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20 Februar 2026, 11:00

„Wird es ihm gefallen?“ Nach 11 Jahren trifft das Mädchen den Chirurgen, der ihr Leben gerettet hat

Anastasija Andrijewskaja ist ein fröhliches 12-jähriges Mädchen, das gerne malt, Theater spielt und tanzt. Wenn man sie ansieht, würde man nie denken, dass sie nur 10 Monate nach ihrer Geburt eine schwere Lebertransplantation hatte. Der Spender war ihr leiblicher Vater, und die Operation wurde vom bekannten Transplantationschirurgen Oleg Rummo durchgeführt. Viele Jahre später kam die kleine Patientin zu ihrem Retter, um ihm mit kindlicher Aufrichtigkeit „Danke für mein Leben” zu sagen. Details zu diesem bewegenden Treffen erfahren Sie aus diesem Artikel.

Das Wertvollste retten

Während wir vor dem Büro auf den Direktor der staatlichen Einrichtung „Minsker Wissenschaftlich-Praktisches Zentrum für Chirurgie, Transplantologie und Hämatologie“ Oleg Rummo warten, gesteht Nastjas Mutter, dass ihre Tochter sich mehrere Wochen lang auf dieses Treffen vorbereitet hat. Als Erstes dachte sie über ein Geschenk nach – ein solches, das ihre Dankbarkeit ohne Worte zum Ausdruck bringen würde.

„Glauben Sie, es wird ihm gefallen?“, fragt Nastja unsicher, öffnet mit gesenktem Blick eine Mappe mit einer bunten Zeichnung. Darauf ist der Planet Erde zu sehen, den ein Arzt-Engel fest in seinen Händen hält. Wir nicken zustimmend und bemerken, noch bevor wir das Mädchen für ihr Talent und ihre Idee loben können, unseren Helden im weißen Kittel. Als Oleg Olegowitsch seine Patientin sieht, breitet sich sofort ein Lächeln auf seinem Gesicht aus. Noch ein paar Sekunden – und der Fotograf drückt schnell auf den Auslöser, um ihre Umarmung und die Tränen der Freude über das Wiedersehen festzuhalten. Was dann folgt, sind Erinnerungen, die uns in das ferne Jahr 2014 zurückversetzen.
„Ich erinnere mich noch sehr gut an den kleinen gelben Knäuel, obwohl sie sich kaum von anderen Kindern unterschied, die an einer Erkrankung wie Gallengangatresie leiden. Diese angeborene Lebererkrankung ist mit dem Leben unvereinbar. Am meisten hat mich die Familie inspiriert: die positiven Eltern, die sich gegenseitig unterstützen. Sie strahlten die Zuversicht aus, dass alles gut sein würde. Damals war noch nicht klar, wie dieses kleine Mädchen aufwachsen würde, dass sie sich zu einem so künstlerischen, freundlichen und fröhlichen Mädchen entwickeln würde“, sagt Oleg Rummo mit warmer Stimme.

Seinen Worten zufolge war die Operation für das Ärzteteam standardmäßig. Das Behandlungsprogramm für Kinder mit angeborenen Lebererkrankungen gab es in unserem Land bereits seit mehreren Jahren. Zu diesem Zeitpunkt hatten die Spezialisten des Zentrums bereits Erfahrung mit 30 bis 40 ähnlichen Fällen. So fand die erste Operation zur Lebertransplantation von einem Verwandten an ein Kind in Belarus im Jahr 2010 statt. Der Patient war ein zweijähriger Junge, der an einem angeborenen Lebertumor litt, und der Spender war sein Vater. Alles verlief gut, heute ist der Junge 18 Jahre alt und führt ein normales Leben.

„Nachdem sie eine solche Erkrankung überstanden haben, werden sie zu normalen Kindern. Sie wachsen heran, gehen zur Schule, absolvieren ein Studium und gründen ihre eigenen Familien. Das ist die beste Bewertung, die wir als Ärzte für unsere Arbeit bekommen können“, ist Oleg Olegowitsch überzeugt. Seinen Worten zufolge hören sie von den Eltern, die oft als Spender auftreten, fast nie eine Ablehnung. Denn jeder möchte das Wertvollste retten, was er hat – das Leben seines Kindes.

