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Gesellschaft
29 Juni 2020, 19:55

Mit Stolz im Herzen: Agrarholding als Vision für ein Dorf der Zukunft

Wer mit dem Auto in das Agrarstädtchen Snow bei Neswish kommt, wird ordentlich gepflegte Häuser und saubere Gehöfte, glatt asphaltierte Straßen und eine ideale Ordnung rundherum kaum übersehen können. „So soll das Dorf der Zukunft sein, eine Idylle, gepflegt von einer unsichtbaren starken Hand des Landwirts“, schießt einem sofort der Gedanke durch den Kopf. Denn Snow ist in der Tat ein Dorf zum Leben und Arbeiten. Die LPG „Agrokombinat Snow“ ist das Rückgrat eines breit gefächerten Produktionsgeschäfts. Die Produktionsgenossenschaft besitzt eine eigene Rohstoffbasis und stellt im Vollzyklus Milch- und Fleischwaren her. Jedes Jahr schaut das Kombinat auf seine Anlagen, erneuert und ersetzt sie durch leistungsfähigere Maschinen, sucht und setzt neue Technologien ein. Aber auch diese teils automatisierte Arbeit macht es den Landwirten und Spezialisten der Genossenschaft nicht leicht, ihr tagtägliches Werk zu verrichten. Von früh bis spät, 7 Tage die Woche. Die Mühe zahlt sich aber aus. Gesundes Essen, würdiger Lohn, eigene Wohnung und viel Raum für aktives Leben – darauf können die Menschen im Agrarstädtchen stolz sein.

Schlecht arbeiten ist verboten

Das Gebäude der LPG fällt schon von Weitem auf – in solchen massiven Bauten befindet sich gewöhnlich eine Kreisverwaltung. Der Genossenschaftsleiter Nikolai Radoman ist nicht da. Probleme würden vor Ort und nicht am Schreibtisch gelöst, pflegt er zu sagen. Solange wir auf ihn warten, erzählt uns seine Sekretärin Olga Jaroschewitsch darüber, warum die Menschen von hier nicht weggehen. Ein gut eingespieltes Kollektiv, viel Raum für Selbstentwicklung und natürlich gute Löhne. In den letzten 17 Jahren habe die LPG ihren Mitarbeitern immer rechtzeitig den Lohn ausgezahlt, verrät sie. Das ist ein stichhaltiges Argument.

Nikolai Radoman tritt ein. Für eine lange Konversation sei jetzt nicht die beste Zeit, sagt er. Seine größte Sorge sei heute der stark mit Krediten belastete Agrarbetrieb „17. September“, der kürzlich der Holding angeschlossen worden sei. Er plane eine Umverteilung von menschlichen Ressourcen, um die Verlustwirtschaft am effektivsten wieder auf die Beine zu stellen. Die Produktionsgenossenschaft baut ihre Kapazitäten nicht primär durch mehr Anbaufläche aus, sondern durch die Erhöhung der Ertragsfähigkeit.

Agrokombinat Snow verarbeitet Milch und Fleisch (Rind, Schwein, Geflügel) und stellt eine breite Palette an Lebensmitteln her: Milch, Kefir, saure Sahne, Schmand, Würstchen, Räucherwaren, Halbprodukte. Der Großteil wird auf dem regionalen Markt verkauft, ein Viertel der Produkte wird ins Ausland geliefert, hauptsächlich in die russischen Regionen.

Snow ist also ein Multi-Branchen-Betrieb: 6 Feldbaubrigaden, 8 Rindvieh-Farmen, ein Schweinezuchtbetrieb, eine Geflügelfabrik, eine Fleischfabrik, Milchverarbeitungshallen, eine Mischfutter-Produktion, Reparaturwerkstätte, ein Maschinenhof, ein Baubetrieb, eine Sauerstoffproduktionsanlage, eine Fleischknochenmehl-Halle, eigenes Vertriebsnetz.

Nikolai Radoman, der in diesem Dorf geboren wurde und sein Leben lang hier verbrachte, leitet die Genossenschaft seit 15 Jahren. Unter der Führung von Held der Arbeit Jakow Alexankin und Held von Belarus Michail Kartschmit arbeitete Radoman 27 Jahre, ehe er selbst die Verantwortung für dieses Land und seine Menschen übernahm. Deshalb könne er sich nicht erlauben, schlecht zu arbeiten.

