuchen, in unserer Kirche eine gemütliche häusliche Atmosphäre zu schaffen. Und die Eltern sollten sich ihrer Verantwortung gegenüber ihren Kindern bewusst sein.

BelTA: Wann sollte man mit der geistigen Kindererziehung beginnen?

- Diese Frage stellen unsere Gemeindemitglieder sehr oft. Dazu gibt es eine Volksweisheit: Erziehe das Kind solange es auf der Sitzbank quer liegt, das heißt von ganz klein auf. Für Kinder muss man immer da sein und sie nicht mit den Ausreden abtun, man habe keine Zeit. Wer eine Familie gegründet und ein Kind zur Welt gebracht hat, der sollte bitte auch um dieses Kind sorgen, um sein Leben auf der Erde und um etwas, was ihn dem Gott näher macht – um einer richtige moralische und geistige Erziehung.

BelTA: Ein religiöser Mensch zu sein bedeutet nicht nur, an Sonntagen in die Kirche zu gehen und Kerzen anzuzünden ...

- Sie haben Recht. Der Kirchengang gehört zum äußeren Ausdruck des Glaubens, zum guten Brauch. Alles fängt zu Hause an, in der Familie und im Menschen selbst. Denn der Herr sagte: durch Fasten und Beten wird jede Sünde ausgerottet. Und wir sind alle Sünder. Wir müssen irgendwann damit anfangen, denn unsere Jahre vergehen schnell. Was werden wir wohl für ein „Gepäck“ mit in die Ewigkeit nehmen? Jeder Mensch sollte daher noch im Laufe seines Lebens seinen Weg richtig aufbauen. Er sollte versuchen, dieses Leben so sauber, freundlich und heilig zu leben wie nur möglich.

BelTA: Wie vollbringt man gute Werke richtig?

- Der Glaube ist tot ohne Werke. Wir sagen oft: ich glaube. Und der Herr sagt: Es ist gut, dass ihr glaubt, aber zeigt euren Glauben durch eure Werke. Unsere Taten sind Mitgefühl, Aufmerksamkeit gegenüber den Kindern, Waisen, Alten, Behinderten, Kranken. Tue eine gute Tat, wo du kannst. Tue ein wenig Gutes und du wirst mit der Gnade Gottes belohnt.

In und außerhalb der Familie müssen wir alle aufmerksam, geduldig, liebevoll und verständnisvoll sein. Wollen wir immer offen, freundlich, sanft und aufmerksam gegenüber unseren Mitmenschen sein. Es ist sehr wichtig. Es ist das, was die Menschen brauchen.

BelTA: Jeder Kirchenbesuch und jede Konversation mit einem Priester hinterlassen Spuren im Herzen der Gläubigen. Welche Spuren hinterlassen solche Begegnungen im Herzen der Priester selbst?

- Manchmal nimmt man eine sehr große Last auf sich, weil Menschen mit verschiedenen Problemen und Fragen kommen. Sie bürden oft sehr viele häusliche Probleme auf uns auf, und wir müssen jedem zuhören, für jeden von ihnen ein freundliches und nettes Wort finden, Ratschläge geben oder einfach etwas Aufmerksamkeit schenken. Der Priester betet dann für diesen Menschen und seine Familie. Niemand darf den Menschen in Not allein oder im Stich lassen, denn dann kann etwas sehr Schlimmes passieren. Für einen Priester gilt die Regel: Wer zu Dir kommt, soll von Dir mit Wärme und Liebe empfangen werden.

Oft, wenn es Probleme in der Familie gibt, Streit oder Ärger, dann rufen wir das Ehepaar zu uns. Wir reden mit den beiden Partnern und klären, was sie falsch gemacht haben und wie die Situation zu korrigieren ist. Manchmal will der Mensch einfach gehört werden. In diesem Fall ist der Priester und die Kirche der richtige Ort. Denn hier arbeiten wir nach dem Prinzip: Nicht nicht um des Geldes willen, sondern um Jesu willen.

Druckversion
Nachrichten der Rubrik Gesellschaft
Letzte Nachrichten
Alle Nachrichten
Wetter
Minsk
Baranowitschi
Bobruisk
Borissow
Brest
Warschau
Vilnius
Witebsk
Gomel
Grodno
Shlobin
Kiew
Kiew
Lida
Minsk
Mogiljow
Mogiljow
Mosyr
Moskau
Orscha
Polozk
Riga
Sankt Petersburg
Soligorsk
Soligorsk