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21 Januar 2026, 15:29

Ryschenkow im Interview mit BelTA: Ohne den Präsidenten hätten wir nur die Hälfte von dem gemacht, was geplant wurde

Friedfertigkeit und Multivektoralität sind zwei Hauptmerkmale der belarussischen Außenpolitik. Nicht gerade die beliebtesten Ansätze in der modernen Welt, aber Belarus hält sich daran seit 30 Jahren fest. Belarus steht für einen konstruktiven Dialog und eine friedliche Lösung von Konflikten, mischt sich nicht in die Angelegenheiten anderer Staaten ein und ist immer bereit, denjenigen zu helfen, die diese Hilfe brauchen. Dabei stehen die nationalen Interessen und die nationale Wirtschaft im Vordergrund. Alexander Lukaschenko stellt klare Forderungen an unsere Vertreter im Ausland: Handel und wirtschaftliche Zusammenarbeit mit Auslandspartnern verbessern, mehr belarussische Waren und Dienstleistungen auf internationalen Märkten präsentieren, Kooperation auf Augenhöhe aufbauen. Wie kann die Außenpolitik das „menschliche Gesicht“ bewahren? Wie kann sie effektiv die belarussischen Interessen vertreten? Darüber erzählte Außenminister Maxim Ryschenkow in einem exklusiven Interview mit der Telegraphenagentur BelTA. 

- Maxim Wladimirowitsch, mit welchen Ergebnissen ist das belarussische Außenministerium ins neue Jahr eingestiegen? 

- Das Hauptergebnis der Arbeit des Außenministeriums und des ganzen Landes auf dem außenpolitischen und außenwirtschaftlichen Tätigkeitsfeld ist der Frieden, den wir in Belarus bewahrt haben. Das haben wir dem Chefdiplomaten unseres Landes zu verdanken, dem Präsidenten. In Zeiten globaler Turbulenzen, schrecklicher Herausforderungen und Bedrohungen der Gegenwart zeigt er das Geschick eines hochkarätigen Diplomaten. Als Patriarch der Außenpolitik und der Diplomatie weist er immer den außenpolitischen Kurs unseres Landes. Das Außenministerium stellt dem Präsidenten das Instrumentarium zur Verfügung, um bestimmte Aufgaben zu lösen. Natürlich besitzt er ein angeborenes Charisma, was ihn für andere politische Führer zu einem attraktiven Gesprächspartner macht. Ich beobachte oft, wie bei internationalen Treffen viele Staatschefs quasi eine Warteschlange stehen müssen, um unserem Präsidenten die Hand zu schütteln, ein paar Worte mit ihm auszutauschen, ihn um einen Rat oder Kommentar zu politischen oder alltäglichen Fragen zu bitten. In der Welt schätzt man unseren Staatschef als jemanden, der keine Angst hat, seine Meinung direkt zu äußern, und der Entscheidungen trifft, die manchmal den diplomatischen Regeln widersprechen, aber sich immer als richtig und aktuell erweisen.

Das Schlüsselergebnis der außenpolitischen Aktivitäten im Jahr 2025 ist der Aufbau einer vertrauensvollen Kommunikation mit dem US-Präsidenten. Wir alle sehen, wie Donald Trumps Worte und Taten die Europäische Union durcheinander bringen. Und unser Präsident kommuniziert mit ihm auf Augenhöhe und bespricht verschiedene Themen. Und die Meinung des belarussischen Präsidenten zu ukrainischen Themen, zu Venezuela und anderen Fragen ist für den amerikanischen Staatschef von großem Wert. Unser Schiff fährt im tosenden Meer seinen Kurs, und das ist das Verdienst des Kapitäns, der am Steuer steht.

Wie der Präsident seine Beziehungen zu den engsten Partnern Russland und China aufbaut, das wissen auch alle sehr zu schätzen. Kein anderes Land der Welt hat mit diesen Giganten derart vielschichtige, ernste, vorteilhafte und vor allem günstige Beziehungen aufgebaut. Und Belarus gewährleistet dadurch seine Stabilität und Sicherheit. Viele im Westen klagen darüber, dass Belarus seine Souveränität verliert, indem es so eng mit China und Russland zusammenarbeitet. Aber ich als Außenminister sehe die Natur der Gespräche auf höchster Ebene. Trotz der wirtschaftlichen Unterschiede, die Belarus, Russland und China haben, führen die Politiker das Gespräch auf Augenhöhe. Die Staaten halten sich an die universellen Werte und treffen Entscheidungen, die auf die Erhaltung des Friedens auf dem Planeten abzielen.
- Wie viele Länder haben Sie im Jahr 2025 zu offiziellen oder Arbeitsanlässen besucht?

