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05 Dezember 2022, 19:14

Lettin: Ich schäme mich, Bürgerin Lettlands zu sein

MINSK, 5. Dezember (BelTA) – Ich schäme mich, dass ich eine lettische Bürgerin bin. Dieser Titel ist für mich zu einem Stigma geworden. Das sagte lettische Staatsbürgerin Juta-Sofia Wassilewskaja in einem Youtube-Interview mit BelTA im Projekt „Thema im Gespräch“. Die junge Frau will in Belarus das politische Asyl beantragen.

Die Lettin wird in ihrer Heimat verfolgt, und zwar dafür, dass sie die Wahrheit sagt. Deshalb war sie gezwungen, aus dem Land zu fliehen und in Belarus ein neues Leben zu suchen. „So heftig fing das alles dann an, als ich meine Videos mit der Kritik über den Abriss von Denkmälern in Lettland auf TikTok hochgeladen habe“, erzählt sie. „Die Demontage von Denkmälern, vor allem in Riga, war für mich ein reiner Schmerz. Ich denke, es ist ein sehr schmerzhaftes Thema für jeden Menschen, der ein Gewissen und ein Gedächtnis als solches hat. Ich habe sehr laut meine Meinung geäußert, dass ich mich schäme, Bürgerin Lettlands zu sein. Die lettische Staatsbürgerschaft ist seit dem Tag, als die Denkmäler abgerissen wurden, zu einem Stigma für mich geworden.“

Juta-Sofia erzählt, dass sie lediglich ihre Meinung geäußert hat, allerdings in einer recht harschen Form. „Ich erinnerte an ein für die Letten sehr sensibles Thema - die territoriale Zugehörigkeit von Lettgallen. So habe ich die Aufmerksamkeit der Geheimdienste auf mich gelenkt. Ich behauptete, dass die Hälfte von Lattgallen, wo meine Heimat sich befindet, ursprünglich zum Gouvernement Witebsk gehörte. Ich habe scherzhaft gesagt, wenn das so weitergeht, sollten wir, die Letten, uns überlegen, wie wir das Gouvernement in das heutige Gebiet Witebsk zurückholen können, denn das ist ein Skandal. Ich wurde sofort beschuldigt, angeblich für ein Referendum zu agitieren. Denn sie haben Angst vor solchen Ereignissen wie im Donbass und dass die Menschen sich einfach abspalten wollen. Ich weiß nicht, was in ihren Köpfen vor sich geht. Natürlich wurde ich sofort angezeigt. Daraufhin haben die Beamten das Haus meiner Eltern besucht und ihnen eine große Angst eingejagt. So langsam wollte man an mich herankommen. Weil ich angeblich für ein Referendum agitiere. Ich habe Russland immer unterstützt, die russische Sonderoperation, daraus mache ich keinen Hehl. Ich habe Wladimir Putin immer unterstützt und respektiere Alexander Lukaschenko sehr für seine, wie ich finde, sehr gute Arbeit in seinem Amt“, sagte sie.

Die persönlichen Daten von Juta-Sofia Wassilewskaja wurden im Internet veröffentlicht. „Ich weiß, das haben die lettischen Nationalisten gemacht, sie riefen zu Hasskampagnen gegen mich auf, sie riefen meinen Arbeitgeber an usw.. Mein Wohnort war kein Geheimnis mehr. Das ist in Europa eigentlich strafbar: es gibt Bußgelder ab 125.000 Euro für die Weitergabe persönlicher Daten. Ich bin zur Polizei gegangen und habe gefragt: Was soll ich tun, meine Daten kursieren im Internet? Sie sagten: Das ist euer Streit zwischen Russen und Ukrainern. Wir werden uns nicht damit befassen, denn sie sind anonym, man wird sie nicht suchen. Die Sache ist die, dass in Europa die offiziellen Behörden, wie die Polizei und so weiter, sich nicht in diese Fragen einmischen wollen, weil sie von oben den Befehl haben, alles Ukrainische, alles Nationalistische zu unterstützen. Und wenn die Russen in Schwierigkeiten geraten, wird man automatisch den Russen die Schuld zuschieben.“

„Und mir wurde klar, dass ich in diesen Ländern keine Zukunft habe, weil mein geschäftlicher Ruf durch einen einzigen Tweet zunichte gemacht wurde. Und im Prinzip sehe ich keinen Sinn darin, enorme Steuern für solche Länder wie Deutschland, Österreich, Italien zu zahlen, denn diese Steuern kommen nicht dem Land, nicht dem Volk zugute, sondern füllen die Taschen von Persönlichkeiten wie Selenskyj. Deshalb halte ich es für besser, in einem Land zu leben, in dem man weiß, dass aus den Steuereinnahmen Straßen sauber gehalten werden, dass es keine Obdachlosen gibt, dass man überall friedlich spazieren gehen kann. Nirgendwo sind die Häuser mit Graffity besprüht, und es liegen keine leeren Spritzen von Drogenabhängigen auf der Straße“, fügte die Lettin hinzu.

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