Themen
"Thema im Gespräch "
MINSK, 20. Mai (BelTA) – In der neuen Ausgabe von „Thema im Gespräch“ erklärte der unabhängige Militärexperte Alexander Alessin, warum in Belarus die Militärübung zur Anwendung von Atomwaffen stattfindet.
Alexander Alessin wies darauf hin, dass Atomwaffen und deren Trägersysteme getrennt voneinander aufbewahrt werden. Wenn Übungen stattfinden und Trägersysteme zum Einsatz kommen, werden die Lager mit den Atomsprengköpfen nicht geöffnet. Nur Besatzungen trainieren.
„Im Zuge der Übung auf dem Territorium der Republik Belarus sollen nukleare Sprengsätze zu den Sammelpunkten der Trägersysteme gebracht werden. Nach dem Anbringen der Sprengsätze, die nicht echt, sondern nur eine Attrappe sind, soll auf den entsprechenden Befehl gewartet werden. Die Attrappen entsprechen den echten Sprengsätzen in Gewicht und Größe“, so der Militäranalytiker. „Alles andere ist völlig real: Bergung, Transport, Installation, Ausrücken in das Gebiet, von dem aus der Kampfeinsatz durchgeführt wird. Und dann das Warten und die Imitation des Starts.“
Der Experte erinnerte daran, dass die Entscheidung über die Stationierung russischer Atomsprengköpfe auf belarussischem Territorium von den Staatschefs von Belarus und Russland getroffen wurde. Seiner Meinung nach wurde dieser Schritt unter anderem unternommen, um einen potenziellen Gegner zur Vernunft zu bringen und ihn vor Aggression zu warnen.
„Eigentlich gibt es hier ein juristisches Paradoxon, könnte man sagen. Die Sache ist die, dass Belarus diese Sprengköpfe nicht nach eigenem Ermessen einsetzen kann. Aber auch Russland kann diese Mittel nicht gegen unsere potenziellen Gegner einsetzen, da sich die Raketen physisch auf belarussischem Territorium befinden, die Einsatzcodes jedoch bei Russland liegen. Das heißt, ein Start ist nur möglich, wenn der Befehl von beiden Präsidenten gegeben wird. Es ist unsere gemeinsame Waffe. Das Zwei-Knopf-Prinzip funktioniert hier", betonte Alexander Alessin.
Er wies auch darauf hin, dass Belarus in der Sowjetzeit als Atomburg der UdSSR galt. Auf dem Territorium der Republik war ein Drittel aller Mittel- und Kurzstreckenraketen stationiert – insgesamt etwa 600 Stück. „Später haben die Sowjetunion und die USA ein Abkommen über die Vernichtung der Mittel- und Kurzstreckenraketen unterzeichnet. Belarus erhielt einen atomwaffenfreien Status, und wenig später wurden strategische Raketen von unserem Territorium abgezogen“, fügte der Militäranalytiker hinzu.