- Ich habe nicht genau nachgezählt, aber ich habe ungefähr 20 Länder besucht, einige mehrmals. Der Präsident stellt konkrete Aufgaben vor dem Außenministerium. Wir müssen in fernen Ländern unsere Präsenz erweitern, weil wir angesichts der Sanktionen und einer gedankenlosen Politik der EU gezwungen sind, die Exportströme neu auszurichten, neue Handelswege, Absatzmärkte zu suchen und im Allgemeinen neue Freunde auf der internationalen Bühne zu finden. Deshalb haben wir jene Staaten ins Visier genommen, mit denen wir vorher sogar keine sporadischen Kontakte hatten. Es stellte sich heraus, dass man uns dort versteht, unterstützt und wartet.

Im Jahr 2025 haben wir viel Wert auf die Zusammenarbeit mit den Ländern Südostasiens gelegt. Der Schwerpunkt lag dabei nicht nur auf solchen vorrangigen Bereichen wie Handel und wirtschaftliche Zusammenarbeit, sondern auch auf der Schaffung gemeinsamer Montageproduktionen, Kooperation im Gesundheitswesen und in der Bildung. Wichtig ist es auch, die zwischenmenschlichen Kontakte zu erweitern. Wenn die Europäische Union sich selbst isoliert und keinen Wunsch hat, Belarussen und Russen zu sehen, wenn sie uns als Menschen der zweiter Klasse betrachtet, sich vor unseren Staaten mit Stacheldraht abschirmt und Provokationen an der Grenze organisiert, dann müssen wir im Außenministerium alles Mögliche tun, um den Menschen eine Alternative zu geben. Unsere Leute sind sehr neugierig, gehen gerne ins Ausland, entspannen sich an der Küste, besuchen Sehenswürdigkeiten.Deshalb haben wir uns darauf konzentriert, Bereiche zu erschließen, die für Belarussen interessant sein könnten. Das Ergebnis dieser Arbeit war die Unterzeichnung von Abkommen über die visafreien Einreise mit Kolumbien, Oman, Myanmar und Laos. Derzeit wird die Unterzeichnung ähnlicher Abkommen mit Thailand und den Philippinen vorbereitet. Es wurden Direktflüge nach Vietnam und zu Ferienorten in China eingerichtet. Im Jahr 2026 werden wir Direktflüge nach Thailand und Israel aufnehmen. Diese Arbeit zielt darauf ab, unseren Bürgern die Möglichkeit zu geben, problemlos zu reisen, interessante Orte zu sehen und die früher beliebten europäischen Reiseziele zu kompensieren. Heute muss man, um ein EU-Land zu besuchen, viel Geld für Visa und Tickets ausgeben und viel Zeit investieren – das ist eine wahre Zumutung für die Menschen. 

Früher hatten wir eine etwas vorurteilsbehaftete Einstellung gegenüber Afrika, denn wir alle kennen die Zeile von Tschukowski: „Geht nicht, Kinder, nach Afrika spazieren“. Aber das ist ein Stereotyp. Aber Afrika ist heute der Kontinent der Zukunft, wie unser Präsident sagt. Die Belarussen werden in Afrika als Partner angesehen, die Technologien und Produkte mitbringen und bereit sind, den afrikanischen Ländern bei ihrer Entwicklung zu helfen und ihre Unabhängigkeit und Souveränität zu stärken. Äthiopien, Algerien, Uganda, Nigeria, Simbabwe – mit diesen und anderen Ländern wird in verschiedenen Bereichen intensiv zusammengearbeitet. Die afrikanischen Länder sind Belarus und unserem Präsidenten sehr dankbar für die Programme zur Mechanisierung der Landwirtschaft, für die Hilfe bei der Gewährleistung der Ernährungssicherheit und für die Ausbildung von Fachkräften für die gefragtesten Branchen, darunter Gesundheitswesen, Ingenieurwesen und Bildung.  
– Was wissen die Menschen in diesen Ländern neben den offiziellen Daten über Belarus?

