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19 Dezember 2025, 09:30

Was hat Lukaschenko in seiner Botschaft nicht gesagt
 

Staatschef Alexander Lukaschenko wandte sich am 18. Dezember während der zweiten Sitzung der 7. Allbelarussischen Volksversammlung mit einer Botschaft an das belarussische Volk und das Parlament. Als er über die Prioritäten von Belarus auf der internationalen Bühne sprach, erwähnte der Präsident, dass er seine Rede bewusst kürzen wird, versprach jedoch, dass sie später vollständig veröffentlicht wird. Die Mitschrift der Rede des Staatsoberhauptes wurde bereits veröffentlicht. Und hier ist der Teil, den der Präsident persönlich nicht vorgetragen hat. 

Über die weltweite Mehrheit

In seiner Botschaft betonte Alexander Lukaschenko, dass Belarus seinen eigenen Weg geht, der keine Illusionen hat. „Wir leben seit Beginn unserer Souveränität unter politischem und wirtschaftlichem Druck. Das ist der Preis der Unabhängigkeit. Seit dem Ende der UdSSR halten wir diesem Druck stand. Aber wir arbeiten, kommen aus dieser Situation heraus und orientieren uns an den Außenmärkten. China, Indien, Russland, die Länder Asiens, Afrikas und Lateinamerikas – das ist die Weltmehrheit. Und wir sind Teil dieser Weltmehrheit, egal wie sehr es manchen auch nicht gefallen mag“, erklärte der Präsident.

Nach den Worten des Staatsoberhauptes verschiebt sich das wirtschaftliche Gleichgewicht heute vollständig zugunsten der Länder des globalen Ostens und Südens. Und Belarus ist in dieses System eingebunden. „Die Zukunft gehört solchen Zusammenschlüssen wie BRICS und SOZ, wo man uns erwartet und gerne aufnimmt“, betonte der belarussische Staatschef.

Alexander Lukaschenko berichtete über eine Reihe wichtiger Vereinbarungen auf höchster Ebene, die in vielen Ländern getroffen wurden. In den Ländern des weiten Bogens beispielsweise gibt es eine erstaunliche Nachfrage nach belarussischen Produkten.

„Wir haben den Anteil der Länder des weiten Bogens an unseren Exporten von 11% im Jahr 2021 auf 20% im Jahr 2024 erhöht. Für uns sind dies Zwischenzahlen. Das Ziel ist, dass ein Drittel der belarussischen Lieferungen ins Ausland Käufer in Asien, Afrika und Lateinamerika finden“, heißt es in der Botschaft.

Über die unbedingten Prioritäten auf der internationalen Bühne

Die Beziehungen zu Russland und China würden jedoch eine unbedingte Priorität bleiben. Hier könne es keine Kompromisse geben, betonte Alexander Lukaschenko in seiner Botschaft.

„Die Russische Föderation ist der wichtigste Verbündete und Partner von Belarus. Zwei Drittel unserer Exporte gehen in ihren Markt. Und ungefähr genauso viel kaufen wir in Russland ein. Die gegenseitigen Lieferungen von Waren und Dienstleistungen werden im Jahr 2025 einen beachtlichen Wert von 60 Mrd. Dollar erreichen. Diese Volumina müssen gesteigert werden, jedoch auf Kosten der Produktionskooperation und gemeinsamer Produktionsstätten. Unsere Aufgabe ist es, solche Unternehmen auf volle Kapazität zu bringen und Materialien und Komponenten aus dem Unionsmarkt so weit wie möglich zu nutzen“, legte der Staatschef die Prioritäten fest.

Der Präsident wies darauf hin, dass die entsprechende Rechtsgrundlage geschaffen und die Kriterien für die Einstufung von Industrieprodukten als Waren des Unionsstaates vereinbart worden sind, mit deren Hilfe Belarus und Russland ihren gemeinsamen Markt schützen müssen.

„Die Zusammenarbeit im Bereich Transport und Logistik hat ein neues Niveau erreicht. Wir entwickeln aktiv den Umschlag belarussischer Güter über russische Häfen. In diesem Jahr wird sein Volumen 16 Millionen Tonnen erreichen. Das bedeutet eine vollständige Wiederherstellung des Niveaus vor den Sanktionen. Zwischen unseren Ländern sollte es keine administrativen Hindernisse und bürokratischen Missverständnisse geben“, betonte Alexander Lukaschenko.

Der Präsident ist der Ansicht, dass die Regierung und das Parlament der systematischen Zusammenarbeit mit Russland bei der Bildung gemeinsamer Branchenmärkte besondere Aufmerksamkeit widmen sollen, da Belarussen und Russen keine Fremden füreinander sind.  

„Wir müssen von der leeren Buchhaltung wegkommen, wer wem wie viel schuldet. Das ist ein Überbleibsel aus alten Zeiten. Unsere gesamten Exporte nach Russland sind ein Tropfen auf den heißen Stein! Bei keinem einzigen Produkt stellen wir eine nennenswerte Konkurrenz dar. Und unser Unionsstaat darf nicht von einfachen Sachbearbeitern und Bürokraten ausgebremst werden“, so der Staatschef.

China sei nach Russland der zweitgrößte Handelspartner und einer der führenden Investoren in der belarussischen Wirtschaft. In den letzten zehn Jahren haben sich die belarussischen Exporte in die Volksrepublik China fast verdreifacht. Und das Gesamtvolumen des Handels übersteigt bereits den Handel mit der gesamten Europäischen Union um mehr als das Doppelte. 