„Jährlich kommen 8-10 Kinder mit dieser Erkrankung zu uns. Es ist sicherer, die Transplantation im Alter von 10 Monaten durchzuführen. Wenn dies nicht geschieht, wird ein Kind mit dieser Diagnose nicht länger als anderthalb bis zwei Jahre leben“, erklärt der verdiente Arzt von Belarus. „Man kann eine solche Operation nicht als Serienoperation bezeichnen: Jeder Fall geht einem durch Herz und Seele. Natürlich gab es damals nicht solche Bedingungen wie heute, aber dank der Unterstützung des Staates verfügten wir damals ebenso wie heute über die notwendige Ausrüstung und qualifiziertes Personal, um unsere Arbeit erfolgreich auszuführen.“
Nach der Operation genas Nastja Andriejewskaja zügig: Der kleine Organismus hatte den Kampf ums Leben gewonnen.

„Am meisten ist mir in Erinnerung geblieben, wie Nastja 2016, zwei Jahre nach der Operation, zu unserer Neujahrsfeier ins Zentrum kam. Sie trug ein Schneewittchenkostüm und sorgte für einen echten Furore. Sie beeindruckte alle Ärzte, mich eingeschlossen, mit ihrer Offenheit und Begeisterung. Sie hat die besten kindlichen Eigenschaften in sich vereint. Wenn ein Kind sich nach dem Leben sehnt und absolut keine Angst hat, sagt das in gewisser Weise etwas über die Familie aus, darüber, wie die Eltern ihre Kinder erziehen“, lächelt Oleg Rummo und gibt zu, dass auch er sich auf dieses Treffen vorbereitet hatte. „Nach den Operationen werden die kleinen Patienten oft von den Ärzten unseres Zentrums betreut, und ich versuche, mich für die Fortschritte der Kinder zu interessieren. Ich habe darüber nachgedacht, wie lange ich Nastja schon nicht mehr bei uns auf der Feier gesehen habe, und dann habe ich erfahren, dass das Mädchen bereits 12 Jahre alt ist. Die Zeit ist wirklich wie im Flug vergangen. Ich bin sehr froh, dass es ihr gut geht, und heute kann ich mich persönlich davon überzeugen. Ich bin glücklich, Nastja so schön, gesund und lächelnd zu sehen. Ich gebe ehrlich zu: Unser Treffen hat mir einen positiven emotionalen Schub für den ganzen Tag gegeben.“

„Eine Organtransplantation ist wie eine Reise zum Mars!“

Julija Andrijewskaja beobachtet das rührende Gespräch zwischen der Ärztin und ihrer Tochter mit Tränen in den Augen.

„Ohne Oleg Olegowitsch hätte unsere Familie nicht das Glück, unsere Tochter aufwachsen zu sehen. Wir werden ihm unser Leben lang dankbar sein“, sagt sie mir leise ins Ohr. Später, als sie die Geschichte der wundersamen Rettung ihrer Tochter erzählt, wird Julia dem Arzt Rummo noch mehrmals ihre mütterliche Dankbarkeit aussprechen.
Auf ihre erste Schwangerschaft hatte sie sich frühzeitig vorbereitet: Ein Jahr zuvor hatte sie auf Alkohol verzichtet und begonnen, Vitamine einzunehmen. Daher versetzte die Nachricht von der schrecklichen Diagnose ihrer Tochter die junge Mutter in einen Schockzustand. Aber sie hatte keine Zeit, sich selbst zu bemitleiden und sich zu fragen, warum dies gerade ihrer Familie widerfahren war.

