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12 August 2022, 15:27

INTERVIEW: Belarussisch-äthiopische Agenda beinhaltet Traktoren und IT, Blumen und Kaffee

Foto von Moskauer Institut für Internationale Beziehungen
Foto von Moskauer Institut für Internationale Beziehungen

MINSK, 12. August (BelTA) - Die Republik Belarus und Äthiopien pflegen stabile freundschaftliche Beziehungen. Alemayehu Tegenu Aargau, der Außerordentliche und Bevollmächtigte Botschafter Äthiopiens in Belarus, spricht in einem Interview über die aktuelle Lage in seinem Land, die Entwicklungen der belarussisch-äthiopischen Beziehungen und Bereiche der Zusammenarbeit, die für die beiden Länder von Interesse sein könnten.

- Herr Botschafter, wie können Sie die gegenwärtige Lage in Äthiopien beschreiben?

- Äthiopien ist ein Land im Osten des afrikanischen Kontinents. Wir haben felsige Hochebenen, weites Flachland und klare Flüsse. Ich möchte darauf aufmerksam machen, dass Äthiopien viele Attraktionen hat, und man könnte sagen, dass unser Land die Wiege der Menschheit ist. In der Geschichte des Landes gibt es sowohl erfolgreiche als auch tragische Seiten.

Äthiopien ist heute auf dem Weg der Entwicklung, auch wenn die Lage sehr schwierig ist und es viele Probleme gibt. Dennoch hoffen wir, dass wir die Grundlagen für Frieden und Stabilität schaffen können.

Äthiopien bekennt sich zur Souveränität, politischen Unabhängigkeit, territorialen Integrität und Einheit.

Was die Aufständischen in der Region Tigray betrifft, so halten wir das für internes Problem. Viele Länder haben unseren Standpunkt akzeptiert und auf verschiedenen internationalen Plattformen ihre Unterstützung zum Ausdruck gebracht. Wir hoffen, dass die internationale Gemeinschaft, einschließlich Belarus, unserer Regierung bei ihren Bemühungen um die Bewältigung humanitärer Probleme Beistand leisten kann.

- Wie könnten Sie die Beziehungen zwischen Belarus und Äthiopien gegenwärtig einschätzen?

- Äthiopien und Belarus unterhalten seit der Sowjetzeit traditionell freundschaftliche Beziehungen. Während der Sowjetzeit studierten viele äthiopische junge Männer und Frauen in Minsk. Nach dem Universitätsabschluss und ihrer Rückkehr in Äthiopien setzten sie ihr Wissen in die Praxis um, wurden zu hochqualifizierten Fachleuten und später zu Führungskräften in verschiedenen Rängen. Es liegt auf der Hand, dass sie mit ihrer Arbeit auch die belarussisch-äthiopischen Beziehungen in verschiedenen Bereichen fördern wollten.

Äthiopien hofft natürlich, dass sich die fruchtbare Zusammenarbeit zwischen unseren Ländern und die Kooperation auf der internationalen Bühne intensivieren wird.

Ich möchte darauf hinweisen, dass Äthiopien an einem weiteren Ausbau der Zusammenarbeit mit Belarus in den Bereichen Informationstechnologie und Handel interessiert ist. Der Hightech-Sektor entwickelt sich in Ihrem Land aktiv, und Äthiopien würde gerne von den nützlichen Erfahrungen der belarussischen Technologieunternehmen lernen. Wir sind auch daran interessiert, die gegenseitigen Investitionsbeziehungen zu verstärken. Der jüngste Besuch einer Delegation der äthiopischen Botschaft in Moskau zu Minsk hat das bestätigt. Bei den Gesprächen wurden mögliche vielversprechende Wege der Zusammenarbeit zwischen den beiden Ländern erörtert.

- Wie groß ist das Interesse Äthiopiens an einer Zusammenarbeit mit Belarus in den Bereichen Wirtschaft, Bildung und Landwirtschaft?

- Angesichts der Entwicklung im Agrarsektor ist Äthiopien an belarussischer Nutztechnik interessiert, die in der Welt und in Afrika einen guten Ruf genießt. Belarussische Traktoren wurden bereits zu Sowjetzeiten für den landwirtschaftlichen Sektor geliefert und in großem Umfang in der äthiopischen Wirtschaft eingesetzt. Deshalb bieten sich auch in diesem Bereich große Chancen für gegenseitige Investitionen. Die Republik Belarus kann uns mit Ausstattung und Maschinenbauerzeugnissen beliefern. Äthiopien kann seinerseits Kaffee, Blumen und landwirtschaftliche Erzeugnisse an Belarus verkaufen.

Auch die Bildung kann einer der vielversprechenden Bereiche der Zusammenarbeit sein. Wir möchten, dass äthiopische Studenten wieder in Belarus studieren können. Es wäre gut, wenn die Universitäten der beiden Länder ihre Erfahrungen und ihr Wissen austauschen würden.

- Wie kann Äthiopien für belarussische Touristen interessant sein? Kann Belarus auch zu einem vielversprechenden Reiseziel für die Einwohner Ihres Landes werden?

- Natürlich kann sie das. Ich bin sicher, dass die Tourismusbranche ein vielversprechender Teil der belarussisch-äthiopischen Beziehungen ist.

Die Vermischung verschiedener Kulturen hat zur Entstehung einzigartiger architektonischer Denkmäler in unserem Land beigetragen, von denen viele auf der Liste des UNESCO-Welterbes stehen. Ausländische Touristen kommen, um alte Siedlungen, Paläste, muslimische und christliche Heiligtümer zu besichtigen.

Ein beliebtes Touristenziel ist die 1886 gegründete Hauptstadt Addis Abeba, die auch als Hauptstadt Afrikas bezeichnet wird. Zu den Highlights gehören die Kathedrale der Heiligen Dreiheit, die Anwar-Moschee und der Mercato-Markt.

Äthiopien hat einzigartige Felsentempel in Lalibela, das Omo-Flusstal, die Afar-Höhle, die Städte Harer und Gondar und viele andere interessante Orte, die man unbedingt besuchen muss. Und wir laden die Belarussen ein, nach Äthiopien zu kommen und unser Land, seine Kultur und Geschichte kennen zu lernen.

Ich denke, dass die Wiederaufnahme regelmäßiger Direktflüge zwischen Addis Abeba und Moskau auch die Kommunikation zwischen unseren Ländern erleichtert.

- Welche Einreisebeschränkungen gelten derzeit für Touristen, und wie kann man ein Visum für die Einreise nach Äthiopien beantragen?

- Sie benötigen einen negativen PCR-Test, der 72 Stunden vor Ihrer Ankunft durchgeführt werden muss, um reisen zu können. Es gibt keine weiteren Einschränkungen. Ein Visum kann online unter evisa.gov.et beantragt werden. Das Verfahren dauert fünf Tage. Ein Touristenvisum für die einmalige 30-tägige Einreise kostet $40.

- Kooperieren Belarus und Äthiopien in internationalen Organisationen?

- Unsere Länder arbeiten in internationalen Organisationen fruchtbar zusammen und haben in einer Reihe wichtiger Fragen gegenseitiges Verständnis erzielt. Ich möchte meine Zuversicht zum Ausdruck bringen, dass Äthiopien und Belarus in der Lage sein werden, eine aktivere Zusammenarbeit zu entwickeln, die für beide Länder von Vorteil ist.

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