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22 Juni 2022, 16:49

Kotschanowa: Es ist unsere heilige Pflicht, das Umschreiben der Geschichte zu verhindern

MINSK, 22. Juni (BelTA) – Die Vorsitzende des Rates der Republik der Nationalversammlung Natalja Kotschanowa besuchte heute gemeinsam mit den Mitgliedern des Präsidiums des Rates der Republik und mit Vorsitzenden regionaler Abgeordnetenräte die Gedenkstätte „Masjukowschtschina“ in Minsk. Am Tag des Volksgedenkens an die Opfer des Großen Vaterländischen Krieges und des Genozids am belarussischen Volk haben sie zum Mahnmal die Blumen niedergelegt.

„In unserem Land gedenken wir aller Gefallenen und Menschen, die ihr Bestes getan haben, um Frieden und Freiheit in ihrem Land zu verteidigen. Wir gedenken derer, die unser Land nach dem Krieg wieder aufgebaut haben. Wir dürfen es also niemals zulassen, dass die Geschichte umgeschrieben wird. Das ist unsere heilige Pflicht. Und wir müssen diese Geschichte an die kommenden Generationen weitergeben. Wer in Belarus von morgen leben wird, soll nicht vergessen, welch hohen Preis unsere Großväter für Freiheit und Unabhängigkeit unseres Landes gezahlt haben“, sagte Natalja Kotschanowa. Der Krieg habe Leid über jede belarussische Familie gebracht und man solle alles tun, um weitere Katastrophen und Leiden zu verhindern, fügte sie hinzu.

In Belarus wurde die Arbeit im Bereich der patriotischen Erziehung schon immer auf einem hohen Niveau durchgeführt, die neuen Zeiten bringen aber neue Herausforderungen mit sich. „Die patriotische Erziehung jedes Einzelnen beginnt in der Familie. Wenn man in einem Land geboren ist, das so viel Leid erfahren musste und in dem Menschen ihr Bestes getan haben, um das Land schön zu machen, so kann das nicht anders sein. Patriotismus bedeutet in erster Linie die Liebe zur Heimat, zum Volk, zum Land, zur Familie, zu den Verwandten und Freunden, zu den Eltern. Das ist es, was Patriotismus ausmacht. Aber heute hat sie ein etwas anderes Niveau erreicht“, betonte die Sprecherin des Rates der Republik. „Es gibt so viele Lügen und Fälschungen, die die Welt überflutet haben. Die Geschichte wird umgeschrieben; aus verschiedenen Informationskanälen werden Unwahrheiten verbreitet. Wissen Sie, es ist schwer zu begreifen, was hier vor sich geht.“

„Verraten und vergessen - das gehört nicht zu unserer Tradition, nicht zu unserer Mentalität“, fügte Natalja Kotschanowa hinzu. „Ja, das Land hat ab und zu seine Entwicklungsstrategie zu korrigieren und anzupassen. Das ist richtig so. Die Welt verändert sich, die Menschen verändern sich, unsere Traditionen verändern sich. Aber unsere Heimatliebe muss dieselbe sein wie 1941, als unsere Großväter das Vaterland schützten. Denn auch heute haben wir unser Land zu schützen.“

Die Gedenkstätte „Masjukowschtschina“ ist ein Denkmal für die Kriegsgefangenen und Zivilisten, die während des Großen Vaterländischen Krieges im Stalag-352, einem der größten Konzentrationslager im besetzten Gebiet der ehemaligen Sowjetunion, ums Leben kamen. In diesem Lager setzten die Nazis ein besonders brutales System der Folter und der Herabsetzung der Menschenwürde ein. Die Häftlinge wurden unter unmenschlichen Bedingungen in Schuppen, Baracken und Ställen gehalten. Es gab nicht genug Platz für den massenhaften Zustrom von Kriegsgefangenen, und viele von ihnen wurden, vor allem im Herbst und Winter 1941-1942, einfach draußen im Lager gelassen, wo sie fast sofort an Kälte, Hunger und Krankheiten starben. Vom Juli 1941 bis zum 3. Juli 1944 kamen im Stalag-352 über 80.000 gefangene Soldaten und Offiziere der Sowjetarmee sowie Zivilisten, die aus Minsk und den umliegenden Dörfern in das Lager getrieben wurden, ums Leben. Neben den Bürgern der ehemaligen UdSSR waren von Dezember 1943 bis Juni 1944 auch italienische Soldaten und Offiziere, die auf Seiten der Sowjetunion gegen die Nazis gekämpft hatten, im Konzentrationslager inhaftiert.

Die Gedenkstätte befindet sich inmitten eines kleinen Kieferparks. Eine Treppe führt zu dem Granitdenkmal, in dem das Ewige Feuer zum Gedenken an die Toten brennt. Auf dem Gelände der Gedenkstätte befinden sich Massengräber, die jeweils mit einer schwarzen Marmorplatte gekennzeichnet sind. In der Mitte des Parks steht eine weiße Rotunde mit einem Gedenkbuch, in dem die Namen von rund 10.000 ehemaligen Häftlingen des Stalag-352 verzeichnet sind. Doch die Namen von mehr als 70 Tausend KZ-Opfern sind nach wie vor unbekannt.

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