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Gesellschaft
23 Juni 2020, 15:14

Jeder BelAZtung gewachsen: Tagebaukipper mit elektrischem Antrieb, unbemannte Bergbau-Laster und Minen-Giganten

Das Belarussische Automobilwerk (BelAZ) gehört zu den drei größten Muldenkipper-Produzenten weltweit. Das Unternehmen exportiert etwa 95 Prozent seiner Produkte. BelAZ-Giganten findet man heute in Rohstoffminen weltweit – sie bewegen in unzähligen Tagebaubetrieben unvorstellbare Massen, bei Temperaturen zwischen minus 50 und plus 50 Grad Celsius. Aber auf einen Giganten darf der belarussische Produzent besonders stolz sein – BelAZ 75710. Mit dem Bau dieses 450-Tonners hat das Werk den größten und schwersten Off-Highway-Truck auf den Markt schwerer Muldenkipper gebracht und einen Eintrag im Guinessbuch der Rekorde erzielt. Dieser Rekord regt den Betrieb zu neuen Ideen und Entwicklungen an, wie etwa autonom fahrende Muldenkipper, Fahrzeuge mit elektrischem und Gasantrieb. BelAZ ist immer bestrebt, Markttrends zu erkunden und ambitiöse Pläne zu realisieren.

Unsere Wettbewerbsvorteile

Man muss sagen, dass BelAZ mehr als nur ein Produktionsbetrieb ist. Das ist eine „Stadt in der Stadt“ mit ihren Gebäuden, Straßen und „öffentlichem Verkehr“. Das Unternehmen beschäftigt ca. 10.000 Menschen. Darum findet sich in der kleinen Industriestadt Shodino keine einzige Familie, in der nicht zumindest ein Familienmitglied bei BelAZ arbeiten würde. Ausgerechnet hier, in Shodino, werden neue Modelle für die Gewinnungsindustrie entworfen.

Konstantin Rylzow, Vizegeneraldirektor für Marketing und Export BelAZ:

„In den letzten 10 Jahren hat das Werk einen stabilen Anteil von 20 bis 30 Prozent am Weltmarkt für Muldenkipper mit 90 und mehr metrischen Tonnen Nutzlast. Die Aufgabe, die wir für uns definieren, lautet einfach: Die erreichten Positionen beibehalten und verbessern. Russland bleibt nach wie vor unser wichtigster Exportmarkt. Wir bewegen uns auch sehr aktiv im GUS-Raum und haben zum Ziel, ein Drittel unserer Kipper ins ferne Ausland zu exportieren. Während die Kunden aus den GUS-Staaten heute mit Aufträgen eher zurückhaltend sind, expandieren die Bergbaumärkte Australien, Chile, Peru und Indonesien. Deshalb gehen wir dorthin.

Die Hauptkonkurrenten von BelAZ sind Konzerne Komatsu (Japan) und Caterpillar (USA). Sie haben zwar ein höheres Produktionsvolumen, bieten aber eine viel größere Bandbreite an Transporttechnik zur Auswahl als nur Muldenkipper. BelAZ stellt ausschließlich Tagebaukipper her und hat die größte Bandbreite an Nutzlasten – von 30 bis 450 Tonnen. Nirgendwo auf der Welt werden die 450-Tonner gebaut. Darüber hinaus montiert BelAZ maßgeschneidert Motoren, Getriebe, Hydraulik von den weltweit führenden Produzenten. Die Preise sind wettbewerbsfähig.

Belarus deckt stabil 70 Prozent des Weltmarktes der Muldenkipper mit 130 metrischen Tonnen Nutzlast. Bei 220-Tonnern beträgt der Anteil satte 50%. Mit 90-Tonnern will BelAZ mindestens 20 Prozent des Weltmarktes erobern. Dann wird das Unternehmen seine Positionen insgesamt verbessern und den gesamten Anteil am Weltmarkt schwerer Kipper auf über 30% erhöhen.“

Um neue Kunden zu gewinnen, muss BelAZ für jeden Markt eine eigene Strategie entwickeln. Der allgemeine Algorithmus sieht aber überall gleich aus: Zuerst werden lokale Unternehmen gesucht, die stabile Beziehungen in der Bergbauindustrie haben und die auf Handel und Service von schweren Transportfahrzeugen spezialisiert sind. Es gibt Märkte, wo eine Technikprüfung vor dem Verkauf als obligatorisch gilt – dann werden Test-Sonderprogramme entwickelt. Manche Staaten, wie zum Beispiel die Südafrikanische Republik, fordern unkonventionelle Bedingungen. In SAR hat BelAZ einen Partner (Handelsvertreter), der sich zur Erfüllung aller Ausrichtungsarbeiten verpflichtet hat.

Von Asien bis Südamerika

In Lateinamerika will BelAZ vor allem den chilenischen Markt erobern, auch wenn dafür die Tagebaukipper modifiziert werden müssen. Der Betrieb hat Lieferungen auf den chilenischen Markt im Vorjahr wieder aufgenommen. Es gibt Pläne, Kunden und Partner in Peru, Argentinien, Bolivien und Ecuador zu finden.

In Asien kann BelAZ auf Erfolge auf dem indischen Markt stolz sein. Dort hat das Unternehmen eine Ausschreibung für die Lieferung von 77 BelAZ mit 136 metrischen Tonnen Nutzlast gewonnen. Die zweite Ausschreibung (96 BelAZ mit 220 Tonnen Nutzlast) wird bald abgeschlossen. Es handelt sich um Verträge in Höhe von mehr als $250 Millionen. Belarus wird in Indien auch eigene Service-Zentren einrichten.

