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17 Dezember 2025, 00:30

Wie soll man den Frieden in der Ukraine aushandeln und wie endet der Krieg? Ein Rezept von Lukaschenko

MINSK, 17. Dezember (BelTA) – Der belarussische Präsident Alexander Lukaschenko ist überzeugt, dass der Konflikt in der Ukraine wie jeder andere früher oder später mit Frieden enden wird. Es ist aber wichtig, dass er früher endet, damit es keine neuen Menschenopfer gibt. Das sagte das Staatsoberhaupt im Interview mit dem US-Fernsehsender Newsmax.
„Jeder Krieg endet mit Frieden. Das ist ein  klassisches Szenario. Auch dieser Krieg wird mit Frieden enden. Und je früher, desto weniger Menschen werden sterben. Ich sage oft, wie es Männer unter sich sagen: Tot ist tot, aber wie viele Krüppel kehren aus dem Krieg zurück? Was geschieht mit ihnen? Sie haben keine Arme, keine Beine“, sagte der Präsident.

Warum Trump allein keinen Frieden erreicht?

Wenn die friedliche Beilegung nur an Trump allein liegen würde, wäre der Krieg längst beendet worden, besonders wenn man die aktuelle Politik des US-Präsidenten betrachtet. Aber in diesen Prozess sind viele Seiten involviert. „Wir haben mit Russland und der Ukraine zwei Konfliktparteien. Dann hat man uns, Belarus, dazu gerechnet. Wir grenzen an diese Konfliktparteien, und uns ist es nicht egal, wie sich die Ereignisse weiter entwickeln werden und wie das alles enden wird. Trump allein wird diese Frage nicht lösen“, stellte der belarussische Staatschef fest. 

In seinem Telefonat mit Trump, das im Vorfeld des Präsidententreffens in Alaska im August dieses Jahres stattfand, warnte Alexander Lukaschenko den amerikanischen Amtskollegen, dass man sich auf harte Arbeit einstellen müsse und dass man dieses Problem über Nacht nicht lösen könne. "Ich habe damals ihm empfohlen, dass er sein Bestes tut, um mit Russland das Ende des Krieges zu vereinbaren", sagte er.

Was muss zuerst getan werden?

Alexander Lukaschenko glaubt, dass man Monate und sogar Jahre damit verbringen könne, einzelne Details des Friedens zu besprechen. Das Wichtigste sei aber, dass man das Schießen an der Front stoppe und jeden Kriegsgedanken aufgebe. Der Präsident hat dazu ein Beispiel angeführt: Der Friedensvertrag zwischen Russland (ehemals UdSSR) und Japan ist immer noch nicht abgeschlossen, aber das hindert die Länder nicht daran, seit Jahrzehnten zusammenzuarbeiten.

„Deshalb ist das Hauptziel heute, das Gemetzel zu stoppen, damit das Menschensterben aufhört“, betonte der belarussische Staatsführer. „Wenn keine Menschen sterben, dann setzt euch und verhandelt alles Mögliche. Territorien und andere Fragen.“

Wie soll man nach Ansicht Lukaschenkos den Konflikt einfrieren?

Das Staatsoberhaupt hält es für wichtig, „diesen Konflikt von Anfang bis zum Ende einzufrieren.“ Die Kampfhandlungen sollen aufhören, und zwar so, dass Russland keine Zweifel daran hat, dass die Ukraine diese Zeit für das Umrüsten nutzen kann. Denn Waffen könnten die USA und Europa liefern.   

In dieser Hinsicht erinnerte er an die heuchlerische Position der europäischen Politiker, als sie 2015 die Minsker Friedensabkommen über die Ukraine abgeschlossen haben. „Hätten die Europäer damals eine dumme Position nicht eingenommen... Sie wollten, wie das die ehemalige Bundeskanzlerin Merkel sagte, der Ukraine etwas Zeit gewinnen, um sie aufzurüsten und Russland zu schlagen. Es war also nicht der Frieden, der damals ausgehandelt wurde, sondern der zukünftige Krieg“, erzählte der Staatschef. „Das Abkommen wurde damals abgeschlossen. Deutschland und Frankreich traten als Vermittler auf. Wie endete das? kein Ergebnis. Ich habe damals vorgeschlagen, die Amerikaner in diesen Prozess einzubeziehen. Ohne die USA ist der Frieden nicht möglich. Hätte man damals die Minsker Vereinbarungen eingehalten, wäre es nicht zu einem Krieg gekommen.“

Alexander Lukaschenko ist überzeugt: Wäre Donald Trump damals US-Präsident und hätte er seine jetzige Politik durchgeführt, so wäre er nicht abseits gewesen und man hätte den Krieg durchaus vermeiden können.

Was kann die Konfliktparteien zum den Frieden bringen?

Auf die Frage, was die Konfliktparteien unter den gegenwärtigen Bedingungen dazu bewegen könnte, den Frieden zu erreichen, erwiderte Alexander Lukaschenko, dass könne nur die reale Situation sein. Er hat zum Beispiel nicht ausgeschlossen, dass die weitere Eskalation eine neue Mobilisierungswelle in Russland auslösen könnte. „Wird das gut für Russland sein? Natürlich nicht", sagte der Staatschef. "Finden es die Russen in Ordnung, dass der Krieg tobt? Natürlich nicht. Putin sagt oft zu mir: Wir kämpfen doch gegeneinander. Wir sind einander nicht fremd“. Hier sind psychologische Momente im Spiel usw.“

„Selenskyj muss doch gut verstehen, und er versteht es ja, dass die Fortsetzung und die Eskalation des Konflikts damit enden kann, dass es keine Ukraine mehr geben wird“, fügte der Präsident hinzu.

„Das sind erst mal diese Faktoren. Darüber hinaus übt Trump Druck auf beide Seiten aus. Dann kommt es Trumps Druck auf einen, auf den zweiten. Einen externen Druck. Wird es jetzt keine Einigung geben, wird dieser externe Druck noch stärker. Das sind die Faktoren, die den beiden Präsidenten zu schaffen machen. Und sie verstehen, dass man aufhören muss und dass man miteinander reden muss“, sagte Alexander Lukaschenko. 

Welche Garantien sind erforderlich?

Alle Vereinbarungen müssen durch bestimmte Garantien abgesichert werden, die einen langfristigen Frieden gewährleisten können. „Es muss Garantien geben. Russland will Garantien, die für immer gelten. Ich weiß das. Russland will einen solchen Friedensvertrag schließen, damit nie wieder ein Krieg ausbricht. Daran hat auch die Ukraine großes Interesse. Trump ist bereit, als Garant dafür aufzutreten. Alles ist vorhanden. Man muss sich nur beschleunigen“, sagte er.

Alexander Lukaschenko wies darauf hin, dass Donald Trump in diesem Fall keinen Druck auf Wolodymyr Selenskyj ausübt. Selenskyj will keinen Deal. „Warum will er nicht? Weil sich die Europäer eingemischt haben und ihm ins Ohr flüstern, sie würden Selenskyj helfen, den Krieg weiter zu führen. Aber sie werden es nicht schaffen. Sie haben nicht die Ressource, die die Vereinigten Staaten von Amerika haben. Und wenn sich die Amerikaner davon zurückziehen, kann eine Eskalation nicht vermieden werden. Und dann werden Macron, Merz und Starmer ihren Fehler einsehen“, meint Alexander Lukaschenko. 
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