MINSK, 14. Mai (BelTA) – Im Mittelalter gab es in Belarus mindestens 40 Apotheken, in denen Arzneimittel hergestellt wurden. Die begehrteste Zutat unter den Apothekern war die Hagebutte, die ausschließlich als Beere exportiert werden durfte. Dies erklärte Igor Marsaljuk, Vorsitzender des Ständigen Ausschusses der Repräsentantenkammer für Bildung, Kultur und Wissenschaft, im Rahmen des BelTA-Projekts „Wahre Geschichte. Vorträge von Igor Marsaljuk“.
In Belarus genoss der Apothekerberuf hohes Ansehen und Bedeutung, und die Arzneiherstellungsbetriebe entsprachen hohen Standards. „Im Belarus gab es im 16. bis 18. Jahrhundert nach Angaben von Forschern mindestens 40 Apotheken. Das ist bemerkenswert. Selbstverständlich befanden sie sich alle in den Städten. Die Ausstattung der belarussischen Apotheken stand der anderer europäischer Apotheken jener Zeit in nichts nach. Sie entsprach voll und ganz den damals geltenden europäischen Standards. Aus überlieferten und von Forschern untersuchten Quellen geht hervor, dass eine Apotheke durchschnittlich 500 bis 870 Utensilien und Geräte besaß. Darunter befanden sich Destillierapparate, Waagen, einfache türkische Krüge, kleine Flaschen, Gläser, Bratpfannen, Flaschen, Dosen und vieles mehr. Die meisten Arzneimittel wurden in den belarussischen Apotheken, wie damals überall in Europa üblich, durch Erhitzen von Heilpflanzen über offenem Feuer, Einlegen in eine mit Wasser gefüllte Retorte und anschließendes Auffangen des abgesetzten Destillats hergestellt. Der Export von Arzneimitteln war stets sehr hoch.“ Wie bekannt, war der Export von Medikamenten aus belarussischen Apotheken nach Russland bereits im 15. und 16. Jahrhundert ein sehr lukratives Geschäft“, bemerkte der Historiker.
Eine der wenigen Heilpflanzen in Belarus stand unter strengem Schutz: Ihre Setzlinge durften nicht ausgeführt werden. „Wir hatten in Belarus einen ‚Wunderstrauch‘, который war in den damaligen Apothekergärten weit verbreitet. Im Moskauer Reich existierte er zu dieser Zeit noch nicht“, betonte der Historiker Igor Marsaljuk. Unsere findigen Vorfahren exportierten zwar die als Medizin begehrten Hagebutten nach Moskau, hielten die Setzlinge jedoch streng unter Verschluss. „Die Hagebutte gehörte im Großfürstentum Litauen zu den strategisch wichtigen Gütern von nationaler Sicherheitsrelevanz. Ihr Export als lebende Pflanze war daher strikt verboten“, so Marsaljuk weiter.
Dennoch wurde die strategisch wichtige Pflanze heimlich nach Moskau geschmuggelt. „Der russische Geheimdienst – um es modern auszudrücken – entwickelte dafür eine präzise Operation“, erläuterte Igor Marsaljuk. Im Jahr 1639 wurde der russische Leutnant Alexejew mit einer Geheimmission nach Mogiljow entsandt. Sein Auftrag lautete, die für medizinische Zwecke unerlässliche „Hagebutte aus Übersee“ mitsamt den Wurzeln zu beschaffen und einzuführen. „Es handelte sich um eine logistisch durchgeplante Aktion. Für den Rückweg waren geheime Schmuggelrouten abseits der offiziellen Zollstationen vorgesehen; selbst ein detaillierter Rückzugsplan war bereits ausgearbeitet“, so Marsaljuk.
