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06 April 2024, 10:57

Gryslow: Erste Belarussin im Weltraum ist ein wichtiges Ereignis für Unionsstaat-Kosmonautik

MINSK, 6. April (BelTA) – Mit dem Weltraumflug der ersten Belarussin hat der Unionsstaat einen wichtigen Meilenstein in der  Geschichte der Kosmonautik gesetzt. Das geht aus dem Kommentar des Außerordentlichen und Bevollmächtigten Botschafters der Russischen Föderation in der Republik Belarus, Boris Gryslow, hervor.

„Russland und Belarus haben große Erfolge in der gemeinsamen Entwicklung und dem Betrieb von Raumfahrzeugen erzielt. Nun hat unsere Zusammenarbeit in der Weltraumforschung eine neue höhere Stufe erreicht. Der Flug der ersten Belarussin in die Erdumlaufbahn ist ein wichtiges Ereignis in der bemannten Kosmonautik des Unionsstaates. Ich gratuliere Marina Wassilewskaja herzlich zum ersten Weltraumstart und zur erfolgreichen Umsetzung des gesamten geplanten Forschungsprogramms“, so der Diplomat. 

Wie berichtet, ist das russische bemannte Raumschiff Sojus MS-24 von der Internationalen Raumstation erfolgreich zur Erde zurückgekehrt.

„Zum ersten Mal in der Geschichte der Kosmonautik war eine Besatzung aus dem Unionsstaat gemeinsam mit den NASA-Kollegen auf der Internationalen Raumstation tätig. In der aktuellen Situation hat diese Tatsache natürlich eine große symbolische Bedeutung. Marina Wassilewskaja war jedoch aber keine Weltraumtouristin. An Bord der ISS führte sie eine Reihe von Experimenten und Versuchen durch - von der Spektralfotografie bis zur Biomedizin. Das wissenschaftliche Programm wurde über mehrere Monate entwickelt, und jede Stunde im Orbit wurde optimal genutzt“, betonte Boris Gryslow.

Es sei bemerkenswert, wie schnell Russland und Belarus von der Diskussion über die Möglichkeit eines solchen Fluges zu dessen praktischer Umsetzung übergegangen seien. Im April 2022 hat Russlands Präsident Wladimir Putin nach einem gemeinsamen Besuch mit Alexander Lukaschenko im Kosmodrom Wostotschny eine Aufgabe an Roscosmos erteilt, einen gemeinsamen Flug zu organisieren. Im März 2023 besuchte der Chef der staatlichen Korporation Roscosmos Juri Borissow die belarussische Hauptstadt. Bei Gesprächen mit den belarussischen Kollegen wurden bereits alle Details der gemeinsamen Expedition ausführlich besprochen. So dauerte es von der Idee bis zum Start weniger als zwei Jahre, einschließlich der Zeit für die Auswahl der Bewerber und die Ausbildung der Haupt- und Ersatzcrews im Kosmonautenausbildungszentrum. „Zwei Jahre sind eine rekordverdächtig kurze Zeit. Aber das ist das Tempo, in dem die russisch-belarussischen Projekte heute umgesetzt werden“, betonte der Diplomat.

Boris Gryslow wies darauf hin, dass die Parteien in diesem Bereich eine Menge Erfahrung gesammelt haben. Die Belarussische Sowjetrepublik war stets führend in der Entwicklung von Raumfahrttechnologien. Für das sowjetische Raumfahrtprogramm haben belarussische Ingenieure optische Geräte, Systeme zur Steuerung von Raketenstarts, Softwaresysteme für die Bildverarbeitung und Fernerkundungssysteme entwickelt. Es genügt zu erwähnen, dass der aus der belarussischen Stadt Sluzk stammende Semjon Kosberg der Konstrukteur des Triebwerks für die dritte Stufe der Wostok-Rakete war, die Juri Gagarins Raumschiff in die Umlaufbahn brachte.

Die gemeinsame Arbeit an der Erforschung des Weltraums wurde im Rahmen des Unionsstaates fortgesetzt. Es wurden ein gemeinsames Bodenkontrollsystem für Raumfahrzeuge und eine Infrastruktur für den Empfang und die Verarbeitung von Informationen geschaffen. Die derzeitige Satellitenkonstellation des Unionsstaates umfasst sechs Satelliten: den belarussischen Satelliten  BKA zur Fernerkundung der Erde und fünf ähnliche russische Satelliten der Kanopus-Serie.

„Ihr Einsatz bringt uns direkte und wirtschaftlich greifbare Ergebnisse, insbesondere in der Landwirtschaft. Wir arbeiten an einem Arbeitsentwurf für einen neuen russisch-belarussischen Satelliten zur Erdbeobachtung mit der höchsten Auflösung von 0,35 Metern, d.h. man kann vom Weltraum aus tatsächlich ein A4-Blatt sehen. Es ist geplant, diesen Satelliten im Jahr 2029 zu starten und dann eine ganze Satellitenkonstellation auf einer einzigen technologischen Plattform zu schaffen. Wir haben alle notwendigen wissenschaftlichen und produktiven Grundlagen dafür“, sagte Boris Gryslow.

Ihm zufolge hat das belarussische Unternehmen "Peleng", das auf die Herstellung optoelektronischer Geräte spezialisiert ist, in den letzten Jahren große Erfolge erzielt. Doch dies ist nur ein Beispiel. Ebenso wichtig sind die derzeit laufenden Programme zur Entwicklung der Produktion von Halbleitern, Prozessoren und anderer Mikroelektronik, die den modernen technologischen Verfahren entsprechen. „Wir verfügen über Finanzmittel, Ressourcen und Spezialisten. Neue Technologien werden auch bei der Schaffung der russischen Orbitalstation zum Einsatz kommen. Sie wird der Nachfolger unseres ISS-Segments sein, das sich dem Ende seiner Nutzungsdauer nähert. Diese Strategie wird es uns ermöglichen, uns auf die Erreichung spezifischer Ziele zu konzentrieren, die für Russland und Belarus wichtig sind“, sagte der Botschafter.

In diesem Zusammenhang führte er ein Beispiel an: Der Neigungswinkel der Internationalen Raumstation ermöglicht es den Astronauten, etwa 15-20 % des russischen Territoriums zu sehen - das ist die Besonderheit ihrer Umlaufbahn. Für die neue russische Station wurde eine grundlegend andere Flugbahn gewählt, die einen vollständigen Blick auf die Erdoberfläche ermöglicht, einschließlich der arktischen Zone, die in vielerlei Hinsicht am wichtigsten ist.
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