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Gesellschaft
05 Mai 2021, 12:20

Expertin: Großer Vaterländischer Krieg ist Herzstück der historischen Erinnerung

MINSK, 5. Mai (BelTA) – Der Große Vaterländische Krieg nimmt einen zentralen Platz in der historischen Erinnerung des belarussischen Volkes ein. Das sagte Swetlana Alejnikowa, Analytikerin des Belarussischen Instituts für Strategische Studien (BISI), bei einer Expertenrunde zum Thema „Der Große Vaterländische Krieg im Kontext der patriotischen Erziehung“.

„Das Institut für Soziologie der Nationalen Akademie der Wissenschaften und die Belarussische Staatliche Wirtschaftliche Universität haben im Auftrag der BISI soziologische Studien zum Thema „Historische Erinnerung“ durchgeführt. Die Studie ergab, dass in der öffentlichen Wahrnehmung in Belarus die Kriegsereignisse weder verleugnet noch sakralisiert wurden. Den zentralen Platz im historischen Gedächtnis der belarussischen Gesellschaft nimmt der Große Vaterländische Krieg ein. Alle soziologischen Untersuchungen bestätigen dies. Die Belarussen nehmen den Krieg in erster Linie als einen Sieg und den Beitrag des belarussischen Volkes zum gesamten Sieg wahr. Das ist der nationale Stolz des Staates. Außerdem wird der Sieg als eine Tragödie wahrgenommen, als ein großes Opfer des belarussischen und sowjetischen Volkes“, sagte Swetlana Alejnikowa.

„Solange die Kriegszeugen und die Kriegskinder leben, bleibt die Erinnerung an den Krieg eine zentrale Achse der historischen Erinnerung“, sagte sie. „Das Hauptinstrument der Umcodierung der Erinnerung, d.h. Spaltung der Gesellschaft, ist die Ersetzung der Erinnerung. Es ist ein Instrument der politischen Technologie, bei der die historischen Tatsachen verzerrt, politisiert und durch künstlich geschaffene Konstrukte ersetzt werden. Es ist ein klassisches Overton-Fenster, wenn die öffentliche Meinung unter dem Einfluss destruktiver Informationskanäle die Haltung von „inakzeptabel“ auf „normal“ umstellt. So entsteht zum Beispiel ein Diskurs über den Kollaborationismus, den man früher einfach Verrat nannte. Es findet eine Umbewertung statt, die im Endeffekt zur Umcodierung und Neuformatierung der Erinnerung führt“, sagte die Expertin.

Swetlana Alejnikowa sieht in der Entpersönlichung des Krieges eine echte Gefahr. „Das ist zum Teil ein natürlicher Prozess, denn die Zeit vergeht und die jungen Menschen wissen nicht mehr, was unsere Großeltern und Eltern wussten. Vieles wird aus dem Gedächtnis gelöscht. Manche Tendenzen sind aber alarmierend: Bei einer landesweiten Umfrage unter 1,6 Tausend Menschen konnten nur fünf Personen die Namen von Kriegshelden richtig nennen. Wir haben es in diesem Fall mit der Depersonalisierung des Krieges zu tun. In Erinnerung bleiben die wichtigsten Meilensteine: Partisanenkrieg, Untergrundbewegung, Sieg und Besatzung. Und was die Heldennamen, Operationen, einzelne Kriegsereignisse angeht, so werden sie langsam vergessen. Zweitens, viele Erinnerungsstätten büßen heute ihre symbolische Kraft ein. Solche Gedenkstätten wie Chatyn, der Hügel des Ruhmes, die Festung Brest stehen für viele Menschen nicht mehr in Verbindung mit dem Krieg. Für den Großteil der Gesellschaft sind sie kein Symbol der Staatlichkeit mehr. Nur 25 Prozent der Bevölkerung halten diese Gedenkorte für symbolhaft. Und hier müssen wir ansetzen“, sagte sie.

Der Patriotismus ist mehr als nur Geschichte oder Krieg. „Meiner Meinung nach sollte man im Bereich der Erziehungsarbeit den Patriotismus in alltäglichen Dingen erkennen lassen. Patriot ist jemand, der sich um die eigene Familie, das eigene Haus und das Land kümmert. Ja, die Heldentaten der Vergangenheit sind eine der Säulen. Aber die Heldentaten der Vergangenheit und das Kriegsheldentum insgesamt fußten schon immer in dem Alltagspatriotismus. Die Helden des Großen Vaterländischen Krieges waren Soldaten, die in kritischen Situationen an der Front ihren Patriotismus unter Beweis gestellt haben. Deshalb würde ich den Alltagspatriotismus als einen Eckpfeiler der Bildungsarbeit hervorheben“, so die Expertin.

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