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Gesellschaft
11 Juli 2022, 14:22

Gigin über historische Erinnerung: Sie konsolidiert die Nation und prägt Ideologie

MINSK, 11. Juli (BelTA) – Die historische Erinnerung ist ein Instrument der Konsolidierung der Gesellschaft und Bildung der Ideologie. Das sagte der Vorstandsvorsitzende der staatlichen öffentlichen Vereinigung „Snanije“ (Wissen) Wadim Gigin im Interview-Projekt der Telegraphenagentur BelTA „Thema im Gespräch“.

„Schauen Sie nur, wie wir heute unsere historische Politik umsetzen. Wir schaffen keine Institute der nationalen Erinnerung mit operativen Rechten wie in Polen. Wir gehen mit unserer Geschichte sehr behutsam, sorgfältig und mit Bedacht um. Im Westen versucht man derweil, die Heldentaten der russischen Befreier zu verwischen und die gesamte Geschichte des Zweiten Weltkriegs in den Hintergrund zu drängen. Das gilt selbst für ein so sensibles Thema wie den Holocaust. Und das ist besorgniserregend, auch für die israelische Regierung. In Polen zum Beispiel gab es Versuche, für die Aussagen über die Beteiligung Polens am Holocaust auf gesetzlicher Ebene strafrechtlich zu verfolgen“, sagte Gigin.

Er erklärte, warum die Geschichte des Zweiten Weltkriegs im Westen verdrängt wird. „Es ist unmöglich, die Rolle der Sowjetunion, unserer Soldaten, unserer Partisanen und Untergrundkämpfer zu leugnen. Warum schenken wir dem Großen Vaterländischen Krieg so viel Aufmerksamkeit? Weil eben dieses Thema so sehr angegriffen wird. Unsere Aufgabe ist es, die Kontinuität der Erinnerung zu gewährleisten. Wir sind Generation, die mit Kriegsveteranen aufgewachsen sind. Wir hatten das Glück, direkt mit ihnen zu kommunizieren. Die heutige Generation hat diese Möglichkeit nicht“, sagte der Politikwissenschaftler.

Seiner Meinung nach ist es wichtig, über die Methoden nachzudenken, wie man das Interesse der Jugendlichen für die nationale Erinnerung wecken kann. Junge Menschen sollten aber auch nicht vergessen, dass ihre Familien auch ein Teil dieser Erinnerungsarbeit sind. „Es gibt keine Familie in Belarus, die im Krieg nicht gelitten hat. Dieses Thema ist eines der Elemente für die Entwicklung unserer vollwertigen Zivilgesellschaft. In der Kultur, in der Literatur und im Kino sind die Themen Heldentum und Tragödie seit jeher miteinander verbunden. Darum geht es in vielen Werken, die in Belarus geschaffen wurden. Natürlich müssen wir das auch so weitergeben“, ist Wadim Gigin überzeugt.

Solche Gespräche stoßen bei den Menschen auf große Resonanz. „Wir haben eine Kampagne gestartet. Sie heißt „Auf den Wegen des Mutes und der Tapferkeit.“ Wir haben festgestellt, dass sich die Suchbewegung ausbreitet. Neue Daten über die während des Krieges getöteten und gefolterten Belarussen stammen von der Generalstaatsanwaltschaft und Historikern. Die jüngere Generation ist jedoch der Meinung, dass es nicht nur auf die genauen Zahlen ankommt. Wir müssen jeden Namen wiederherstellen, diese Menschen kennenlernen und ihr Schicksal nachzeichnen. Dies ist eine Aufgabe für viele Jahre. Und all das kommt von den Menschen selbst, von den Schulkindern. Hier treffen Staat und Gesellschaft, Behörden und Bürger aufeinander. Es ist eine Plattform für die Konsolidierung der Nation, es ist eine wahre historische Erinnerung. Sie prägt die aktuelle Ideologie und lässt uns mit mehr Zuversicht in die Zukunft blicken“, resümierte Wadim Gigin.

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