MINSK, 12. Februar (BelTA) – In der Nationalbibliothek hat Historiker und Professor Igor Marsaljuk, Vorsitzender des Ständigen Ausschusses der Repräsentantenkammer für Bildung, Kultur und Forschung, sein neues Buch „Blut auf weißem Hintergrund. Belarussische Kollaborateure während der deutschen Besatzung“ präsentiert.
„Dieses Buch handelt von der Geschichte eines Verrats. Und von den Verrätern. Wir lesen Dokumente und sehen Fakten. Diese Fakten haben sogar unsere Feinde anerkannt, jene, die gegen die Partisanen gekämpft haben“, sagte Igor Marsaljuk.
In seinem Buch wollte Marsaljuk zeigen, worin das Wesen der NS-Ideologie besteht. „Der erste Abschnitt ist den Ursprüngen des Nationalsozialismus gewidmet - der grundlegenden fundamentalen Ideologie, die Hitler und Rosenberg vertraten. Nach dieser Ideologie wurde uns kein Platz auf unserem Boden reserviert. Wir durften nicht existieren. In den nächsten Kapiteln zeige ich alle Phasen der Zusammenarbeit der Kollaborateure mit den Nazis. Das waren belarussische Kollaborateure, aber auch Verräter aus anderen Ländern, ein „internationales Team“, das die Nazis unterstützte. Ich erzähle über alle, die den belarussischen Widerstand unterdrückten und vernichteten, die dem Dritten Reich unter verschiedenen nationalen Symbolen dienten. Dabei haben sie diese nationalen Symbole schamlos missbraucht.“
„Heute haben wir es mit einer gewissen Ästhetisierung des Nationalsozialismus zu tun. Eine Art Krypto-Nazismus, wenn ein bestimmter Teil der Jugend (und nicht nur der Jugend, es gibt absolut bewusste Menschen) sich selbst als alternative Historiker und Intellektuelle bezeichnet. Sie stellen Kollaborateure als Alternative sowohl zum Bolschewismus als auch zum Nationalsozialismus dar“, sagte Igor Marsaljuk. „Während diese „alternativen“ Historiker erklären, dass Kollaborateure für irgendwelche grundlegende nationale Werte gekämpft haben (egal welche: belarussische, russische, ukrainische, polnische), zeige ich an konkreten Beispielen, dass man keine Staatlichkeit aufbauen kann, wenn man an die Macht eines anderen appelliert, wenn man an das Geld eines anderen appelliert.“
Der Autor wies darauf hin, dass es viele früher unveröffentlichte Texte im Buch gibt. „Darunter aus den Archiven des KGB, aus dem Nationalarchiv. Dieses Buch ist eine Sammlung von Fakten und Dokumenten.“
„Die zweite grundlegende These im Buch ist der Tatsache gewidmet, dass es unmöglich ist zu behaupten, man sei Nationalheld und liebe das eigene Land, wenn man gleichzeitig mit eigenen Händen eigene Blutsbrüder tötet. Die dritte These ist, dass die Ideologie des Nationalsozialismus nichts anderes sein kann als eine universelle menschenfeindliche Ideologie. Und in diesem Sinne unterscheiden wir nicht zwischen den russischen, polnischen, belarussischen, ukrainischen, litauischen oder lettischen Verrätern. Weil sie objektiv mitschuldig waren am Morden von Zivilisten. Sie alle dienten mit Leib und Seele dem NS-Staat.“
