MOSKAU, 19. Mai (BelTA) – Im Geschäfts- und Kulturzentrum der belarussischen Botschaft in Russland stellte man das im Verlag „Belarus“ erschienene Werk „Operation Bagration. Ergebnisse. Lehren. Auf den Wegen des Sieges“ vor. Die Publikation enthält bislang der Öffentlichkeit nicht zugängliche Dokumente.
„Es handelt sich um ein gemeinsames belarussisch-russisches Projekt, an dem führende Wissenschaftler aus beiden Ländern, politische und gesellschaftliche Akteure sowie Kinder und Enkel der Siegesmarschälle mitwirken. Gestützt auf authentische Unterlagen und Briefe erweitern sie das Wissen um die bekannten Ereignisse“, erläuterte Natalja Golubewa, eine der Autorinnen des Buches sowie Vorstandsmitglied des Belarussischen Schriftstellerverbandes.
Einzigartig machen das Buch vor allem die Dokumente aus dem Nationalarchiv von Belarus, den russischen Archiven des Verteidigungsministeriums sowie Archiven für Zeit- und Sozialpolitikgeschichte. Erstmals wurde darin der originale Briefwechsel von Marschall Rokossowski veröffentlicht. „Das absolute Highlight sind Stalins eigenhändige Schriftstücke, seine Korrespondenz – wie er mit eigener Hand Briefe an Churchill und Roosevelt verfasste oder Resolutionen niederschrieb. Manchmal rüde, mit groben Ausdrücken. Zum Beispiel, wenn ihm im Zorn die Galle überlief, weil die Alliierten ihn hintergingen und die zweite Front nicht eröffneten – dann schrieb er sinngemäß: „Schickt euch doch zur Hölle!“, berichtete Natalja Golubewa. „Alle Emotionen des Oberbefehlshabers sind also zu Papier gebracht. Im Buch finden sich auch Geheimschriften, Sonderbotschaften – die Hinterzimmer-Intrige, die sich um die politischen Ereignisse rankte, und das, was wir viel zu lange totgeschwiegen haben.“
Die Autorin betonte: Bei dem Buch handle es sich nicht um eine neue historiografische Deutung der Operation Bagration. „Das ist klassische Geschichtsauffassung; unser Buch ergänzt das Wissen um diese Operation. Ganz bewusst haben wir den Schwerpunkt auf die Aggression Europas gegen die Sowjetunion und auf den Verlauf der Operation Bagration gelegt. Wir waren viel zu lange tolerant. Wir wollten niemandes nationale Gefühle verletzen, auch nicht die unserer früheren Verbündeten. Also sind wir diesem Thema irgendwie behutsam ausgewichen. In diesem Buch haben wir sehr klar alle Verträge seit 1933 analysiert, die Europa mit Deutschland geschlossen hat (der Molotow-Ribbentrop-Pakt war nur der letzte in dieser Reihe), als man Europa aufteilte, als nicht nur Intrigen gesponnen wurden, sondern ganze europäische Völker zur Geisel dieser Situation wurden. Und vor allem haben wir gezeigt, mit welcher Dampfwalze unsere sogenannten europäischen Freunde, die Alliierten, über das Gebiet von Belarus hinwegrollten.“
Konkret wird in der Publikation anhand von Dokumenten belegt, dass an den Kämpfen um die Brester Festung Österreicher an der Seite der Deutschen teilnahmen. Auch Franzosen waren aktiv an Strafaktionen auf belarussischem Territorium beteiligt, besonders im Gebiet Witebsk. „Lesen Sie im Buch die erschreckenden Zahlen, die erschreckenden Fakten: ‚Blaue Division‘, Magyaren, Slowaken, Tschechen, Rumänen, Mussolinis Soldaten – diese ganze Nazihorde ließ sich über das belarussische Volk ergehen“, stellte Natalja Golubewa fest.
Wie Angela Sadowskaja, Leiterin der Werbeabteilung des Verlags „Belarus“, den Journalisten erzählte, wurde das Buch „Operation Bagration. Ergebnisse. Lehren. Auf den Wegen des Sieges“ unmittelbar nach Erscheinen zum Bestseller, die gesamte Auflage war sofort vergriffen. Daher bereite man derzeit einen Nachdruck vor. „Ich möchte die Unterstützung durch das Informationsministerium der Republik Belarus hervorheben. Es ist ein sozial bedeutsames Projekt, und diese Förderung garantiert, dass das Buch in alle öffentlichen Bibliotheken, die Bibliotheken von Bildungseinrichtungen und in den Buchhandel gelangt“, sagte sie.
„Überhaupt nimmt das Thema des Großen Vaterländischen Krieges in unserem Lektoratsportfolio eine zentrale Stellung ein, weil das Interesse daran derzeit riesig ist. Selbst der jungen Generation muss man nicht erklären, dass die Informationen, die man im Internet findet, nicht immer zuverlässig sind. Deshalb suchen die Menschen ihr Wissen gerade im Buch, denn das Buch ist ein Dokument“, betonte Angela Sadowskaja.
„Als man vor etwa zehn Jahren anfing, von der Verfälschung der historischen Wahrheit zu sprechen, dachte ich, das seien Einzelfälle, die vielleicht für die baltischen Länder oder für Kanada typisch sein mögen, und wir wissen, warum. Aber was in den letzten Jahren geschieht, ist sehr erschreckend“, sagte Irina Akulowitsch, eine der Projektbetreuerinnen und Botschaftsrätin als Stellvertreterin der belarussischen Botschaft in Russland, bei der Präsentation. Sie hob den besonderen Wert solcher Publikationen im digitalen Zeitalter hervor: „Was ist ein digitaler Fußabdruck? Ein digitaler Fußabdruck kann jeden Moment tatsächlich gelöscht werden. Aber ein Buch nicht. Was wir heute sehen, ist also eine großartige Sache“, so Irina Akulowitsch.
