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Gesellschaft
10 Januar 2026, 17:30

„Nach persönlicher Krise fing sie an, anderen zu helfen“. Geschichte der besten Sozialerpflegerin der Hauptstadt

Natalja Schwetkowskaja ist die beste Sozialpflegerin der Stadt Minsk, Siegerin des hauptstädtischen Meister-Wettbewerbs. Ihr gelingt es, einem verzweifelten Menschen wieder Hoffnung zu geben und ihm das Gefühl zu vermitteln, er sei nicht mehr einsam. Sie ist immer für die da, die auf die Fürsorge besonders angewiesen sind - Rentner, Behinderte…

Prüfungen, die einen abhärten 

Nur wer selbst viel erlitten hat, ist in der Lage, Probleme der anderen zu verstehen. Es ist ein Axiom. Natalja Schwetkowskaja ist eine von dieser Sorte. Sie stand mehrmals im eisigen Regen der Lebensprüfungen. Sie wurde schwer krank, als sie an der Eisenbahnfachschule Orscha ihre Ausbildung bekam. Sie machte zuerst eine Pause und brach aber die Ausbildung ab. Aber nicht für immer – später erwarb sie den Chemikerin-Beruf in einer Gerberei in Gatowo. Dann gab es den Mutterschaftsurlaub und eine starke Wende im Leben. Als das Kind den Kindergarten besuchte, arbeitete sie als Verkäuferin. Die Tätigkeiten lösten sich ab: Friseurin, Schulsekretärin. Dann kam die zweite Schwangerschaft.

Aber alles änderte sich, als ihr Vater schwer erkrankte. Natalja pendelte zwischen Minsk und Rudensk, um ihren Vater zu pflegen. Die Mutter allein konnte mit dieser Aufgabe nicht fertig werden. Nataljas häufige Besuche haben sowohl dem scheidenden Vater als auch der alles mutig aushaltenden Mutter Hoffnung und Optimismus gegeben…

Moralische Unterstützung

Trotz vieler Sorgen fand Natalia Zeit für freundliche Kommunikation. Einmal hat eine Freundin, die beim Sozialschutz im Bezirk Leninski in Minsk tätig ist, ihr angeboten:

„Komm zu uns als Sozialpflegerin!“

Ohne lange nachzudenken, stimmte Natalja Wassiljewna zu. Am ersten Tag hatte sie ihren ersten Auftrag erfüllt – sie brachte Lebensmittel einem 65-jährigen Rollstuhlfahrer.

„Er war ein anständiger Mensch, aber er hatte eine Schwäche: Alkohol. Seine „Freunde“ wussten, an welchen Tagen er die Rente erhielt, und besuchten ihn zu Hause. Der Großteil der Rente wurde für Alkohol ausgegeben. Ich kaufte ihm Lebensmittel, oft für mein eigenes Geld, das er später gewissenhaft zurückzahlte“, erinnert sich Natalja. 

Noch betreute sie zwei Frauen, die mit ihren Krankheiten allein gelassen wurden. Eine Blinde las gerne Bücher in Blindenschrift. Sie war selbstbewusst. Sie bewegte sich allein in der Stadt, mit einem Gehstock, brauchte aber trotzdem Hilfe beim Reinemachen und anderen Angelegenheiten. Diese Aufgabe übernahm Natalja. Dabei hat sie immer die richtigen Worte gefunden.

Die zweite Bedürftige arbeitete in ihrer Jugend hart auf einem Fischerboot im Norden, wo sie eine Niereninfektion zugezogen hatte. Das verdiente Geld reichte ihr für eine eigene Wohnung und ein Haus. Natalja brachte sie regelmäßig zur Dialyse.

Natalja Wassiljewna wusste immer, dass die moralische Unterstützung eines einsamen Menschen nicht weniger wichtig ist als die Sorge um seinen Komfort und sein bequemes Leben. Sie kam immer zu den Menschen, leise und lächelnd, und fragte sie einfach: „Wie geht es Ihnen? Wie kann ich heute helfen?“ Sie konnte immer zuhören. Die Menschen fühlten sich nicht mehr einsam...