Als die Ärzte in Mogiljow mitteilten, dass möglicherweise eine Lebertransplantation nötig sein könnte, begann sie, Informationen zu sammeln. „Kinder mit dieser Diagnose leben nicht länger als zwei Jahre“ – das war das Einzige, was Julija damals im Internet finden konnte. Und dann noch ein paar Geschichten über Lebertransplantationen im Ausland, für die die Familie unerschwinglich viel Geld hätte aufbringen müssen. Es schien keinen Ausweg zu geben. Aber es gab ihn.

„Ich war mir bewusst, dass die Operation riskant ist. Eine Organtransplantation – für mich war das wie ein Flug zum Mars! Aber für Nastja war das die einzige Überlebenschance. Wenn wir uns für die Operation entscheiden, nutzen wir diese Chance; entscheiden wir uns dagegen, wird unsere Tochter irgendwann sterben. Als ich erfuhr, dass man sie in Belarus retten kann, war die Freude grenzenlos. Zu dem Zeitpunkt wurden solche Operationen bei uns bereits durchgeführt, und das völlig kostenlos. Natürlich haben wir sofort zugestimmt!“, sagt sie.

Wegen des Trubels der ständigen Umzüge von Krankenhaus zu Krankenhaus hatte Julia gar keine Zeit, über etwas Schlimmes nachzudenken; sie glaubte fest daran, dass alles gut ausgehen würde. Von nun an war jeder ihrer Tage mit einem Sinn erfüllt.
„Auch wenn wir ständig im Krankenhaus waren, versuchten wir, mit unserer Tochter ein häusliches Leben zu führen: Wir gingen im Wald spazieren, ich las ihr Bücher vor. Ich hörte nicht auf zu wiederholen: Töchterchen, ich zeige dir die ganze Welt, du musst nur leben. Übrigens habe ich mein Versprechen gehalten, innerhalb von 12 Jahren haben wir viele Länder bereist“, bemerkt sie.

Als Spender standen in der Familie Andrijewski sowohl der Vater als auch die Mutter bereit. Allerdings wurde im Familienrat entschieden, dass die kleine Nastja unbedingt ein Brüderchen oder Schwesterchen bekommen sollte. Deshalb übernahm Sergej diese wichtige Aufgabe des Spenders.

„Ich habe sie vor der Operation fest umarmt. Wir wussten nicht, wer lebend zurückkommen würde …Dann wurden mein Mann und meine Tochter weggebracht, und ich blieb allein im Krankenhausflur und wurde mir bewusst, dass ich nicht einfach so dasitzen und warten konnte. Es fügte sich, dass genau an diesem Tag die Reliquien des Heiligen Lukas nach Minsk gebracht wurden, und ich beschloss, in die Kirche zu fahren. Mir blieb nur das Beten“, erzählt Julija mit Tränen in den Augen. 

Als sie ins Krankenhaus zurückkam, wartete Julija noch lange Zeit vor dem Operationssaal. Ihren Mann sah sie 9 Stunden nach der Operation wieder, ihre Tochter erst nach 12 Stunden.
„Nach Hause kamen Nastja und ich ungefähr einen Monat später, mein Mann viel früher. Insgesamt verbrachten wir seit der Geburt unserer Tochter fast ein Jahr im Krankenhaus. Ich betrat die Wohnung mit einem neuen Gefühl: Wir atmeten auf, freuten uns, dass alles überstanden wurde. Jetzt können wir in Ruhe die Sonne und den klaren Himmel genießen, den morgigen Tag planen, mit unserer kleinen Tochter auf dem Arm, das gesund ist und leben wird“, sagt Julija und fügt hinzu, dass sie mindestens zweimal im Monat zum Arzt gehen. „Im Bereich der Transplantologie gibt es in unserem Land eine sehr ernsthafte Unterstützung durch den Staat. Nastja lässt regelmäßig ein breites Spektrum an Tests durchführen, nimmt teure Medikamente – und das alles ist für uns völlig kostenlos. Familien, die mit derselben Diagnose konfrontiert sind, möchte ich sagen: Lasst den Kopf nicht hängen. Für Hilfe muss man nicht nach Israel oder in ein anderes Land fliegen. Die belarussischen Ärzte werden sie hier bei uns unentgeltlich leisten. Davon haben wir uns überzeugt. Und auch in 10, 20, 30 Jahren werden wir nicht müde werden, ihnen für das Leben meiner Tochter und die Möglichkeit, Mutter zu sein, zu danken.“