In den letzten 5 Jahren gehört Indonesien in die Top 3 der Märkte für schwere Tagebautechnik. BelAZ lieferte in den letzten 4 Jahren bereits 50 Kipper mit 110 bis 130 Tonnen Nutzlast auf den lokalen Markt. In dieser Region will sich BelAZ gegen den japanischen Industriekonzern Komatsu durchsetzen, der den lokalen Markt dominiert. Trotzdem hat sich dort die belarussische Technik gut bewährt.

Vor einem Jahr präsentierte BelAZ seine 130-Tonner auf dem vietnamesischen Markt. Die Exportaussichten sind gut. In diesem Jahr plant der Betrieb, 40 bis 50 Muldenkipper mit 110 bis 130 metrischen Tonnen Nutzlast in die Mongolei zu exportieren, und lotet Lieferungen von 220-Tonnern aus.

In den letzten zwei Jahren hat der belarussische Hersteller im Rahmen eines $250 Mio. hohen Vertrages mit usbekischen Bergbauunternehmen ihre Muldenkipper-Flotte erneuert.

Interessante Neuheiten

Heute ist es für jedes weltweit agierende Unternehmen eine Herausforderung, auf die wachsenden und sich ständig ändernden Kunden- und Marktbedürfnisse schnell und flexibel zu reagieren. Der Bergbau braucht heute Schwerfahrzeuge, die gleichzeitig mehrere Aufgaben erfüllen, umweltfreundlich, kostengünstig, leistungsfähog und sicher sind.

BelAZ arbeitet heute daran, seinen Kunden Muldenkipper mit zwei alternativen Antriebsversionen zur Verfügung zu stellen: Gas-Diesel und reiner Gas. In Murmansk (Russland) hat das Unternehmen mehrere 130-Tonner auf Gas-Diesel-Antrieb umgerüstet. Neulich baute BelAZ zwei Kipper mit 45 Tonnen Nutzlast, die mit Gas angetrieben werden. Derzeit wird ein 90-Tonner mit Gasturbinenmotor entwickelt.

Auch autonom fahrende Muldenkipper werden in Shodino seit Jahren hergestellt. Die ersten unbemannten 130-Tonner hat BelAZ im Vorjahr an den russischen Kohleförderer SUEK geliefert. Sie werden in den Tagebauen von Chakassien getestet. Andere Kunden, die ihr Interesse für autonom fahrende Kipper zeigten, zogen ihre Aufträge bislang zurück. Dennch bleibt das potentielle Interesse bestehen.

Heute folgt das Unternehmen einem neuen Trend im Automobilbau (Elektrofahrzeuge) und baut die ersten Mildenkipper mit elektrischem Antrieb. Die Bandbreite ist zwar nicht groß, dafür aber vielversprechend. Die ersten Oberleitungs-Muldenkipper mit und ohne zusätzlichen Dieselantieb werden bereits in diesem Jahr gebaut und an die Kunden in Russland und der Mongolei geliefert. Die Nachfrage nach Oberleitungslastkraftwagen ist groß.

BelAZ entwickelt seit neulich auch eigene Elektro-Muldenkipper. Der Trend ist offenbar: In vielen Steinbrüchen der Welt sind heute schwere und starke batteriebetriebene Landfahrzeuge im Einsatz. Der installierte Synchronmotor funktioniert bei der Talfahrt als Generator und produziert so viel Strom, dass es für die anschließende Bergfahrt reicht. Große Bergbauunternehmen können über einen Zeitraum von 10 Jahren durch den Umstieg von diesel- auf batteriebetriebene Autos bis zu $3 Millionen sparen.

BelAZ in 20 Jahren

Der Muldenkippermarkt der Zukunft wird auf zwei Säulen fußen: Digitalisierung und Robotisierung. Die BelAZ-Marktforscher sehen in den Computertechnologien, Automatisierung und Reduzierung des menschlichen Faktors die Merkmale für die schnell entwickelnde Branche. Außerdem fordern heute immer mehr Länder, dass die Motoren umwelfreundlicher werden und dass die Schadstoff-Emmissionen auf ein Minimum reduziert werden.

In 15 Jahren wird es kaum mehr dieselbetruebe Muldenkipper geben. Die Digitalisierung und die Industrie 4.0 schreiten so schnell voran, dass es schwer zu sagen ist, wie die BelAZ-Fahrzeuge in 5 Jahren ausehen werden. Die Elektronik wird die meisten Arbeitsprozesse steuern – Motoren, Getriebe, Räder usw. Mehr Leistung, mehr Produktivität, weniger Kosten – das sind die Slogans von Morgen.

Die BelAZ-Leitung erkennt auch den Trend zu mehr Nutzlast. Die 90-Tonner werden in der Zukunft womöglich als Kleinautos eingestuft. Die Obergrenze von 450 Tonnen könnte auch überschritten werden. Die Entwicklungen laufen weiter. Alles kommt auf Reifen an, die eine solche Nutzlast stemmen können.

Die Experten gehen davon aus, dass es möglich sein wird, Minen-Giganten mit 560 Tonnen Nutzlast zu bauen. Aber das ist noch lange hin.

Fotos: Oksana Mantschuk

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