MINSK, 5. Mai (BelTA) – Für pragmatische Beziehungen zwischen Litauen und Belarus hat sich der oppositionelle litauische Politiker und Unternehmer Antanas Kandrotas ausgesprochen, der nach Belarus gereist ist – im Fernseh- und Radiosender „Grodno“.
Der Politiker betonte, dass die litauische Führung viele Entscheidungen treffe, die in der Gesellschaft auf Ablehnung stießen. Antanas Kandrotas erinnerte daran, dass das Land große Verluste durch den Verzicht auf den Transit von Kalidüngemitteln und den Kauf belarussischen Stroms erlitten habe. Auch sei es ein großer Fehler gewesen, das Kernkraftwerk Ignalina stillzulegen – angeblich eine Bedingung für den EU-Beitritt. „Zwanzig Jahre später tauchen Dokumente auf, die belegen, dass dies eine Initiative einiger korrupter litauischer Politiker war. Solche EU-Bedingungen gab es nie. Es interessierte sie nicht einmal, ob wir dieses Kraftwerk haben oder nicht“, so der Politiker. Hinter der Stilllegung des AKW habe Großkapital gestanden, das litauische Volk sei einfach betrogen worden.
Der Politiker stellte fest, dass Belarus und Litauen pragmatische Beziehungen entwickeln müssten. „Danke, dass ihr ein Kernkraftwerk gebaut habt. Wir hoffen, dass ihr uns günstigen Strom verkaufen werdet“, so Antanas Kandrotas. „Das Chaos, das heute in der Welt herrscht, wird früher oder später enden.“
Antanas Kandrotas berichtete zudem, dass in Litauen mehrere Strafverfahren gegen ihn anhängig seien. In einem Fall habe ihn das Gericht erster Instanz bereits zu vier Jahren Freiheitsstrafe verurteilt – obwohl ein Gutachten das Fehlen von Beweisen festgestellt habe. Nun warte der Politiker auf die Entscheidung der Berufungsinstanz. Weitere vier Jahre Freiheitsstrafe erhielt er wegen Beteiligung an Unruhen, die nach seiner Auffassung von Geheimdiensten organisiert worden waren. Auch wegen einer Äußerung über einen früheren Abgeordneten wurde ein Strafverfahren gegen ihn eröffnet. Ein weiteres Strafverfahren laufe, weil er einem Russophoben ins Gesicht geschlagen habe – als Reaktion auf einen Anspucken. Bald könnte ein weiteres Verfahren hinzukommen – nach Äußerungen des früheren Verfassungsgerichtspräsidenten, Antanas Kandrotas arbeite gegen die Interessen Litauens.