„Es sind bedeutende Projekte in neuen zukunftsträchtigen Bereichen geplant – von der Forstchemie bis zum unbemannten Transport. Das deutlichste Beispiel für die industrielle Zusammenarbeit unserer Länder ist das belarussische Volksauto „BELGEE“, bei dem wir begonnen haben, die eigene Lokalisierung in großem Umfang zu vertiefen“, erwähnte der Präsident das bedeutendste Projekt.

Über die wichtigste Aufgabe für Exporteure 

Heute ist die wichtigste Aufgabe für belarussische Exporteure die Erschließung von Fernmärkten, erklärte Alexander Lukaschenko. Als Beispiel nannte er das gute Wachstum der Lieferungen nach Indien (von Januar bis Oktober 2025 stiegen sie um das 2,8-fache auf 493 Millionen Dollar). 

„Heute ist dies die fünftgrößte Volkswirtschaft der Welt mit der größten Bevölkerungszahl“, bemerkte der Staatschef. Seinen Worten zufolge gibt es erhebliche Voraussetzungen für die Entwicklung des Handels und der industriellen Zusammenarbeit mit dem Iran, Pakistan, Algerien, Oman und den Vereinigten Arabischen Emiraten – Ländern, deren Führung mit uns in einer verständlichen Sprache spricht.

Die Besuche des Präsidenten in diesen Ländern führten zu wichtigen Vereinbarungen auf höchster Ebene. Dort besteht Nachfrage nach belarussischen Lebensmitteln, Industrieprodukten, Entwicklungen in den Bereichen Informationstechnologie, Sicherheit und Medizin.

„Der Ausbau des Wirtschaftsverkehrs mit den Ländern Afrikas ist ein Test für unsere Wirtschaft und unser System zur Förderung des Exports. Ein Lackmuspapier für die Bewertung der Arbeit der gesamten Regierung. Insbesondere des Industrieblocks. Die Aufgabe ist enorm. Und nicht nur die Ministerien müssen aktiv werden. Die Rolle der Botschafter – der Schlüsselpersonen für die Sammlung von Primärinformationen und die Suche nach Möglichkeiten zur Förderung unserer Interessen – muss gestärkt werden“, stellte Alexander Lukaschenko die Aufgaben.

Dabei sollten laut seinen Worten die Unternehmen selbst an erster Stelle stehen: Die belarussische Wirtschaft sollte sich aktiver am Aufbau von Logistikketten und Händlernetzwerken in den Ländern des globalen Südens und Ostens beteiligen. Und die Arbeit der belarussischen Parlamentarier im Bereich der Integrationsverbände sollte neben dem politischen Effekt auch echte wirtschaftliche Ergebnisse bringen, fügte der Präsident hinzu.

„Wir sind immer offen für Dialog und Zusammenarbeit auf jeder Ebene. Wir finden mit allen eine gemeinsame Sprache. Die Belarussen verfügen über einen reichen Erfahrungsschatz. Aber es muss ein Gespräch auf Augenhöhe sein!“, wird in der Botschaft betont.

Über internationale Beziehungen, die mehr sind als Freundschaft

„In unserer Geschichte haben wir Belarussen gemeinsam mit verschiedenen Völkern Staatlichkeit aufgebaut. Zunächst in der Familie der Ostslawen, später mit den Völkern der riesigen Sowjetunion. Alle, die mindestens einmal aus den ehemaligen Sowjetrepubliken zu uns gekommen sind, sei es zu einem offiziellen Besuch, einer Geschäftsreise, zu Verwandten oder zum Urlaub, wissen: Hier wird man wie ein Familienmitglied empfangen. Unsere Beziehungen sind mehr als Freundschaft“, betonte Alexander Lukaschenko in seiner Rede.

Er betonte, dass fast ein Jahrhundert gemeinsamer Geschichte nicht aus dem kollektiven Gedächtnis gelöscht werden könne. Viele Belarussen haben in verschiedenen Teilen des einstigen gemeinsamen Landes eine zweite Heimat gefunden, viele sind nach Belarus gekommen – hier und dort leben echte internationale Familien.

„Ja, wir, die Erben der Sowjetunion, erleben keine guten Zeiten. Der Westen hat uns einen inner-slawischen Konflikt beschert, der in einem Krieg in der Ukraine eskalierte. Ich werde nicht in politische Hintergründe eintauchen, sondern wiederholen, was ich bereits gesagt habe: Wir sind offen für die Ukrainer. Ihr seid keine Fremden!”, wandte sich der belarussische Staatschef in seiner Botschaft auch an die Ukrainer.

Über die Einheit des belarussischen Volkes

Alexander Lukaschenko stellte fest, dass die Belarussen heute eine große Familie sind: mehr als 150 Ethnien und Nationalitäten.

Allein in den letzten fünf Jahren haben mehr als 17.000 Menschen die belarussische Staatsbürgerschaft erhalten. Sie kommen aus mehr als 60 Ländern, von den USA und Kanada bis Sri Lanka und Madagaskar.

„Jetzt sind sie unsere Leute, Belarussen mit Pass. Und Mentalität“, betonte der Präsident. „Das Recht auf freie Entfaltung der Kulturen aller in der Republik Belarus lebenden nationalen Gemeinschaften haben wir in unserer Verfassung verankert. Alle zwei Jahre veranstalten wir in Grodno das Republikale Festival der nationalen Kulturen.“

Als gutes Beispiel für den Zusammenhalt in der Gesellschaft nannte der Staatschef die Entscheidung, Zentren der wichtigsten Religionen einzurichten.

„Ich bin überzeugt, dass all diese Einrichtungen mit der Zeit zu einem Symbol der nationalen Einheit des belarussischen Volkes werden, das offen und friedliebend ist“, so endet der Teil, der nicht persönlich von Alexander Lukaschenko vorgetragen, aber im Wortlaut seiner Rede veröffentlicht wurde.

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