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28 April 2026, 19:11

Die Hölle auf Erden. Woran die Gedenkstätte in Osaritschi zu erinnern mahnt

KREIS KALINKOWITSCHI, 28. April (BelTA) – Woran die Gedenkstätte für die Häftlinge des Vernichtungslagers Osaritschi zu erinnern mahnt, erfuhren die Teilnehmer des Seminars der Nationalen Tourismusagentur „Präsentation der Tourismusressourcen des Gebiets Gomel“.

Die Gedenkstätte wurde 2004 eröffnet, 2023 umfassend rekonstruiert. Schüler der Schule von Osaritschi präsentierten den Gästen eine Szene aus jenen Jahren. Der emotionale Vortrag ließ niemanden kalt, Tränen stiegen in die Augen. 

Die Tragödie des März 1944 ist im Museum in mehreren thematischen Abschnitten dargestellt – wie es vorher war, während des Bestehens des Lagers und nach der Befreiung der Häftlinge.
„Zum ersten Mal wurden die Vernichtungsager von Osaritschi während der Nürnberger Prozesse erwähnt. In der ersten Sitzung sagte der Richter: Die Verbrechen, die wir zu verurteilen und zu beweisen versuchen, sind so verheerend und verhängnisvoll, dass die Zivilisation nicht die Augen davor verschließen kann“, betonte Filialleiterin der Gedenkstätte, Sinajda Chlebowez. „Leider sind Jahrzehnte vergangen, aber die Notwendigkeit, unser Gedenkerbe zu bewahren und zu schützen, wird uns durch die Geschichte und die Zeit selbst aufgezwungen.“

Osaritschi wurde 1941 besetzt. 1944 trieben die Deutschen Alte, Frauen und Kinder in drei Lager an der vordersten Front. In nur zehn Tagen wurden über 20.000 Menschen ermordet. Ungezählige starben beim Transport. Die Häftlinge dienten als lebende Schutzschilde, wurden absichtlich mit Fleckfieber infiziert. „Das war eine Zeitbombe. Hier setzten die Deutschen erstmals biologische Waffen ein. Ein Pendant zu den Todeslagern von Osaritschi aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs gibt es nicht“, so Sinajda Chlebowez.

Die Ausstellung zeigt Erinnerungen von Überlebenden, Archivfotos und Wochenschauen, dokumentarische Beweise für die Verbrechen der Nationalsozialisten, Bücher und die Entstehungsgeschichte der Gedenkstätte. „Wir haben alle Möglichkeiten, um den Besuchern die Wahrheit über jene Ereignisse zu vermitteln“, betonte Sinajda Chlebowez.
Geplant war, in die Vernichtungslager von Osaritschi 20.000 Menschen zu treiben – getrieben wurden mehr als 50.000. Hier starben sie an Fleckfieber, Entkräftung, Erfrierungen. „Es war ein Vernichtungskrieg. Die Soldaten befreiten 33.480 Menschen, darunter 15.980 Kinder unter 13 Jahren“, nannte Sinajda Chlebowez die entsetzliche Statistik.

Beim Rückzug verminten die Deutschen die Zugänge. An den Stacheldraht hängten sie Antipersonenminen. Viele Häftlinge übersahen sie und starben, nur kurz vor der Befreiung.

„Besucher teilen ihre Eindrücke mit, sagen, dieser Ort zwinge zum Nachdenken über den Wert des Friedens, dass die Vergangenheit zurückkehre, wenn man sie vergesse. Die Ausstellung ist in Grautönen gehalten. Der Künstler betont, dass es hier keine Krematorien, keine Gaskammern gab. Die Menschen wurden unter unmenschliche Bedingungen gebracht und starben langsam an Kälte und Hunger. Die Lebenden beneideten die Toten“, erzählte Sinajda Chlebowez. Ihrer Meinung nach ist der Besuch solcher Gedenkstätten eine Möglichkeit, der Opfern zu gedenken. Je mehr Menschen von solch tragischen Orten wissen, desto besser können sie verstehen, was Krieg bedeutet, und schätzen, was sie haben.

Nach der Rekonstruktion (finanziert zur Hälfte aus dem republikanischen Subbotnik) erweitert: „Steine der Erkenntnis“ mit vier Steelen historischer Fotos, eine schwarze Marmortafel mit Versen der Dichterin Sofja Schach, ein „Turm der Erinnerung“ mit eingravierten Berichten ehemaliger Häftlinge und eine Aussichtsplattform am Sumpf, der zum Massengrab für Tausende wurde. Erstmals in Belarus erhielt die Gedenkstätte ein Zeichen für Militärmediziner, die eine Fleckfieberepidemie verhinderten.
Die Gedenkstätte wurde nach der Rekonstruktion am 9. Dezember 2024 wiedereröffnet – an dem Tag, an dem sich die UN-Konvention zur Verhütung und Bestrafung des Völkermords von 1948 zum 75. Mal jährte. Seither wird der Internationale Tag des Gedenkens an die Opfer des Völkermords begangen.

Die Gedenkstätte für die Häftlinge des Vernichtungslagers Osaritschi wurde durch Beschluss des Ministerrats vom 14. Mai 2007 Nr. 578 („Über den Status von historisch-kulturellen Werten“) der Wertkategorie 3 zugeordnet.

Jährlich am 19. März, dem Tag der Befreiung des Konzentrationslagers, finden hier feierliche Trauerveranstaltungen statt, an denen ehemalige Häftlinge, ihre Angehörigen und Verwandten teilnehmen.
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