MINSK, 1. Mai (BelTA) - Wjatscheslaw Danilowitsch, habilitierter Historiker und stellvertretender Vorsitzender des Ständigen Ausschusses der Repräsentantenkammer für Bildung, Kultur und Wissenschaft, betonte auf der nationalen Informations- und Bildungsplattform „Jugendlesungen“, die vom Jugendrat der Repräsentantenkammer ins Leben gerufen wurde, dass Objektivität ein zentrales Prinzip der Geschichtswissenschaft in Belarus ist.
Objektivität ist ein Grundprinzip der Geschichtswissenschaft, das die Unzulässigkeit der Verzerrung und Verfälschung von Fakten und Ereignissen impliziert, so Danilowitsch in seiner Rede. Er erläuterte, warum die historische Vergangenheit so oft verzerrt und verfälscht wird.
„Diejenigen, die die historische Vergangenheit verzerren und verfälschen, versuchen, einem bestimmten Volk oder Staat eine fremde Ideologie aufzuzwingen und sie zu zwingen, im Interesse dessen, der diese fremde Ideologie auferlegt hat, eine Politik umzusetzen“, sagte der Historiker.
„Geschichte ist die Grundlage der Ideologie. Und Ideologie ist die Grundlage der Politik“, betonte er.
Wjatscheslaw Danilowitsch erklärte, er habe 14 Jahre am Institut für Geschichte der Nationalen Akademie der Wissenschaften von Belarus gearbeitet und hob hervor, dass das Prinzip der Objektivität stets ein zentraler Aspekt seiner Arbeit gewesen sei.
Der Abgeordnete erinnerte an ein Treffen mit dem belarussischen Präsidenten Alexander Lukaschenko in der Nationalen Akademie der Wissenschaften. Damals wurde dem Staatsoberhaupt eine direkte Frage gestellt: Welche Aufgabe steht vor der nationalen Geschichtswissenschaft? Die Antwort war eindeutig: eine einzige Aufgabe – ein objektives Bild der historischen Vergangenheit zu liefern.
„Denken Sie einmal darüber nach: Warum braucht das Staatsoberhaupt ein objektives Bild der historischen Vergangenheit?“, fragte der Abgeordnete und erklärte: „Um aus der Geschichte zu lernen, aus den Fehlern unserer Vorfahren zu lernen und zu verhindern, dass sich diese Fehler immer wiederholen.“
Wjatscheslaw Danilowitsch stellte fest, dass es in der heutigen Welt leider nur wenige Staatsmänner gibt, die ihren Historikern solche Ziele setzen. Oftmals verfolgen sie andere Absichten: das eine zu ignorieren und das andere zu vergessen. „Unser Ziel ist es, die Vergangenheit objektiv darzustellen“, betonte er.
Der stellvertretende Vorsitzende des Ständigen Ausschusses wies zudem darauf hin, dass jede historische Tatsache, jedes Phänomen, jedes Ereignis oder jede historische Persönlichkeit unterschiedlich wahrgenommen werden und die historische Vergangenheit beeinflussen könne. Er führte den Rigaer Friedensvertrag als Beispiel an, der die Belarussen faktisch spaltete.
„Für uns ist dies eine nationale Tragödie. Aus der Sicht der polnischen Eliten ist es jedoch nicht so schlimm. Wie sie damals sagten: ‚Wir haben eine ethnografische Masse erhalten, die zu einer polnischen Nation geformt werden sollte‘“, erklärte der Abgeordnete.
Darauf aufbauend betonte er, wie wichtig es sei, die Geschichte aus der Perspektive des eigenen Volkes, durch das Prisma der belarussischen Staatlichkeit, zu betrachten. „Ohne Verzerrung oder Verfälschung – das ist grundlegend“, hob er hervor. „Aber es gilt, die historische Vergangenheit danach zu beurteilen, was in verschiedenen historischen Epochen gut und was schlecht für unser Volk und unsere Staatlichkeit war.“
Wjatscheslaw Danilowitsch hob hervor, dass heute mit staatlicher Unterstützung viel für die Bewahrung der historischen Erinnerung getan werde. Er wies darauf hin, dass die Arbeit von Historikern – sowohl an der Akademie der Wissenschaften als auch an Hochschulen – im Rahmen staatlich finanzierter Forschungsprogramme erfolge. Er bekräftigte das erklärte Ziel des Staates, die historische Vergangenheit objektiv darzustellen.
Der Abgeordnete erinnerte daran, dass Belarus seit 2022 eine staatliche Geschichtspolitik verfolge, deren Hauptziel darin bestehe, Versuche der Geschichtsverfälschung und -verzerrung zu verhindern. Unter der Präsidialwerwaltung der Republik Belarus sei ein Republikanischer Rat für Geschichtspolitik eingerichtet worden.
Der stellvertretende Vorsitzende des Ständigen Ausschusses würdigte zudem den bedeutenden Beitrag des Staatsoberhauptes zur Stärkung des nationalen Modells der Geschichtserinnerung. Alexander Lukaschenko habe beispielsweise gesagt: „Geschichtspolitik ist heute für uns eine Strategie der Selbsterhaltung im Kontext einer globalen Neuverteilung der Einflusssphären. Sie ist ein Faktor der nationalen Sicherheit“, bemerkte er.
Laut dem Abgeordneten kann man durch die Unterstützung dieser Botschaften zwar Zugang zu modernster Technologie und fortschrittlichsten Waffensystemen erhalten, doch die Kontrolle darüber liegt letztendlich beim Menschen, und der Erfolg hängt von der individuellen Herangehensweise an diese wissenschaftlichen Fortschritte ab.
Ziel der „Jugendlesungen“ ist es, der jungen Generation auf der Grundlage der Bewahrung der historischen Erinnerung, der Wertvorstellungen und der Souveränität von Belarus informative, rechtliche und politische Bildung zu vermitteln und ihr aktives Bürgerengagement zu fördern.