„Danke für die Welt, die mir meine Mutteer so zeigen wollte“

Das Leben der 12-jährigen Nastja unterscheidet sich kaum von dem ihrer Altersgenossen. Das Mädchen malt talentiert, betreibt Theaterschauspiel. Seit ihrem dritten Lebensjahr ist sie leidenschaftlich gern beim Tanzen und kam von verschiedenen Wettbewerben, auch internationalen, stets mit Auszeichnungen zurück.

„Ihre Ernährung muss ausgewogen sein, insgesamt ist sie die gleiche, wie sie Menschen für eine gesunde Lebensweise empfohlen wird: gedämpfte Gerichte, gebackenes ... Natürlich kommt es vor, dass sie auch etwas vom Verbotenen isst, aber immer in Maßen. Was sie nicht essen darf, ist Grapefruit“, präzisiert die Mutter des Mädchens. 
„Und die schmeckt sowieso nicht“, rümpft Nastja schon bei der bloßen Erwähnung dieser Zitrusfrucht die Nase. Und schon im nächsten Augenblick lacht sie fröhlich.

Natürlich erinnert sich Nastja nicht an die Ereignisse vor 12 Jahren, als sie noch ein Kleinkind war. Sie weiß nur von den Erzählungen ihrer Eltern davon.

„Danke für die Welt, die mir meine Mutter so zeigen wollte. Ich konnte dank den Ärzten leben. Ich habe Oleg Olegowitsch zum ersten Mal vor sehr langer Zeit gesehen. Da war ich zwei oder drei, im Gedächtnis hat sich nichts festgesetzt“, sagt sie und präzisiert, dass sie die heutige Begegnung nie vergessen wird. „Er hat mich so fest umarmt, als wären wir verwandt“, so sie.

Zum Abschied versprach Nastja ihrem Helden im weißen Kittel, dass sie, wenn sie groß ist, unbedingt Chirurgin wird, die Menschenleben rettet.
531 Transplantationen

Dem Direktor der staatlichen Einrichtung „Minsker Wissenschaftlich-Praktisches Zentrum für Chirurgie, Transplantologie und Hämatologie“, Doktor der medizinischen Wissenschaften, Professor, Akademiker Oleg Rummo, wurde der Titel „Wissenschaftler des Jahres der Nationalen Akademie der Wissenschaften von Belarus – 2025“ verliehen.

Laut Oleg Rummo war das vergangene Jahr in Bezug auf die Anzahl der Operationen das erfolgreichste: Insgesamt wurden 361 Nierentransplantationen, 110 Lebertransplantationen, 7 Lungentransplantationen und 53 Herztransplantationen durchgeführt. Insgesamt führten die Ärzte des Zentrums 531 Transplantationen durch. In der gesamten Geschichte der belarussischen Transplantologie ist das ein absoluter Rekord. Dabei retten unsere Ärzte nicht nur das Leben von Belarussen.

„Seit 2019 arbeiten wir mit dem Institut für Gesundheit von Kindern und Jugendlichen „Arabkir“ in Armenien zusammen. Im Laufe von 7 Jahren haben wir viele komplizierteste Operation durchgeführt. So waren wir 2025 zweimal dort. Im Oktober retteten wir ein kleines Mädchen mit Leberkrebs. Alles endete glücklich, das Kind wird leben zur Freude der Eltern. Das ist unsere emotionale, aber sehr angenehme Mission: Kollegen bei der Rettung von Kindern zu helfen und dabei die zwischenstaatlichen Beziehungen in der Transplantologie zu stärken”, erzählt Oleg Rummo. 

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