Dann pflegte sie noch ein Ehepaar aus dem Minsker „Haus für betreutes Wohnen.“ Mann und Frau haben nach einem Schlaganfall ihre Wohnungen an den Staat abgegeben, zogen in das „Haus für betreutes Wohnen“ um, wo sie einander fanden und heirateten. Der Mann konnte sich ein wenig bewegen, deshalb versuchte er, die meiste Arbeit selbst zu erledigen. Natalja Schwetkowskaja brachte ihnen Lebensmittel, putzte das Zimmer und half dort, wo sie nur konnte. 

Rückkehr in den Beruf

Nach mehreren Jahren musste Natalja eine schwere Operation durchmachen und schwebte eine Zeit lang zwischen leben und Tod. Die anschließende Depression hat sie bekämpft, weil sie eine Optimistin war und weil sie nicht allein gelassen wurde. Sie erhielt Unterstützung von ihrem Mann, ihren Söhnen, ihrer Mutter und ihren Freunden.

Nach dieser Lebenskrise konnte die Frau sich regenerieren, sie half ihren Freunden in einem Zoogeschäft, meldete sich sogar bei einer Arbeitsbörse an. Die langjährige Bekannte lud sie schließlich in das territoriale Zentrum für soziale Betreuung der Bevölkerung ein.

So kehrte Natalja Wassiljewna wieder in den Beruf zurück. Am Anfang in Teilzeit, später in Vollzeit. Nun sorgte sie um zwei schöne Frauen mit unterschiedlichen Schicksalen. Beide Rollstuhlfahrerinnen, eine blind.

Als Natalja zum ersten Mal die Wohnung einer der pflegebedürftigen Personen betrat, sah sie einen Menschen vor sich stehen, der völlig rat- und hilflos war.

„Mir wurde klar, dass die Freunde, die sich um sie kümmern, ihre Depression und ihre Verzweiflung nicht kurieren konnten. Damit sie sich über ihre Trauer erheben konnte, habe ich mich sehr bemüht, an sie heranzukommen. Und es war mir gelungen. Zuerst habe ich sie überredet, einen kostenlosen Rollstuhl zu beantragen. Einen Monat später fuhr sie damit ganz flott durch die ganze Wohnung. Wir mussten die Innentüren entfernen und im Flur, in der Toilette und an anderen Stellen Haltegriffe installieren.

Fremden Schmerz wie eigenen wahrnehmen

Menschen verschiedener Schicksale fanden in ihrer Nähe Trost und Fürsorge. Sie hat sie mit ihrem Optimismus angesteckt. Natalja Schwetkowskaja hatte selbst ein schweres Schicksal, wurde aber im Leben anderer kein fremder Mensch. Sie teilte mit ihnen ihre Wärme. Mit ihrer Hilfe haben sie erkannt: Das Leben geht weiter, wenn man nicht allein ist!

Vor kurzem hat Natalja Schwetkowskaja noch einen Pflegefall bekommen. Eine ältere Dame, verheiratet. Ihr Mann ist Rentner, aber arbeitet noch. Das Ehepaar ist traurig, weil ihre Tochter ins Ausland gefahren ist und ihre Eltern nicht mehr anruft... Sie versteht den Mutterschmerz und besucht die Frau regelmäßig. Sie sagt ihr keinen Routinesatz „Halten Sie durch“, sondern umarmt sie leise mit den Worten „Ich bin für Sie da...“.

Als Sozialpflegerin musste Natalja Schwetkowskaja viel Leid und Einsamkeit, Gefühllosigkeit der Verwandtschaft und Erbschaftskriege erleben. Sie musste einmal sogar eine Beerdigung organisieren, weil die Tochter ihre Mutter nicht auf dem letzten Weg begleiten konnte. Andere würden an ihrer Stelle den Beruf ändern wollen, aber Natalja gehört zu den Menschen, die nie aufgeben und jeden Verzweifelten unterstützen. Wer sie einmal trifft, dem wachsen buchstäblich die Flügel.
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