– Weltweit ist bekannt, dass es in Belarus die schönsten Frauen gibt. In allen Ländern, in denen ich war, wird darüber gesprochen. In vielen Ländern der Welt wird der Traktor BELARUS geschätzt. Zu Zeiten der UdSSR spielte unser Traktor eine wichtige Rolle in der Landwirtschaft einer Vielzahl von Ländern in Südostasien, Afrika, Lateinamerika und sogar in den USA und Kanada. Kürzlich hat mir der Sprecher des pakistanischen Parlaments ein Video geschickt, in dem zu sehen ist, wie auf seiner privaten Farm unser Traktor BELARUS aus dem Jahr 1990 im Einsatz ist – zuverlässig wie ein Kalaschnikow-Gewehr. Es ist daher nicht verwunderlich, dass wir gemeinsam mit Pakistan ein Programm zur Montage und Herstellung von Traktoren durchführen. In Ländern, in denen die Frage der Ernährungssicherheit besonders akut ist, sind Kalidüngemittel lebenswichtig. Natürlich weiß man dort, dass Belarus einer der führenden Hersteller dieser Düngemittel ist. 

Unsere Beteiligung an der Zerschlagung der faschistischen Koalition, das Leiden und der Völkermord an unserem Volk sind weltweit bekannt. Die Geschichte der Festung Brest ist allgemein bekannt. Der Sultan von Oman beispielsweise zeigte sich während seines Besuchs in Minsk sehr interessiert am Museum zur Geschichte des Großen Vaterländischen Krieges. Viele Länder interessieren sich für die belarussischen Erfahrungen bei der Bewältigung der Folgen des Unfalls im Kernkraftwerk Tschernobyl. Dieses Thema ist für Algerien besonders aktuell. Die Franzosen führten dort Atomtests durch, und heute ist die Krebsrate in Algerien sehr hoch. Sie suchen nach Ländern, die ihnen bei der Lösung dieser Probleme helfen könnten, und schätzen das belarussische Gesundheitswesen, da sie wissen, dass wir nach Tschernobyl viel Erfahrung gesammelt haben.

– Im Jahr 2025 hatte Belarus den Vorsitz in der EAWU inne. Welche Ergebnisse wurden erzielt?

– Als einen der wichtigsten Erfolge des belarussischen Vorsitzes betrachte ich, dass wir den internationalen Status unserer Organisation auf eine qualitativ neue Ebene gebracht haben. Im Jahr 2025 wurden ein vorläufiges Freihandelsabkommen zwischen der EAWU und der Mongolei, ein Wirtschaftspartnerschaftsabkommen mit den Vereinigten Arabischen Emiraten und ein Freihandelsabkommen mit Indonesien unterzeichnet. Das ist ein großer Schritt, denn diese Länder sind vielversprechende Partner für unsere Union. Wir haben unsere Union auf der internationalen Bühne als eines der Zentren der Wirtschaftskraft präsentiert. Wir haben die EAWU-Tage auf dem Gelände der Vereinten Nationen in Genf veranstaltet und parallel dazu einen Überblick über die nachhaltige Entwicklung der Union bei den Vereinten Nationen vorgestellt.
Im Jahr des belarussischen Vorsitzes ist es gelungen, zwei sehr wichtige Dokumente fertigzustellen, die die langfristige Entwicklung der Union bestimmen – die Erklärung über die weitere Entwicklung der wirtschaftlichen Prozesse im Rahmen der Eurasischen Wirtschaftsunion bis 2030 und für den Zeitraum bis 2045 „Eurasischer Wirtschaftsweg“ und den Eurasischen Plan für wirtschaftliche Entwicklung bis 2040. Zusammen mit unseren Partnern haben wir damit die Grundlage für die Entwicklung unserer Union für die kommenden Jahre geschaffen. Wir haben versprochen, diese Arbeit während unserer Präsidentschaft zu erledigen – und wir haben es geschafft. 