Wissenschaft, Innovationen und gewissenhafte Arbeit sind drei tragende Säulen des Erfolges von Snow. In den letzten 15 Jahren hat sich der Rinderbestand in der LPG von 18.000 Stück auf 38.000 Stück vergrößert. Die Zahl der Milchkühe nahm von 1,5 Tsd. Stück auf bis zu 2,85 Tsd. Stück zu. Es werden bis zu 14,5 Tsd. Broiler gehalten (vor 15 Jahren nur 3.000). Die Milch- und Fleischproduktion ist im allgemeinen in den letzten 15 Jahren um das dreifache gestiegen.

Ein Sparkonto hat die Produktionsgenossenschaft nicht. Alles, was die Holding erwirtschaftet, investiert sie in die Modernisierung der Anlagen, in den Bau neuer Farmen, in die Rindermast und Wissenschaft. Bis zu 20 Prozent der Ausgaben sind Lohnausgaben. Wenn Menschen gut verdienen, werden sie gut arbeiten, dessen ist sich die Holding-Leitung sicher. Deshalb bezahlt Snow seine Mitarbeiter großzügig, baut Häuser für Traktorfahrer und Melkerinnen und lockt die Jugend an.

Investitionen in die eigene Region

Snow bietet seinen Arbeitern alles an, was selbst nicht alle Kreiszentren haben. Eine Schwimmhalle, Sport- und Fitnessräume laden zu einer aktiven Erholung ein.

Für die berufliche Selbstbildung und Aneignung neuer Kompetenzen stehen den Mitarbeitern und Fachkräften gute Ausbildungsmöglichkeiten zur Auswahl. Manche Spezialisten besuchen sogar Fortbildungskurse im Land und im Ausland. Nikolai Radoman hätte nie seine Wirtschaft auf Vordermann bringen können, wenn er selbst nicht die besten Praktiken seiner amerikanischen, israelischen, kanadischen Kollegen und andere Erfahrungen im Ausland kennengelernt hätte. „Meine Spezialisten wissen sogar mehr als die Professoren an Agrarhochschulen“, glaubt er. Und das ist kein Selbstlob. Das Agrokombinat wird regelmäßig von Delegationen und Agrarexperten aus ganz Belarus und aus dem Ausland besucht.

Das Agrarstädtchen investiert jährlich bis zu 400 000 USD in den sozialen Bereich. Das Kombinat unterhält zwei Kindergärten und zwei Schulen, erbringt Leistungen bei Reparaturarbeiten, Verschönerung der naheliegenden Dörfer, Sanierung von Kommunikationen, Wasserleitung, baut eine Sportanlage und fördert den talentierten Nachwuchs.

Geschlossener Produktionszyklus

Der Weg vom Rohfleisch zu einem Fleischprodukt oder Fleischkonserven ist im Fleischverarbeitungsbetrieb des „Agrokombinats Snow“ durch eine permanente Qualitätskontrolle, Einhaltung von Hygienenormen und Nachverfolgbarkeit von Schweine- oder Rindfleisch gekennzeichnet.

Das Fleischkombinat beschäftigt heute rund 600 Mitarbeiter. Allein in der Wurstküche sind 200 Fachkräfte im Einsatz.

Die Fabrik stellt 350 Produktnamen her. In bester Tradition und Qualität.

Die kulinarische Magie begleitet den ganzen Prozess der Wurstherstellung und der Produktion von geräucherten Fleischprodukten, Konserven, Halbprodukten und Fleischdelikatessen. Für manche Tätigkeiten gibt es sogar keinen Lehrgang an Hochschulen – das praktische Können wird unmittelbar in den Fabrikhallen angeeignet.

Die Palette der Fertigprodukte beeindruckt. Fleischwaren der Marke „Made in Snow“ gewinnen regelmäßig Qualitätspreise und werden als Beste Produkte des Jahres ausgezeichnet. Alles, was tagsüber produziert wird, wird nachts verpackt und an die Kunden landesweit geliefert.

Nikolai Radoman will in Kürze mehr Firmengeschäfte in der Region eröffnen. Der Vollzyklus sei nicht nur für die Produktion, sondern auch für den Mittelumsatz ein Vorteil, glaubt er. Jede Kuh, jedes Hektar Land, jede Anlage und jedes Geschäft müssten sich rentieren. Dafür müsse die Leitung jeden neuen Schritt vorsichtig abwägen, Folgen einkalkulieren und Spezialisten fragen. „Fehler haben eine hohen Preis. Läuft der Laden aber gut, bleibt die Produktion wettbewerbsfähig“, schlussfolgert der Leiter des Agrokombinats.

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