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Gesellschaft
28 November 2025, 21:40

Innerhalb eines Tages ausverkauft: Im Kupala-Theater fand experimentelle Leseprobe des Dorfromans „Wyrai“ statt

MINSK, 28. November (BelTA) - Das experimentelle Projekt - eine Leseprobe des Dorfromans „Wyrai“ (Paradies) - wurde auf der Kammerbühne des Nationalen Akademischen Kupala-Theaters gezeigt.

Das Projekt entstand in kreativer Zusammenarbeit junger Theatermitarbeiter mit der Romanautorin Wiktorija Klewko. Schauspieler Ilja Kruk, der mit „Wyrai“ sein Regiedebüt feierte, erzählte, er habe Wiktorija vor einigen Jahren in sozialen Medien kennengelernt. Die junge Frau besuchte regelmäßig Theateraufführungen der Kupala-Truppe. Bei einer Gelegenheit erzählte sie Ilja, dass sie ein Dorfroman schreibt, der Titel lautet „Wyrai“. Mit diesem Werk nahm Wiktorija übrigens am Finale des Literaturwettbewerbs LitUp teil. 

„Jeder Autor, besonders ein belarussischer, träumt davon, dass sein Werk auf der Bühne des Kupala-Theaters aufgeführt wird. Für mich war es ein fantastischer Traum. Wo bin ich, eine angehende Autorin? Und wo ist das Kupala-Theater, das klassische Werke aufführt?“ sagte Wiktorija Klewko. 

Alles, was vor der Leseprobe war, aber auch die Leseprobe selbst, ist ein großes Kompliment für sie als Schriftstellerin und ein Vertrauensvorschuss seitens der Theater-Verwaltung und der Theatertruppe. Die ernsthafte Vorbereitung hat den Regisseur und die Truppe viel Mühe gekostet.

„Der Roman greift sehr wichtige Themen auf. Er trifft den Nerv der Gegenwart. Nach den ersten Zeilen musste ich sofort daran denken, wie ich das Werk über die Bühne bringen kann. So hat das alles begonnen. Und am 27. September dieses Jahres präsentierten wir dem Publikum auf der Kammerbühne das Buch selbst“, fuhr Ilja Kruk fort.

Das Zuschauerinteresse für das Werk wuchs, die Theaterverwaltung hat beschlossen, eine vollwertige Lesung zu organisieren. Die Tickets für die erste Leseprobe wurden innerhalb eines Tages ausverkauft. „Heute Morgen haben zwei Zuschauer ihren Besuch abgesagt. Die Tickets waren nach 10 Minuten nicht mehr da“, erzählte der Regisseur. Die nächste Leseprobe ist für den 27. Dezember geplant. 

Der junge Regisseur bemerkte, die Leseprobe als Format habe seinen besonderen Reiz. „Wenn wir vorlesen, ist die Vorstellungskraft viel intensiver. Ich kenne viele Leute, die nicht oft Theater besuchen, aber dieses Format sehr mögen. Jeder stellt sich dabei etwas eigenes vor. Man hört den Text und im Kopf entstehen Bilder“, sagte er.

Ilja Kruk möchte sehr, dass solche Leseproben bis zum Saisonende dauern. Die Truppe wird die Reaktion des Publikums bewerten. Womöglich wird der Roman auch in den Regionen vorgelesen. 
„Die Geschichte ist nicht neu. Viele, die im Saal sitzen, kommen mit den gleichen Gefühlen heraus. Sie sagen, dass sie in ihrem Leben etwas Ähnliches erlebt haben. Nur wenige haben darüber öffentlich gesprochen. Deshalb kommt das Projekt sehr gut an“, so der Regisseur. Das Projekt sei ein Experiment. Das Feedback werde ausgewertet.

Im Theater ist man bereit, neue Leseproben anderer junger Autoren zu organisieren. „Unsere Schauspieler sind jung und begeistern sich für neue kühne Projekte. Wir sind bereit, weitere Leseproben zu machen. Das Wichtigste ist, dass die Werke lebendig sind, dass sie bei den Zuschauern ankommen und für Rückmeldungen sorgen“, sagte Ilja Kruk. 

Der Roman „Wyrai“ ist eine Rückbesinnung auf das eigene Zuhause und den eigenen Platz auf der Erde. Die Hauptprotagonistin Marija Schurawel sucht Antworten auf diese Fragen. 

Die gemütliche Kammerszene des Kupala-Theaters ist für solche lebendigen Experimente mit dramaturgischem Material geeignet. Hier kann man in das Leben des belarussischen Dorfes eintauchen. Die Künstler schaffen eine einzigartige Atmosphäre auf der Bühne: Stimmen, alte Volkslieder, der Geruch von Heu, rote Äpfel. Marija Schurawel suchte ihr Paradies in der ganzen Welt und fand es in ihrem Heimatdorf. Und jeder erkennt in Marija sich selbst, weil jeder mal auf der Suche nach dem eigenen Ich gewesen ist. Viele haben mal ihre frühere Liebe getroffen, über die Vergangenheit nachgedacht, den Weg zur Zugehörigkeit zu ihrer Heimat gesucht. Die Reflexionen der Hauptheldin sind verflochten mit Verweisen auf Werke belarussischer Autoren und betonen, dass ihr Herz diesem Land gehört.
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