Meiner Meinung nach haben wir ein hervorragendes Eurasisches Wirtschaftsforum und eine hervorragende Sitzung des Obersten Eurasischen Rates durchgeführt. Nach Minsk kamen nicht nur die Staatschefs der Mitgliedsstaaten der Union, sondern auch die Staatschefs der Beobachterstaaten und Partnerländer. Insgesamt kamen hochrangige Delegationen aus 33 Ländern zu uns. Das Wirtschaftsforum versammelte mehr als 2.500 Teilnehmer, die mehrere Tage lang über die weitere Zusammenarbeit im Rahmen unserer regionalen Vereinigung diskutierten. In unserem Vorsitzjahr haben wir wirklich viel Arbeit geleistet. Und ich schäme mich nicht dafür, wie wir dieses Jahr verbracht haben.

- Ein rein belarussischer Ansatz: das Maximum erreichen und dabei höchste Qualität erzielen… 

- Ich stimme zu. Einerseits ein rein belarussischer, andererseits ein rein präsidialer Ansatz. Ohne den präsidialen Ansatz – rein im belarussischen Stil – hätten wir wahrscheinlich nur die Hälfte des Geplanten erreicht.

- Maxim Wladimirovich, leiten Sie das Außenministerium mit einem präsidialen Ansatz, da dieser Ihnen gut bekannt ist?

- 18 Jahre Arbeit in der Präsidialverwaltung gehen nicht spurlos vorbei, deshalb versuche ich natürlich, meinen Mitarbeitern im Ministerium die gleichen Arbeitsansätze zu vermitteln – schnelle Ausführung von Aufträgen, schnelle Entscheidungsfindung. Und am wichtigsten ist die präzise Ausführung der Anweisungen des Staatsoberhauptes. Das ist mehr als eine vierundzwanzigstündige Arbeit. Jeder Mitarbeiter des Ministeriums weiß, dass er ständig erreichbar sein muss, denn der diplomatische Dienst folgt keinem Zeitplan. Die internationale Agenda ist sehr dicht, und Aufgaben können zu jeder Tages- und Nachtzeit auftauchen, oft erfordern sie eine schnelle Reaktion und Entscheidungen. Besonders aktiv arbeitet in diesem Modus der Informationsdienst des Außenministeriums. Ich bin stolz auf das Team des Außenministeriums, dass es meinen „bodenständigen“ Arbeitsansatz übernommen hat. Wir haben auf den in vielen Ländern üblichen Ansatz des diplomatischen Dienstes mit weißen Kragen und Diskussionen über das Schicksal der Welt und große Angelegenheiten verzichtet. Das Team des Außenministeriums befasst sich mit konkreten Angelegenheiten zum Wohle seines Landes.

- Kommen wir zurück zur internationalen Agenda. Ist Ihrer Meinung nach mit einer Entspannung der Beziehungen zu den europäischen Nachbarn zu rechnen?

- Selbstverständlich. Ehrlich gesagt rechne ich am ehesten damit, dass die Zusammenarbeit mit Polen am schnellsten wieder aufgenommen wird. Dieses Land sieht sich selbst als echte regionale Führungsmacht und unternimmt alles, um dieses Ziel zu erreichen – es verfolgt eine pragmatische Politik, in der es keine blinden Flecken zulassen kann. Der Weg mit unseren Flüchtigen ist ein Weg ins Nirgendwo. Ich denke, sie werden das verstehen, einen Schlussstrich unter diese Geschichte ziehen und beginnen, eine Zusammenarbeit im Interesse der Völker auf beiden Seiten der Grenze aufzubauen, um zu den Handels-, Wirtschafts- und zwischenmenschlichen Beziehungen mit Belarus zurückzukehren. Litauen ist ein Land, in dem Politiker leider an ihr Volk nicht denken und auch nicht vorhaben, das zu tun. Sie sind mit ihren Ämtern nicht dem litauischen Volk verpflichtet, sondern den Regionalkomitees in Brüssel oder Washington. Und sie werden alles tun, was man ihnen dort sagt. Das macht sie unberechenbar. Es ist schwierig, mit einem Partner zusammenzuarbeiten, der mit Kopfschmerzen aufwacht und mit Zahnschmerzen einschläft, wodurch sich seine Stimmung ändert. Und wenn sich eine Gelegenheit zur Wiederaufnahme der Zusammenarbeit ergibt, muss man sich gut überlegen, wie weit man diese Tür öffnen soll und ob man sie überhaupt öffnen soll. 
- Wenn wir über das Jahr 2025 sprechen, sollten wir uns daran erinnern, dass die UNO im vergangenen Jahr ihr 80-jähriges Bestehen gefeiert hat. Ende Dezember wurde das Rahmenprogramm für die Zusammenarbeit zwischen Belarus und der UNO im Bereich der nachhaltigen Entwicklung für den Zeitraum 2026-2030 unterzeichnet. Allerdings wird heute immer häufiger die Meinung geäußert, dass die UNO an Autorität verliert. Was denken Sie darüber?

