Themen
"Thema im Gespräch "
APRIL, 2. März (BelTA) – Wozu Sofja Kowalewskaja eine Scheinehe eingehen musste und was ihr das brachte, erläuterten in der neuen Ausgabe von „Thema im Gespräch. Die Unsrigen“ auf dem YouTube-Kanal von BELTA die Ärztin und kognitive Verhaltenstherapeutin Alena Petrowskaja sowie die wissenschaftliche Sekretärin des Instituts für Mathematik der Nationalen Akademie der Wissenschaften von Belarus, Tatjana Busel.
Die spätere Mathematikerin Sofja Kowalewskaja wollte unbedingt studieren, doch in Russland konnte sie nicht an die Universität. Eine Möglichkeit war ein Studium in Europa, wo man damals der Bildung von Frauen gegenüber aufgeschlossener war. „Um zum Studium nach Europa ausreisen zu können, brauchte sie entweder die Zustimmung ihres Vaters, der dagegen war, oder einen Ehemann. Deshalb wandte sie sich mit der Bitte an einen ebenfalls freisinnigen und lernwilligen Mann – an Kowalewski“, erzählte Tatjana Busel und fügte hinzu, dass ursprünglich eine Heirat mit Sofjas Schwester Anna geplant gewesen sei. „Aber nachdem er Sofja kennengelernt hatte, verliebte er sich in sie und willigte in eine Scheinehe ein, damit Sofja studieren konnte. Dabei studierte er selbst und unterstützte sie in allem.“
Die wissenschaftliche Sekretärin betonte, dass Wladimir Kowalewski von Sofjas Schönheit und ihrem lebhaften Geist bewundert wäre; er nannte sie „kleines Spätzchen“. Historiker und Wissenschaftler streiten sich, ob die Ehe von Sofja und Wladimir Kowalewski tatsächlich eine Scheinehe war. „Viele Quellen schreiben, dass er sich sofort in sie verliebte. Aber sie war in die Mathematik und die Wissenschaft verliebt und sah daher nichts um sich herum“, so Tatjana Busel.
Aus psychologischer Hinsicht lasse sich aus dieser Ehe durchaus ein Nutzen ableiten. „Ich glaube, dass Sofja ihren Ehemann lange Zeit als Instrument der Freiheit wahrgenommen hat“, bemerkte Alena Petrowskaja. „In gewisser Weise kann diese Scheinehe als politischer Akt gesehen werden. Das war damals verbreitet: Junge Leute, Nihilisten, heirateten, damit das Mädchen der Gewalt des Vaters entkam und sich diese Freiheiten erkämpfen konnte – die Freiheit zu studieren, das Recht, sich mit ‚unweiblichen‘ Dingen zu beschäftigen.“
Die Psychologin ist der Ansicht, dass das Paar durch gemeinsame Interessen zusammengeschweißt wurde. „Ihr Beisammensein war begleitet von Gesprächen, sie bewegten sich im selben wissenschaftlichen Umfeld, auch wenn sie aus etwas verschiedenen Bereichen kamen. Aber ich denke, sie hatten genug Gesprächsstoff. Und allmählich, auf der Grundlage von seelischer Nähe und Vertrauen, wurde diese Ehe effektiv – das heißt, sie wurde real“, schloss Alena Petrowskaja.
