Themen
"Thema im Gespräch "
MINSK, 27. Januar (BelTA) – Auf der Anklagebank des Minsker Kriegsverbrecherprozesses vor 80 Jahren saßen 18 Vertreter des NS-Regimes, darunter Soldaten und Offiziere der Wehrmacht. Darüber erzählte Historiker Swjatoslaw Kulinok in der neuen Ausgabe von „Thema in Gespräch. Geschichte“ auf dem YouTube-Kanal der Telegraphenagentur BelTA.
Dr. Swjatoslaw Kulinok erzählte: „Am 21. November 1945 wurde ein geheimer Beschluss des ZK der KPdSU verabschiedet, deutsche Nazi-Kriegsverbrecher, die auf dem Territorium der Sowjetunion ihre Untaten vollbrachten, vor Gericht zu stellen. Die ersten zwei Prozesse fanden bereits in Krasnodar und in Krasnodon im Sommer 1943 statt. Nach diesem Beschluss fanden die weiteren acht Prozesse in den größeren Städten statt, die im Krieg schwer betroffen waren, darunter in Smolensk, Brjansk, Leningrad, Riga und Minsk.“
„Am Prozess wurde sehr sorgfältig gearbeitet. Angeklagt wurden insgesamt 18 Täter, wobei ich betonen muss: darunter waren Menschen sämtlicher Ränge, von einfachen Soldaten bis zu den Generälen. Es waren Verbrecher, die sowohl in der SS als auch in der Wehrmacht dienten. Das ist wichtig zu erwähnen, weil wir wissen, dass der Kriegsverbrecherprozess in Nürnberg die Wehrmacht als kriminelle Organisation nicht verurteilte. Verurteilt wurden die SS, die Gestapo, die NSDAP und die NS-Ideologie, aber die Wehrmacht wurde nicht verurteilt.“
Auf der Anlagebank saßen unter anderem Generäle Johann-Georg Richert und Gottfried Heinrich von Erdmannsdorff, die die ungeheuerlichen Verbrechen auf dem Territorium der BSSR organisiert und geleitet haben. Richert war Kommandeur der 286. Sicherungs-Division, später Kommandeur der 35. Infanterie-Division. Er war einer der Ideenväter des Todeslagers Osaritschi.
Ein anderer Angeklagte war Hans Hermann Koch, Chef der Sipo in Orscha, Borissow und Slonim. Er ist verantwortlich für die Ermordung von Tausenden von Menschen in Orscha und Borissow. Außerdem nahm Koch teil an der Operation 1005. Während dieser Operation haben die Nazis Spuren ihrer Verbrechen beseitigt – dafür wurden auf dem Territorium Belorusslands über 300 000 Leichen exhumiert und vernichtet.
„Er war ein überzeugter Nazi. Während andere Verbrecher zum Ende des Kriegstribunals ihre Taten bereut und die Schuld eingestanden haben, sagte Koch etwa: „Wir haben das Töten gelernt. So bin ich halt.“ Er hat nichts bereut und blieb ein überzeugter Nazi“, erzählte Kulinok.