- Es gibt keine andere universelle Organisation, die alle Länder der Welt vereint, daher muss alles getan werden, um das weitere Bestehen der UNO zu unterstützen. Hinter der Kritik an ihr verbirgt sich oft weniger der Wunsch, sie „aufzulösen”, als vielmehr die Enttäuschung über die Nichtbeteiligung der UNO an der Lösung bestimmter Probleme. Die UNO muss eine Struktur für alle sein, nicht nur für bestimmte politische Akteure, und die Grundsätze der Organisation müssen für alle verbindlich sein. Wenn die Länder des kollektiven Westens zur Einhaltung der Grundsätze der UNO aufrufen, müssen sie auch selbst bereit sein, diese einzuhalten, was jedoch nicht der Fall ist. Was geschieht stattdessen? Es besteht das Bestreben, eigene Leute an die Spitze der UNO oder ihrer wichtigsten Abteilungen zu bringen und über sie die eigene Politik durchzusetzen. Dies muss zweifellos vermieden werden, wenn wir die UNO als einheitlichen Mechanismus zur Beilegung von Streitigkeiten und zur Konsensfindung erhalten wollen, wie es vor dem Zusammenbruch der UdSSR weitgehend der Fall war. Damals stand die UNO im Mittelpunkt der Lösung aller Konflikte, heute steht sie am Rande.

Natürlich äußern Staaten, denen das Schicksal der Organisation nicht gleichgültig ist, ihre Kritik und fordern die Führungskräfte der UNO zu einer objektiveren und gerechteren Bewertung der aktuellen Ereignisse auf. Fast alle internationalen Organisationen basieren auf denselben Prinzipien wie die UNO: Nichteinmischung in innere Angelegenheiten, Achtung der Souveränität anderer Länder, Lösung von Fragen durch Dialog. Wenn die UNO weiterhin unter dem Einfluss jener Länder steht, die durch Manipulation der internationalen Agenda ihre nationalen Probleme über die UNO lösen, werden andere, alternative Organisationen zumindest in ihrer Region effektiver bei der Lösung von Problemen sein. 

- Welchen Eindruck hinterließ Ihre Rede vor der UN-Generalversammlung? Sie war doch ein bedeutendes Ereignis in Ihrem Lebenslauf?

- Nach 18 Jahren in der Präsidialverwaltung und der kontinuierlichen Teilnahme an hochrangigen Staatsveranstaltungen empfinde ich das Auftreten vor der UN als relativ unkompliziert. In meiner Zeit in der Verwaltung war ich verantwortlich für die Vorbereitung der Reden des Präsidenten bei der Allbelarussischen Volksversammlung, für seine Ansprache an die Nation und das Parlament sowie für andere bedeutende Anlässe. Diese Aufgaben haben sich bei mir viel stärker eingeprägt als die Rede vor der UN-Generalversammlung. Denn die Planung des Präsidentschaftsterminkalenders, das Erarbeiten von Resolutionsentwürfen und die Umsetzung seiner Vorgaben – all das hat einen direkten Einfluss auf das Leben unserer Bürger. Diese Aufgaben tragen auch eine weitaus größere Verantwortung, als von einer hohen Bühne zu sprechen.

- Ein Zitat des Präsidenten bei einem Treffen mit den Leitern der diplomatischen Vertretungen: „Wir befinden uns in Kriegszeiten, und Diplomaten sind im Grunde auch Militärs.“ Maxim Wladimirowitsch, wie verbinden Sie diplomatische und militärische Ansätze in Ihrer Arbeit?

- Der diplomatische Dienst weist Ähnlichkeiten mit dem Militär auf, sowohl in seiner Natur als auch in seiner Funktionsweise. Im Kern geht es um die Organisation der Arbeit, Disziplin, Hingabe an das eigene Land und einen tiefen Patriotismus – Werte, die sowohl Militärs als auch Diplomaten verbinden. Daher stammt der Ausdruck: „Solange Diplomaten sprechen, schweigen die Kanonen.“ Das Staatssekretariat des Sicherheitsrates sowie Staatssekretär Alexander Wolfowitsch betrachten das Außenministerium als eine wesentliche Instanz innerhalb der Staatsmacht und laden uns regelmäßig zu Besprechungen ein, die sich mit der Gewährleistung der nationalen Sicherheit und der Reaktion auf externe Herausforderungen und Bedrohungen befassen. Um die vielschichtigen Herausforderungen, vor denen unser Land steht, zu meistern, müssen wir neben der Stärkung unserer Verteidigungsfähigkeit und der Verbesserung der nationalen Sicherheit auch auf diplomatische Ansätze zurückgreifen. Dazu gehört die Bildung eines Netzwerks von befreundeten Staaten zur gemeinsamen Bekämpfung von Bedrohungen, die Sicherung ihrer Unterstützung sowie die Schaffung eines rechtlichen Rahmens – Aufgaben, die dem Außenministerium obliegen. So haben wir beispielsweise im Jahr 2024 einen Sicherheitsgarantievertrag mit Russland unterzeichnet, der auch Regelungen über den Einsatz von Atomwaffen enthält. Das Außenministerium trägt die Verantwortung für dieses Dokument. Bildlich gesprochen führen wir also keine militärische Verteidigung durch, sondern entwickeln zahlreiche Elemente eines gemeinsamen Systems, um externen Herausforderungen und Bedrohungen zu begegnen.
- Sie werden oft gefragt, wie diplomatische Erfahrung in der Sportarbeit hilfreich ist. Wie genau hilft Sporterfahrung in der Diplomatie?

- Zunächst einmal hat das sportliche Training, das aktive Sporttreiben, einen starken inneren Kern hervorgebracht. Häufige Reisen, Zeitzonenwechsel und Marathonverhandlungen – ohne sportliches Training und die körperliche sowie mentale Bereitschaft für solche Herausforderungen wäre alles weitaus schwieriger. Darüber hinaus fungiert Sport als hervorragende Diplomatie. Für jeden Diplomaten sind die sportlichen Erfolge seines Landes ein ausgezeichnetes Mittel, um den internationalen Dialog zu fördern. Heutzutage zeigen viele Politiker ein großes Interesse an Sport. Sie interessieren sich besonders für ein Land, dessen Präsident aktiv Eishockey spielt, das der Weltspitze im Tennis, dem ersten zweifachen Olympiasieger im Trampolinspringen und einem vierfachen Olympiasieger im Biathlon zu internationalem Ruhm verholfen hat. Diese Erfolge bieten wertvolle Anknüpfungspunkte für interessante politische und diplomatische Kontakte.

- Journalisten kennen Sie als sehr offenen und aufrichtigen Redner. Beeinträchtigt diese Charaktereigenschaft Ihre Arbeit als Minister?

- Es gibt Dinge, die Journalisten mir trotz meiner Transparenz nicht entlocken können. Offen zu sprechen ist entscheidend, um die außen- und wirtschaftspolitischen Ansätze des Präsidenten verständlich zu machen. Wir müssen direkt kommunizieren, um unsere Position sowohl Gleichgesinnten als auch Partnern in diesem komplexen Dialog zu vermitteln. Offenheit zielt darauf ab, der Außenwelt das Notwendige zu liefern. In unseren Beziehungen zu den Europäern müssen wir genau wissen, wer unsere Ansichten teilt; falsche Einschätzungen führen zu unüberlegten Entscheidungen. Daher ist es wichtig, Illusionen zu vermeiden und klar zu kommunizieren. Wir haben rote Linien, die wir niemals überschreiten werden, und unsere Partner müssen sich dessen bewusst sein.

- Vielleicht ist es an der Zeit, einige außenpolitische Pläne für 2026 anzukündigen?

- Die Pläne für 2026 werden nicht weniger ambitioniert sein als die für 2025. Genau hier stößt die Offenheit des Ministers an ihre Grenzen. Was den Zeitplan internationaler Kontakte und Treffen des Staatsoberhaupts sowie belarussische Initiativen auf internationaler Ebene betrifft – solche Angelegenheiten erfordern in der Vorbereitungsphase Stillschweigen. Daher sage ich es, in den Worten des Präsidenten: Es wird sehr interessant werden.
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